"Die Höhle der Löwen" So brüllten die Löwen

High Five: Investoren Frank Thelen (links) und Jochen Schweizer klatschen sich ab. In der Auftaktfolge von Staffel 3 sicherten sich beide "Löwen" Investments.

High Five: Investoren Frank Thelen (links) und Jochen Schweizer klatschen sich ab. In der Auftaktfolge von Staffel 3 sicherten sich beide "Löwen" Investments.© VOX / Bernd-Michael Maurer

Menschen, Tiere, Sensationen: Die Auftaktsendung der dritten Staffel von "Die Höhe der Löwen" war nichts für schwache Nerven. Vom miesesten Pitch bis zur größten Überraschung - die Höhepunkte der Show.

Zum Staffelauftakt der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ nimmt Vox den Mund ziemlich voll. „Mehr Deals, mehr Investments, mehr Bizz“ verspricht die Sendung, in der Gründer die Chance erhalten, vor laufender Kamera Investoren für ihre Geschäftsideen zu begeistern.

Ob sich das bewahrheiten wird? Mal sehen. Die augenscheinlichsten Änderungen in Staffel 3 sind personeller Natur: Ganz links, im Sessel von Reiseunternehmer Vural Öger, sitzt jetzt Carsten Maschmeyer, der milliardenschwere Duzfreund Gerhard Schröders, der in den Neunzigern mit seinem Finanzdienstleister AWD als „Drückerkönig“ zu zweifelhaftem Ruhm gelangte. Und auch dem zweiten „Löwen“-Neuzugang eilt ein königlicher Ruf voraus: Ralf Dümmel, Chef des Handelsunternehmens DS Produkte, hat in der Branche den Beinamen „König der Produkte“.

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Welche Gründer in Folge 1 antreten würden, war vorab bekannt. Doch wer würde einen Deal mit nach Hause nehmen?

Die härteste Verhandlung des Abends

… gibt’s gleich im ersten Pitch: Satte 300.000 Euro stellt Seriengründer Frank Thelen der Gewürzmanufaktur „Ankerkraut“ in Aussicht. Andere Gründer würden da vor Freude auf ihrem Businessplan Mambo tanzen. Stefan Lemcke, ein Durchschnittstyp im dunkelblauen Pulli, zockt. „Wir wissen, was wir wert sind“, sagt er trocken zu Thelen. „Wir wissen, wie viel Geld wir machen.“ Doch Thelen lässt nicht mit sich handeln.

Lemcke hat „Ankerkraut“ gemeinsam mit seiner Frau Anne gegründet – und die beiden hatten sich geschworen, für 300.000 Euro nur 10, maximal 12 Prozent ihrer Firma rauszurücken. „Du kannst dich bei meiner Frau bedanken“, sagt Stefan Lemcke am Ende zu Frank Thelen. Und schlägt ein.

Die traurigste Wahrheit

… verkündet wieder Frank Thelen: „Ihr habt keinen unfairen Vorteil“, sagt er zu Philip Ehlers und Jan Nieling, die mit ihrem Start-up „Evrgreen“ Pflanzen an Leute ohne grünen Daumen verkaufen wollen. „Ihr habt nicht irgendeine ganz besondere Software entwickelt, ihr habt nicht irgendeinen Teeniestar unter Vertrag. Ihr müsst immer die besten sein, weil ihr etwas macht, was trivial zu kopieren ist.“ Am Ende gehen die beiden ohne Deal nach Hause.

Der ambitionierteste Plan

Worüber Juristen so alles nachdenken … „Ich möchte, dass der Bügel-Clou ein Volks-Bügel-Clou wird“, sagt der Berliner Anwalt Christian Peitzner-Lloret über seine Erfindung: eine Bügelhilfe für Hemdenärmel. Ein Plan, der leicht größenwahnsinnig klingt – und nun vielleicht Wirklichkeit werden könnte.

Denn am Ende gibt es für Peitzner-Lloret und seinen Bügel-Clou – Herstellungskosten: 2,30 Euro – nicht nur Lob von Teleshopping-Queen Judith Williams („Ich glaube, es ist eine Millionenidee“), sondern auch eine handfeste Zusage von Investor Frank Dümmel: 120.000 Euro im Tausch gegen 25,1 Prozent an der Firma. Dümmel, der selbst Millionen Bügeleisen verkauft, glaubt an den Volks-Bügel-Clou: „Es sollte hoffentlich möglich sein, jeden Haushalt damit zuzupflastern.“

Die überzeugendste Antwort

Den Umsatz in zwei Jahren verfünfzehnfacht, ein Pitch mit dem Prädikat „100 Punkte“ und ein Webshop, für den sogar der alte Onlinefuchs Frank Thelen nur lobende Worte findet: Mit ihrem Trachtenmode-Shop Limberry haut Sibilla Kawala Bulas die „Löwen“ aus den Socken. Judith Williams stellt der vermeintlich perfekten Gründerin die entscheidende Frage: „Wobei brauchen Sie Hilfe?“

Und Kawala Bulas antwortet: „Jeder von Ihnen hat ein Unternehmen oder mehrere aufgebaut. Bevor ich die nächsten Jahre jeden Fehler mache, den Sie gemacht haben, Lehrgeld zahle und meine Zeit verplempere, möchte ich lieber kooperieren und von Ihnen lernen.“ Lernen darf sie nun – nicht nur von Williams, sondern auch von Carsten Maschmeyer: Beide wollen bei „Limberry“ einsteigen und sind bereit, für je 10 Prozent der Firma je 125.000 Euro zu zahlen.

Der emotionalste Moment

… folgt kurz darauf, und wieder ist es Sibilla Kawala Bulas: „Lieber Papa, liebe Mama“, sagt sie nach dem Pitch in die Kamera, „falls das wirklich ausgestrahlt wird, möchte ich euch sagen, dass genau das nur euch zu verdanken ist. Ihr seid die besten Eltern der Welt und ich liebe euch.“ Diese Liebeserklärung klingt nur geschrieben kitschig. Aus dem Mund von Sibilla Kawala Bulas ist sie – wie alles von ihr: hinreißend.

Eine lobende Erwähnung in der Kategorie „Und was gab’s fürs Herz?“ gibt’s aber für Stefan und Anne Lemcke: Die beiden Gewürz-Unternehmer sind auch nach sechs Jahren Ehe offenbar noch schwer verliebt und halten Händchen, während die „Löwen“ ihr Urteil fällen. Hach!

Der mieseste Pitch

Warum Zahnarzt Steffen Tschackert wohl seinen Mitarbeiter Marc Schulze mit zum Pitch gebracht hat? Wahrscheinlich, weil er ahnte, dass er vielleicht ein guter Zahnarzt ist, aber nicht der beste Verkäufer seiner Geschäftsidee: der Zahnschiene „Dental Power Splint“. Mitarbeiter Schulze – Markenzeichen: Hand in der Hosentasche – macht seine Sache aber auch nicht viel besser. Spannende Fakten – zu Tschackerts Kunden zählen Fußball-Profis wie Manuel Neuer, Mats Hummels – erfährt nur, wer die Website besucht. Wer will schon prahlen? Obwohl: Bei einem Pitch vielleicht nicht die schlechteste Idee …

Der größte Skeptiker

Keiner guckt so skeptisch wie Erlebnis-Unternehmer Jochen Schweizer – und keiner steigt so oft als erstes aus. Den goldenen Skeptiker-Pokal verdient er sich aber mit seinen Worten: „Sie sind so gut, dass ich die ganze Zeit überlege: ‚Wo ist da der Haken?'“ zu Limberry-Gründerin Sibilla Kawala Bulas und ihrem Dirndl-Shop. Dass er trotzdem aussteigt, ist danach nur logisch.

Auf den Plätzen: Frank Thelen, der den Nutzen der Zahnschiene „Dental Power Splint“ rundheraus in Frage stellt. Und der selbst ernannte „Hemdentrageprofi“ Carsten Maschmeyer, der Christian Peitzner-Lloret beim Bügeln auf die Pelle rückt und mit inquisitorischen Nachfragen nervt.

Die heftigste Watschn

… holt sich Tobias Riedle für „Find Penguins“ ab, ein Social Network für Reisebegeisterte. „Da ist noch sehr viel Halluzination dabei“, bescheinigt ihm Carsten Maschmeyer, Judith Williams würde ihm „nicht mal 20.000 Euro geben“ und Frank Thelen, gewohnt meinungsstark, kanzelt Riedles Pläne unverblümt als „Blödsinn“ ab und sagt: „Du siehst gar nicht, dass du nichts geschaffen hast.“

Die größte Überraschung

Am Ende geschieht für „Find Penguins“ doch noch das Wunder, auf das der ewige Kämpfer Riedle gehofft hatte: Jochen Schweizer gibt seinen goldenen Skeptiker-Pokal ab, sagt 200.000 Euro für 50 Prozent der Firma zu und will Riedle „an die Hand nehmen“, samt Büro in Schweizers Firmenzentrale. Nur mal so am Rande: Riedle hat mit seiner Onlineplattform bisher keinen einzigen Euro Umsatz gemacht.

Das größte Fragezeichen

In den vergangenen Jahren standen viele vermeintliche Gewinner der Show am Ende trotzdem ohne Investor da. Wird sich Riedle mit „Find Penguins“ in diese Liste einreihen?

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