Jochen Schweizer bei "Die Höhle der Löwen" „Leute, wie soll ich in Bügelhilfen und Tortenplatten investieren?“

Auch in "Die Höhle der Löwen" hält es Investor Jochen Schweizer wie der Dalai Lama: „Not getting what you want is sometimes a wonderful stroke of luck.“

Auch in "Die Höhle der Löwen" hält es Investor Jochen Schweizer wie der Dalai Lama: „Not getting what you want is sometimes a wonderful stroke of luck.“© jochen-schweizer.de / Nico Mercier

Jochen Schweizer erzählt im Interview, warum er in der „Höhle der Löwen“ nicht öfter investiert - und wie es nach dem spektakulären 5-Löwen-Deal mit eBall weiterging.

Seit drei Staffeln sitzt Jochen Schweizer in der „Höhle der Löwen“. Der Unternehmer, ihm gehört die Jochen Schweizer Unternehmensgruppe mit mehr als 20 Einzelunternehmen, verfolgt das Motto: „Du bist, was du erlebst.“ Ein Interview über Deals, Leitlöwen und den Dalai Lama. 

impulse: Herr Schweizer, das gab’s noch nie in der „Höhle der Löwen“: Alle fünf Investoren steigen bei einem Start-up ein – und daran waren Sie maßgeblich beteiligt. Was fasziniert Sie am elektrischen Balance-Ball eBall?

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Jochen Schweizer: Der eBall hat das Potenzial, etwas wirklich Großes zu werden. Davon war ich in dem Augenblick überzeugt, als ich selber darauf gefahren bin und ein paar Runden gedreht habe: Sie balancieren auf einer Kugel und können sich so in alle Richtungen bewegen. Über Gewichtsverlagerung lässt sich der eBall sehr gut steuern.

Ihre vier Mitlöwen sahen die Idee zuerst skeptisch und stiegen nacheinander aus. Sehen Sie sich bei diesem Investment als den Leitlöwen, der die anderen auf die Erfolgsspur gebracht hat?

Bei eBall war ich derjenige, der das Potenzial gesehen und die anderen motiviert hat, sich zu beteiligen. Und das ist mir gelungen: Ich habe die Löwen überzeugt und am Ende haben alle mitgemacht.

Wie ging es nach der Show weiter – steht der Deal?

Ich habe nach der Show engen Kontakt mit dem Gründer Uli Sambeth gehalten und mich gemeinsam mit Ralf Dümmel darum bemüht, dass der Deal zustande kommt. Mit Erfolg: Alle fünf Löwen sind an Bord, jeder hält 9,8 Prozent der Unternehmensanteile, so dass Uli Sambeth mit 51 Prozent weiterhin mehrheitsfähig ist.

Warum wollten Sie unbedingt alle dabei haben? Nun müssen Sie den Gewinn teilen, wenn eBall ein Erfolg wird …

Bei eBall geht es darum, die Kompetenzen aller Löwen einzusammeln, um diesen außergewöhnlichen Gründer mit seinem tollen Produkt zu begleiten. Meine Idee war: Wir Löwen haben so viele heterogene, sich ergänzende Fähigkeiten. Lasst uns alle unsere Stärken in die Waagschale werfen, um das Produkt so erfolgreich wie möglich zu machen.

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Da kommt was ins Rollen: Jochen Schweizer bei seiner Probefahrt mit dem eBall in „Die Höhle der Löwen“.© VOX / Bernd-Michael Maurer

Damit gab es diese Woche also mal wieder ein Investment für Sie; Sie hatten sich ja in den letzten Wochen eher zurückgehalten. Woran lag’s?

Es gab einfach nicht genug Pitches, die für mich interessant gewesen wären. Natürlich macht es zum Beispiel für Ralf Dümmel Sinn, in einen Drahtbügel zu investieren, der einem das Bügeln erleichtert. Aber zu meinem Investmentfokus passt so ein Produkt einfach nicht. Ich habe mit sieben Deals – Ralf Dümmel einmal ausgenommen – nicht mehr und nicht weniger Handshakes getätigt als meine Mitlöwen, sechs davon haben im Nachhinein auch geklappt. Mit dieser Quote bin ich hoch zufrieden.

Haben Sie eigentlich Sorge, dass Ihre Zurückhaltung Ihnen Nachteile bringen könnte?

Nein, denn ich habe mich nicht mehr zurückgehalten als drei meiner Mitlöwen. Dennoch lese ich in den sozialen Medien vereinzelt: „Der Jochen Schweizer sitzt da und investiert nicht.“ Da denke ich mir: Leute, wie soll ich in Bügelhilfen und Tortenplatten investieren? Ich suche nach Investitionen, bei denen ich außer Geld auch mein gesamtes Ökosystem einbringen kann, denn nur dann minimiere ich das Risiko, mein Geld zu verlieren, und kann den Gründer substanziell unterstützen.

Was verstehen Sie unter Ihrem „Ökosystem“?

Mein Ökosystem, das ist meine Unternehmensgruppe: Ich habe in den letzten 30 Jahren über 20 Unternehmen aufgebaut, die mir heute vollständig gehören. Dazu gehören unter anderem das bekannte Erlebnisportal jochen-schweizer.de, ein IT-Dienstleistungsunternehmen mit 50 Entwicklern, eine Kette von 44 Ladengeschäften ebenso wie Immobilienprojekte, etwa die Jochen Schweizer Arena in München. In meiner Unternehmensgruppe arbeiten mehr als 500 sehr gut ausgebildete Mitarbeiter. Durch sie kann ich Problemlösungen liefern, die andere zukaufen müssten.

Und den Start-ups, die wir in den letzten Folgen gesehen haben, können Sie mit Ihren Problemlösungen nicht weiterhelfen?

Denken Sie mal an den Brotaufstrich Malzit: Ralf und ich hatten der Gründerin beide ein Angebot gemacht. Und dann fragt sie ausgerechnet mich, wie sie sich entscheiden soll. Da habe ich ihr ehrlich gesagt, dass ich glaube, dass Ralf Dümmel ihr besser helfen kann als ich, denn er hat das passendere Ökosystem. Leicht gefallen ist mir das nicht: Ich hätte nämlich gern investiert.

Ralf Dümmel scheint als Investor ohnehin kaum zu stoppen …

Ralf hat in der Show eine hohe Zahl an Investmentmöglichkeiten bekommen, die genau zu ihm passen: enormes Produktions-Know-how, ein eigenes Logistikzentrum und Vertrieb über 40.000 Regale im Handel. Da ist es nur folgerichtig, dass er bei Pitches, bei denen es zum Beispiel um Bügelhilfen, Marmelade oder Tortenplatten geht, mehr investiert hat als die anderen Löwen. Das ist großartig für ihn und ich freue mich über seinen Erfolg, denn diese Produkte werden ja auch in Massen gekauft. Aber letztlich entscheidet indirekt die Produktion in Kenntnis der jeweiligen Ökosysteme der Löwen darüber, welcher Löwe wie viele Deals machen kann: durch die Auswahl der Gründer, die Zugang zur Sendung bekommen.

Apropos Auswahl: Auffällig ist, dass jede Woche ein Start-up aus der Foodbranche dabei ist.

Das Lustige ist: Diese Pitches werden immer direkt vor der Mittagspause aufgezeichnet. Wir sitzen also da mit einem Mörder-Kohldampf – und dann kommt ein Pitch, in dem es was zu essen gibt.

War dieser Mörder-Kohldampf auch der Grund dafür, dass Sie in das Fruchtpulver-Start-up Frooggies investiert haben?

Ich habe in Frooggies investiert, weil ich hier eine einmalige Konstellation sehe: begabte, ehrliche und sich ergänzende Gründer mit einem sehr sinnvollen Produkt. Wer die Sendung gesehen hat, weiß, dass ich nachmittags immer einen selbst gemixten Proteinshake trinke – meine Alternative zur Butterbrezel oder zum Konferenzkeks. Die Gründer hatten mir in der Sendung versprochen, einen solchen Shake aus ihren gefriergetrockneten Fruchtpulvern in Verbindung mit hochwertigem Eiweiß zu entwickeln. Das ist inzwischen auch passiert – und weil ich so überzeugt bin vom „Jochen Schweizers Protein Power Shake“, signiere ich ihn mit meinem Gesicht: Sie werden auf der Packung mein kantiges Konterfei entdecken.

So viel Glück wie mit Frooggies hatten Sie in der aktuellen Sendung mit der Geschenke-App Joidy nicht: Die Gründer lehnten Ihr Angebot ab.

Vielleicht war genau das aber auch mein Glück.

War es das? Fanden Sie es in diesem Moment wirklich nicht schade?

Da halte ich es wie der Dalai Lama: „Not getting what you want is sometimes a wonderful stroke of luck.“ Die Gründer von Joidy wollten 200.000 Euro für 10 Prozent am Unternehmen. Ich habe gesagt: So viel ist euer Unternehmen heute noch nicht wert. Ich gebe euch die 200.000 Euro, aber ich will 25,1 Prozent: zumal ich nicht nur das Geld einbringe, sondern auch mein Team und meine gesamte Infrastruktur. Auf diese Unternehmensbewertung wollten sich die Gründer nicht einlassen.

Wie kalkulieren Sie in solchen Situationen den Wert eines Unternehmens?

Das können Sie nicht kalkulieren. Im Grunde genommen ist das eine Wette. Aber: Ich würde niemals wetten, wenn ich nicht mitgestalten könnte. Auch deshalb wollte ich 25,1 Prozent: Damit ich Einfluss nehmen kann – und auch ordentlich mitverdienen für den Fall, dass es gelingt. Aber auch schon bei einer Zehn-Prozent-Beteiligung bringe ich den vollen Support mit ein, wenn die Unternehmensbewertung dies rechtfertigt.

Immer wieder stellen Gründer in der „Höhle der Löwen“ Forderungen, bei denen man kopfschüttelnd vorm Fernseher sitzt: Da werden Millionenbewertungen aufgerufen für Unternehmen, die noch nicht mal marktreife Produkte haben. Erleben Sie das auch, wenn Sie jenseits der Show investieren?

Mein Investmentteam bekommt im Jahr zwischen 1000 und 1500 Anfragen von Gründern auf der Suche nach Rat und Geld. Ein Gründer mit so überzogenen Vorstellungen schafft es gar nicht bis zu mir. Warum sollte ich meine Zeit in jemanden investieren, der mit vollkommen unrealistischen Forderungen antritt?

Aber solche Gründer schaffen es immer wieder in „Die Höhle der Löwen“.

Ich kann nur sagen: In meiner Unternehmensgruppe würden solche Gründer schon vorher eine freundliche Absage erhalten.

Angesichts des großen Publikumserfolgs will Vox „Die Höhle der Löwen“ sicher fortsetzen. Werden Sie auch in einer möglichen vierten Staffel wieder dabei sein?

Ich bin schon gefragt worden, habe aber noch keine Entscheidung gefällt. Mit dieser Frage beschäftige ich mich nach Ausstrahlung der letzten Folge.

2 Kommentare
  • Lutz 20. Oktober 2016 16:53

    Kleiner Tipp: Die Frage bold machen und die Antwort normal würde erheblich die Lesbarkeit verbessern.

    • Angelika Unger 21. Oktober 2016 08:42

      Hallo Lutz,

      offenbar wird das Interview bei Ihnen nicht richtig dargestellt: Der Text ist genauso formatiert, wie Sie es sich wünschen. Darf ich fragen, mit welchem Browser und über welches Device Sie unsere Seite nutzen?

      Herzliche Grüße
      Angelika Unger von impulse

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