Lizza bei "Die Höhle der Löwen" Die knallharten Zocker aus „Die Höhle der Löwen“

Mit siegessicherem Lächeln: Marc Schlegel (li.) und Matthias Kramer (re.), die Gründer der Lowcarb-Pizza Lizza, schlugen bei "Die Höhle der Löwen" das Angebot der Investoren aus - und erhielten trotzdem Kapital.

Mit siegessicherem Lächeln: Marc Schlegel (li.) und Matthias Kramer (re.), die Gründer der Lowcarb-Pizza Lizza, schlugen bei "Die Höhle der Löwen" das Angebot der Investoren aus - und erhielten trotzdem Kapital.© Lizza

Die meisten Kandidaten sind froh, bei "Die Höhle der Löwen" überhaupt einen Deal zu erhalten. Die Gründer von "Lizza" lehnten ein Angebot der Löwen ab - und bekamen doch, was sie wollten. Ihr Erfolgsrezept verraten sie im Interview.

Die trauen sich was: In der sechsten Folge der Start-up-Show „Die Höhle der Löwen“ auf Vox pokerten die Gründer Matthias Kramer und Marc Schlegel hoch: Sie bekamen ein Angebot der Investoren – und schlugen es aus. Für die meisten Kandidaten bedeutet das schon das Ende der Sendung. Doch die Gründer, die einen Fertigteig für Low-Carb-Pizza entwickelt hatten, handelten die gestandenen Kapitalgeber sogar noch runter. Ganz schön mutig, denn die anderen Investoren hatten sich bereits zurückgezogen: Jochen Schweizer fehlte der persönliche Klick. Judith Williams und Ralf Dümmel war die Lieferung der Lebensmittel ohne Kühlung zu heikel.

Carsten Maschmeyer und Frank Thelen hingegen zeigten schnell Interesse, wollten aber für das geforderte Kapital von 150.000 Euro 30 statt zehn Prozent der Firmenanteile kassieren. Die Lizza-Gründer lehnten ab, ihr Gegenangebot: 20 Prozent. Der Deal drohte zu platzen. Nachdem die Gründer fünf Prozent der Anteile drauf legten, gaben die Löwen nach – ein seltenes Schauspiel.

Anzeige

Wie sie den Kapitalkrimi erlebt haben und wie sie gelernt haben, so hart zu verhandeln, erzählen die Lizza-Gründer im impulse-Interview.

impulse: Matthias und Marc, ihr wart sehr aufgeregt vor eurem Pitch und habt trotzdem knallhart verhandelt. Wie habt ihr die Nerven bewahrt?

Matthias Kramer: Wir haben uns immer wieder ins Gedächtnis gerufen, dass wir nicht dringend auf das Investment angewiesen sind. Das Geschäft war schon sehr gut angelaufen. Deswegen dachten wir nicht: „Oh Gott, wir kriegen dieses Geld nicht!“, sondern „Oh Gott, ganz viele Menschen sehen uns im Fernsehen!“. Und als wir dann wirklich vor Frank Thelen standen … – er war unser absoluter Wunsch-Investor.

Marc Schlegel: Gegen die Aufregung hat auch geholfen, dass wir uns gerade auf Frank Thelen als Investor lange vorbereitet haben. Wir haben mit fast allen Start-ups gesprochen, in die er bereits investiert hat – und gefragt, worauf es ihm ankommt. Deswegen wussten wir, dass wir bei ihm einen Nerv treffen würden.

Die Löwen wollten direkt mehr Anteile von euch, als ihr angeboten habt …

Kramer: Uns war klar, dass wir für 10 Prozent unseres Unternehmens in der Show nicht 150.000 Euro bekommen. Aber wir hatten auch nicht damit gerechnet, dass die Löwen mehr als 20 Prozent fordern. Da hatten wir uns eigentlich die Grenze gesetzt: Mehr Prozente wollten wir nicht abgeben. Wir wussten auch: Hätten wir auf dem echten Markt gepitcht, wäre für 10 Prozent mehr Geld drin gewesen. Aber wir wollten die Löwen an Bord haben, weil wir von ihnen lernen wollen: Netzwerk, Austausch, Know-how, Erfahrung. Da sind sie viel weiter als wir.

Gründer, die das erste Angebot eines Investors ausschlagen, gehen bei „Die Höhle der Löwen“ oft ohne Investment nach Hause. Hattet ihr Angst, dass euch das auch passieren könnte?

Kramer: Es gab wenige Situationen, in denen wir uns in der Sendung eine Blöße gegeben haben. Dafür kennen wir unser Geschäft zu gut. Wir wussten, dass Frank Thelen sehr auf Zahlen fixiert ist – und die haben wir ihm präsentiert. Wir hatten auch schnell das Gefühl, dass wir mit ihm auf einer Wellenlänge sind. Carsten Maschmeyer konnten wir nicht einschätzen. Die Stimmung war aber insgesamt gelöst – da sind wir ins Risiko gegangen und dachten: „Legen wir noch mal eine Schleife nach.“

Carsten Maschmeyer hat euch schon vor seinem Angebot in den höchsten Tönen gelobt. Hattet ihr da schon im Kopf, dass ihr die Schmerzgrenze der Löwen noch ausreizen könnt?

Kramer: Vielleicht hätten wir sogar die Chance gehabt, die Prozente noch weiter runterzuhandeln. In jedem Fall hätten wir mehr Geld fordern können. Im Nachhinein ärgert uns ein bisschen, dass wir dafür doch nicht mehr die Nerven hatten. Maschmeyer und Thelen war die Höhe ihrer Unternehmensanteile sehr wichtig, nach dem Motto: Wenn es zwischen Gründer und Investor funkt, dann wollen sie mehr Mitspracherecht, eine Zusammenarbeit, die sich für beide lohnt.

Und auf diesen Kompromiss habt ihr euch dann auch eingelassen.

Kramer: Wenn man vor der Kamera einschlägt, heißt das nicht, dass der Deal dann auch zu Stande kommt. Das ist ja erstmal nur ein gegenseitiges Beschnuppern: Finden die Löwen unser Produkt gut? Können wir mit dem Investor? Die richtige Verhandlung kommt erst im Nachgang. Wir haben in den letzten Wochen übrigens noch mal nachverhandelt. Details dürfen wir aber noch nicht verraten.

Was war euer Plan B für den Fall, dass alle Löwen aussteigen?

Schlegel: Unser Plan B war, privat mehr ins Risiko zu gehen. Uns war klar, dass wir in ein paar Monaten Kapital brauchen, um zu wachsen. Wir haben derzeit ein Universum an Ausgaben: Wir brauchen größere Maschinen, manchmal auch kurzfristig tausende Versandkartons und die Stanzformen dafür. Für solche Anschaffungen müssen wir regelmäßig liquide sein. Wir hätten also entweder einen Kredit aufgenommen oder unseren dritten Investor, der bereits vor der Show mit im Boot war, gebeten, Kapital nachzuschießen.

Wo habt ihr gelernt, so zu verhandeln?

Schlegel: Wir standen beide schon oft vor Leuten und mussten unseren Standpunkt klar machen. Das fing beim Rhetorikkurs im Studium an; eine Zeit lang haben wir auch gemeinsam bei der Bank gearbeitet, da konnten wir unsere Chefs nur mit guten Argumenten und Zahlen überzeugen. Das Wichtigste ist aber: Wir stehen hinter dem, was wir machen. Deshalb kennen wir unseren Wert und wollen uns nicht zu günstig verkaufen. Das merken und schätzen potenzielle Geldgeber.

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.