Gründung Gründen mit Mentor: Selbstständigkeit leicht gemacht

Erfolgreiches Tandem: Gründer stehen häufig vor einer Vielzahl von Fragen. Da ist es gut, wenn sie einen erfahrenen Unternehmer als Mentor haben, an den sie sich wenden können.

Erfolgreiches Tandem: Gründer stehen häufig vor einer Vielzahl von Fragen. Da ist es gut, wenn sie einen erfahrenen Unternehmer als Mentor haben, an den sie sich wenden können. © Photocase/kallejipp

Wer gründet, hat viele Fragen und Zweifel. Wird die eigene Idee überzeugen, sind die Preise richtig kalkuliert und wie kann man Kunden werben? So ging es auch Frank Schneidereit. Hilfe fand der Ingenieur bei einem Mentor des Netzwerks "Senioren der Wirtschaft".

Als Angestellter ist Frank Schneidereit pausenlos um die Welt gereist. Auf eine Woche Chile folgten nicht selten zwei Wochen Australien. Der Ingenieur beriet internationale Kunden bei Logistik und Software-Fragen. Aber mit 46 Jahren wurde es ihm zu viel. „Ich wollte mir nicht mehr sämtliche Gedanken auf der Autobahn machen“, sagt Frank Scheidereit, der mit seiner Frau in der Nähe von Tübingen in Baden-Württemberg wohnt. Der Wunsch wurde stärker, sich beruflich zu verändern und selbstständig zu machen. Aber wie genau? Vor allem für Einzelgründer ist dies eine Herausforderung. Plötzlich tauchen überwältigend viele Fragen auf. Auf alle alleine eine Antwort zu finden, ist schwer und kann entmutigend sein.

Unterstützung fand Schneidereit unverhofft bei einer Gründermesse in Reutlingen. Dort stellte sich das Netzwerk „Senioren der Wirtschaft“ vor. Der Verein berät Existenzgründer aus verschiedenen Branchen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die 40 ehrenamtlichen Berater sind meist ehemalige Unternehmer, die auch in ihrer Rente beruflich aktiv sein und Erfahrungen weitergeben wollen.

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Bei den „alten Hasen“ der Wirtschaft kann sich jeder Gründer bewerben. Auch Frank Schneidereit füllte den Antragsbogen aus und bekam den damals 65-jährigen Günther Kipke als Mentor zugewiesen. Der Wirtschaftsingenieur hatte in mittelständischen Unternehmen und Konzernen Führungspositionen inne gehabt. Zuletzt leitete er bei Siemens eine Technologie-Abteilung.

Der pensionierte Manager und der Logistik-Gründer waren ein gutes Team. „Besonders weil der Vertrieb meine schwache Seite war“, sagt Schneidereit. „Er hat mich richtig in die Mangel genommen.“ Alle 14 Tage gab es ein mindestens einstündiges Treffen. Wenn nicht bei Günther Kipke zu Hause bei Kaffee und Kuchen, dann über Skype und E-Mail. „Die Hausaufgaben waren anspruchsvoll“, sagt Schneidereit.

Aber das Ziel haben die beiden erreicht: Nach drei Monaten konnte sich Schneidereit selbstständig machen. Geschäftsmodell, Marktanalyse, Finanzierungsplan, Vertragsmodelle waren fertig, Webauftritt und Flyer hatte eine Grafikerin gestaltet. Sogar Gesprächssituationen für die Vorstellung bei neuen Kunden hatte Kipke im Wohnzimmer mit seinem Mentee eingeübt. Die Kosten waren sehr übersichtlich: Nur rund 220 Euro musste Frank Schneidereit an den Verein „Senioren der Wirtschaft“ überweisen.

Seit rund zwei Jahren berät Schneidereit nun schon mittelständische Unternehmer dabei, ihre Logistikprozesse zu optimieren. Mit seinem Mentor sei er aber noch immer in Kontakt. Meist treffen sie sich auf einen Kaffee am Wochenende. „Seinen Erfahrungsschatz und die Gelassenheit schätze ich sehr“, erzählt der heute 48-Jährige. „Er hat Aufs und Abs erlebt und weiß, dass man sie manchmal aussitzen muss.“ Würde er nochmal gründen, auf einen Mentor würde er auf keinen Fall verzichten.

Tipps für Gründer, die einen Mentor suchen

Netzwerk finden und nutzen
Um einen Mentor zu finden, bieten sich Organisationen oder Netzwerke an. Sie vermitteln eine Vielzahl an Mentoren mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Man kann von ihren vielfältigen Erfahrungen profitieren, sagt Schneidereit. Außerdem sei die Zugehörigkeit zum Netzwerk eine gute Basis, um Kunden zu finden und sich gegenseitig bei der Gründung zu unterstützen. Manchmal stelle sich auch heraus, dass man zwei Mentoren in zwei völlig unterschiedlichen Geschäftsbereichen brauche. „Dann macht das Netzwerk es leicht, einen Mentor für den neuen Bereicht zu finden.“ Auch falls die Zusammenarbeit mit dem Mentor auf persönlicher Ebene nicht funktionieren sollte, helfe das Netzwerk bei der Suche nach einem anderen Mentor. Eine Übersicht zu den Vereinen in ganz Deutschland, bei denen Senioren Gründer unterstützen bietet das Internetportal „Alt hilft Jung“.

Eigene Pläne formulieren können
„Auf jeden Fall sollte man dem Mentor klarmachen können, was man möchte und in welchen Bereichen man Hilfe braucht“, betont Schneidereit. „Dazu sollte man sich schon mit einigen Eckpfeilern des Geschäftsplans auseinandergesetzt haben. Zum Beispiel wer die Kunden sein sollen?“ Er selbst habe sich zum Beispiel gegen langfristige Auftraggeber entschieden und bevorzugt lieber zwei Kunden jeweils zwei Tage die Woche statt einen Kunden fünf Tage am Stück. „So habe ich auch mehr Zeit, mich um Folgeaufträge zu kümmern“, erklärt der Unternehmer seine Entscheidung.

Den Markt analysieren und Finanzen planen
Gibt es einen Markt für das Produkt oder die Idee des Gründers? Welche Konkurrenten gibt es? Wie hoch sind die eigenen Lebenshaltungskosten? Wie viel muss man verdienen, um den Lebensstandard halten zu können? Die Marktanalyse sowie die Finanzplanung gehen die Mentoren mit den Gründern gemeinsam durch. Aber eine Vorbereitung auf die vielen Fragen zu diesen Themen schadet nicht. „Die Listen zur Finanzplanung schaue ich mir jedes Jahr einmal an und aktualisiere die Zahlen, rechne alles noch mal durch, das ist eine große Hilfe“, sagt Schneidereit. Eine Vorlage für die Finanzplanung für Gründer gibt es auf der Homepage des Vereins.

Offen für Kritik sein
Die Erfahrung ist der große Schatz der ehrenamtlichen Mentoren von „Senioren der Wirtschaft“. Bei den regelmäßigen Treffen werden Zahlen gewälzt und Prozesse entwickelt. Manchmal könne die kritische Auseinandersetzung mit dem Geschäftskonzept auch den Enthusiasmus bremsen. „Aber es sind die richtigen Fragen“, ist Schneidereit überzeugt. „Die Ehrlichkeit ist des Mentors ist wichtig, deswegen sollte man selbst auch offen für die Kritik sein.“

Schneidereit_Frank Frank Schneidereit hat nach vielen Jahren als Angestellter 2013 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Mit der Hilfe eines Mentors hat der 48-jährige Unternehmer sein Geschäftsmodell solide aufbauen können.

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