"Die Höhle der Löwen", Folge 2 Um diesen Gründer fetzen sich die Löwen

"Das soll halten?" Ralf Dümmel (links) und Jochen Schweizer (Mitte) wollen den Superkleber von Dinko Jurcevic (rechts) lieber selbst testen, bevor sie dem Gründer ein Angebot machen.

"Das soll halten?" Ralf Dümmel (links) und Jochen Schweizer (Mitte) wollen den Superkleber von Dinko Jurcevic (rechts) lieber selbst testen, bevor sie dem Gründer ein Angebot machen.© VOX / Bernd-Michael Maurer

Das gab es noch nie: In der zweiten Folge von "Die Höhle der Löwen" kämpfen nicht nur Start-ups um das beste Angebot. Die "Löwen" selbst streiten sich um den Filet-Gründer des Abends. Wer diesmal abräumte und wer zu hoch pokerte - die Höhepunkte.

Mit der ersten Folge von „Die Höhle der Löwen“ gelang Vox ein fulminantes Comeback der Gründer-Show – mit Traum-Einschaltquoten. Wie sollte die zweite Folge der neuen Staffel das toppen? Mit einem Gründer, den sie alle wollen. Und ja, das hat die Messlatte noch einmal nach oben gelegt – auch für alle Start-ups, die dort jetzt noch pitchen wollen.

Der heftigste Kampf

Ein Leckerbisschen gleich zu Beginn: Um die Zukunft der Firma „Blufixx“ kämpft diesmal nicht der Gründer, sondern die Löwen – und zwar gegeneinander mit messerscharfen Krallen. Der Kölner Kandidat Dinko Jurcevic verspricht „Oberflächenreparatur in nur wenigen Sekunden“ mit einem Kunststoffkleber, der in Sekunden durch LED-Licht aushärtet – alles verpackt in eine Art etwas zu groß geratenen Kugelschreiber. „Klingt verrückt“, hat sich offenbar Frank Thelen gedacht  – er möchte sofort testen. Die unruhige Hand des Löwen kommentiert der Gründer – mit Nerven wie ein ganzes Drahttau: „Zittern Sie mal nicht so rum!“.

Anzeige

Nach wenigen Sekunden hebt Thelen mit dem gerade festgeklebten Mini-Knauf eine massive Glasscheibe empor – und die Schlacht um das Filetstück ist eröffnet. Ein besonderes Lockmittel: Jurcevic hat 43 Patente für sein Produkt angemeldet, auf nahezu jedem Kontinent. Frank Thelen sieht den Stift schon in jedem Bastelkeller und wirft vor lauter Euphorie die Metaphern durcheinander: „Das ist wie Suppe!“. Er bietet mit Judith Williams 300.000 Euro für 20 Prozent der Anteile – sogar 100.000 Euro mehr als Jurcevics Angebot.

Auch Schweizer und Dümmel wollen den Klebestift und ziehen mit ihrem Angebot gleich – inklusive einem Nachsatz, der knallt: „Ralf Dümmel hat 40.000 Regale und entscheidet selbst, was da reinkommt.“ „Bullshit!“ – unterbricht Thelen, „hier gehören niemandem irgendwelche Regale.“ Dümmel beschwichtigt den gereizten Löwen. Doch am Ende gilt: „Wenn zwei sich streiten … Schließlich wählt der Gründer den aufmerksamen Beobachter: Carsten Maschmeyer trägt die Beute davon. Sein anfängliches Angebot erhöht er von 200.000 auf 300.000 Euro für 10 Prozent der Anteile und überzeugt Jucevic, indem er ihm eine Sparringspartnerschaft auf Augenhöhe zusagt.

Der zickigste Juror

Okay, Frank Thelen gibt es ja selbst zu: „Ich bin ein emotionaler Mensch.“ Und für die Grillido-Gründer würde er einiges tun: sich in den Rewe stellen, jeden Tag mit ihnen telefonieren – und ihnen 100.000 Euro Investment für 20 Prozent geben. Er ist der erste der Löwen, der bereit ist, in die fettarme Fitness-Wurst zu investieren. Als die Stuttgarter Manuel Stöffler und Michael Ziegler seinen Deal nicht kommentieren wollen, ohne die anderen Löwen gehört zu haben, schnappt Thelen ein. „Sagt endlich mal was zu meinem Angebot!“ und – dabei überschlägt sich Thelens Stimme beinahe – „eure Umsatzerwartungen sind nur hypothetisch, das ist Fakt!“

Besonders ärgert sich der Löwe darüber, dass die Gründer sein Engagement nicht schätzen würden: „Ihr berechnet gar nicht meine Arbeitszeit mit meinem Team und meinen Kontakten mit ein, die hinter dem Angebot stehen.“ Mitten im Gespräch zwischen den Grillido-Gründern und Jochen Schweizer springt Thelen dann ab. „Ich muss auch einen Beißreflex sehen“, beschwert sich Thelen über das zurückhaltende Feedback. Ohne Angebot gehen die Gründer aus dem Studio. Was bleibt, ist nur das sympathische „Wuorscht!“ der Stuttgarter im Ohr und die innovativste Produktbezeichnung des Abends: der Fitness-Landjäger.

Der größte Schockmoment

Es fing so gut an. Die gebürtige Amerikanerin Jennifer Browarczyk mit dem sympathischen Akzent möchte Paaren via Online-Portal bei der Hochzeitsplanung helfen. Ähnliche Angebote laufen in den Staaten bereits gut und Browarczyk hat für Foreverly schon zahlende Kunden und kooperierende Dienstleister gefunden – und das ganz ohne Marketing.

Doch als die Löwen nach bereits eingesammelten Kapital fragen, platzt die Bombe: Der Gründerin gehören nur noch 27 Prozent der Firma. „Wow“ – mehr kann Frank Thelen dazu nicht sagen. Auch Dümmel und Maschmeyer glauben nicht an den Erfolg des Start-ups bei so wenig Mitspracherecht der Gründerin. Und dann versagen der 37-Jährigen auch noch die Nerven. Aus einem Glitzern im Augenwinkel werden Bäche, als auch Judith Williams aussteigt.

Die größte Überraschung

Ein Löwe bietet der Weddingplannerin doch noch einen Deal. Erst wirkt es wie Mitleid, doch Jochen Schweizer betont: „Sie haben die innere Haltung für den Erfolg.“ Den Trost vor der Kamera erkauft sich Minderheits-Eignerin Browarczyk allerdings teuer: Von ihren 27 Prozent gibt sie Schweizer noch mal mehr als ein Drittel gegen 150.000 Euro ab. Der besteht aber auch auf Besserung: „Hol dir wieder Anteile von den Investoren zurück!“

Der „Toter Fisch“-Moment

Carsten Maschmeyer, frischgebackener Gemahl von Veronika Ferres, freut sich über das Thema der Gründerin beim Hochzeits-Pitch – sagt er zumindest. Sein leerer Blick, die eingefrorenen Gesichtszüge und die monotone Stimme bei Sätzen wie „Da geht einem das Herz auf, richtig romantisch!“ gruselt uns. Oder liegt’s am Botox?

Die schlechtesten Verlierer

Sie wollten eigentlich mit ihrem Charme überzeugen: Die Zwillinge Denis und Matthieu Kanzler aus Leipzig mit ihrem Start-up Twin Bottle. Am Anfang gab’s für Frau Williams ein Blümchen, am Ende nur noch böse Worte für alle Löwen. „Vielleicht gehören die noch zur älteren Generation“, sagt einer der Gründer, als die beiden – bereits ohne Investment – außer Hörweite der Löwen stehen. Die Kanzlers pitchten für eine bruchsichere Glasflasche. Sie werfen den Investoren im Nachhinein vor, nicht ernst genug zu nehmen, wie schädlich Wasser aus Plastikflaschen sei. „Wie viel haben wir uns informiert – und wie viel die? Was machen wir denn den ganzen Tag?“ – so patzig klingt ein abgewatschter Gründer.

Denn die Löwen haben ausgeteilt: „Sie sind überheblich, kommen Sie mal ein bisschen runter“, sagt Maschmeyer und empfiehlt, das Produkt erst einmal „an der nächsten Kreuzung“ anzubieten. Auch Dümmel hat nur wenig Geduld mit den jungen Gründern, die vor jeder Flasche aus Kunststoff zu warnen scheinen: „Ihr kommt hier rein und macht eine ganze Industrie schlecht.“ Die Reaktionen der Zwillinge: energisches Kopfschütteln, ins Wort fallen und lästern. Da wirkt Frank Thelens Absage wie ein Befreiungsschlag: „Aufgrund der Art eurer Antworten kommen wir nicht zusammen, ich bin raus.“

Der langweiligste Pitch

Nicht schon wieder gesund, nicht schon wieder Säfte! Vielleicht haben Sie das auch gedacht, als das Hamburger Start-up Kale & Me seine kaltgepressten Gemüsesäfte vorgestellt hat. Als das Gründer-Trio dann noch vom Fasten mit dem Obst-Gemüse-Püree anfängt, hörte vermutlich nur noch Fitness-Fan Judith Williams genau hin. Aber auch ihr fehlte es an Leidenschaft: „Einer eurer Säfte heißt Pamela Pyne. Dann müsst ihr auch so werben: ‚Wer wie Pamela aussehen will, muss auch Pamela trinken‘!“

Mit „Lifestyle“ als USP konnten die Gründer den Löwen ihre bunten Flaschen nicht schmackhaft machen. Einer nach dem anderen stieg aus, weil David Vinnitski, Konstantin Timm und Annemarie Hey nicht erklären konnten, wie sie gegen die Berge an Konkurrenzprodukten im Supermarktregal bestehen wollen. Und wir hätten uns anstelle dieses Pitches lieber Burger mit Pommes an Majo gewünscht!

Das größte Fragezeichen

„Als Kunden haben Sie mich gewonnen, als Investor verloren“, sagte Carsten Maschmeyer zu den Saftgründern von Kale & Me, die ihr Alleinstellungsmerkmal nicht erklären konnten. Bleibt die Frage: Wann wird Maschmeyer seine Saftkur starten – und wie lange wird er durchhalten?

1 Kommentar
  • Michael 2. September 2016 12:46

    Das ist absolut nicht neu. Ich habe einen solchen Stift bzw. Kleber bereits vor vielen Jahren gekauft (unter dem Namen „SOLIQ“)

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.