Gründer-Pitch im TV „Jeder der etwas versucht, verdient Beifall“

Wenn Jochen Schweizer investiert, will er auch mitbestimmen: "Wenn ich irgendwo investiere, dann investiere ich immer mit dem Gedanken, mehr zu geben als ein Finanzinvestment", sagt der Unternehmer

Wenn Jochen Schweizer investiert, will er auch mitbestimmen: "Wenn ich irgendwo investiere, dann investiere ich immer mit dem Gedanken, mehr zu geben als ein Finanzinvestment", sagt der Unternehmer© Jochen Schweizer Unternehmensgruppe

Auf dem TV-Sender Vox startet 2014 "Die Höhle der Löwen", eine Castingshow für Start-ups. Jochen Schweizer, Gründer der gleichnamigen Event-Plattform, sitzt als Investor in der TV-Jury. Was ihn dazu bewogen hat, erklärt er im impulse.de-Interview.

In mehr als 20 Ländern ist die Castingshow für Start-ups längst ein Quotenhit. Was in den USA als „Shark Tank“ in die fünfte Staffel geht, startet dieses Jahr unter „Die Höhle der Löwen“ im deutschen Fernsehen. In diesem Format versuchen Start-ups eine Jury aus Kapitalgebern zu überzeugen, in ihre Idee zu investieren. Die Dreharbeiten laufen bereits, Gründer können sich aber noch bis Mitte März bewerben. Für die Investoren-Jury hat Vox Frank Thelen, Vural Öger, Judith Williams, Lencke Wischhusen und Jochen Schweizer verpflichtet.

impulse: Im deutschen Fernsehen gibt es gefühlt hundert Castingshows, „Die Höhle der Löwen“ kommt als neue hinzu. Warum haben Sie sich entschieden, dort mitzumachen?

Anzeige

Jochen Schweizer: Weil es eine besondere Show ist, die reale Werte schafft. Deutschland ist für mich nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern auch das Land der Erfinder. Deshalb möchte ich die Kultur des Gründens stärken. Als erfahrener Geschäftsmann kann ich viel dazu beitragen. Ich will jungen Entrepreneuren Mut machen und sie unterstützen, eine Idee zu entwickeln und darauf zu setzen.

„Die Höhle der Löwen“ läuft unter verschiedenen Namen mittlerweile in weltweit über 20 Ländern, unter anderem in Russland und Nigeria. Deutschland hinkt etwas hinterher. Liegt das an unserer Mentalität?

Ich glaube, dass man in Deutschland furchtbar Angst davor hat, zu scheitern und ich glaube, dass Menschen, die hier mit einem Geschäft gescheitert sind, gebrandmarkt sind. Das finde ich falsch. Wenn 500 Menschen etwas versuchen, dann wird es nicht 500 Menschen gelingen, das ist einfach so. Ich finde, jeder der etwas versucht – so lange es Hand und Fuß hat – verdient Beifall. Und zwar unabhängig davon, wie lange es Bestand hat. Und wenn er scheitert, dann ist er eben gescheitert, muss seine Lehren daraus ziehen und es noch einmal versuchen.

Also haben Sie auch keine Angst davor, öffentlich in eine falsche Idee zu investieren?

Nein. Diese Angst habe ich nicht, denn ich finde man muss eine Tatsache anerkennen: Jeder Mensch, der etwas bewegt, egal ob privat oder geschäftlich, geht Risiken ein. Und wer etwas riskiert, der kann verlieren, aber wer nichts riskiert, der bewegt eben auch nichts. Deshalb investiere ich in Ideen, die mich überzeugen.

Wie muss eine Idee sein, um Sie zu überzeugen?

Mich müssen vor allem die Menschen überzeugen, die hinter der Idee stehen. Dann will ich wissen: wie groß ist der Markt? Und die dritte Frage, die ich mir stelle: Ist das Produkt und das Geschäftskonzept gut? Ich stecke ja immerhin mein eigenes privates Geld in die Sache. Wenn ich auf all diese Fragen eine positive Antwort geben kann, dann unterstütze ich die Idee. Es spielen aber nicht nur rationale Kriterien mit hinein. Um Gründer und ihre Idee beurteilen zu können, brauche ich auch Herz neben dem Verstand und muss auf mein Gefühl vertrauen. Wenn ich dann überzeugt bin, heißt das aber noch lange nicht, dass die Idee ein Erfolg wird. Aber damit sie eine Chance hat, gebe ich die Mittel.

Und wie sieht ein gelungener Pitch aus?

Ich will einen entschlossenen Entrepreneur sehen, der für seine Idee glüht und der mir beinhart in kurzer Zeit Zahlen und Fakten präsentieren kann. Er muss das erste Gefühl, was ich bei ihm als Person habe, sozusagen in die Ratio bringen, Märkte erläutern können und auf den Punkt kommen. Das schafft nicht jeder. Ich erlebe auch oft junge und unerfahrene Leute.

Was können Sie einem Entrepreneur bieten und was erwarten Sie von ihm im Gegenzug?

Ich kann nicht nur Geld bieten, sondern große Businessexpertise. Ich biete den Gründern mit jochen-schweizer.de eine mächtige Absatzplattform und eine Entwicklungsabteilung, kurz: mein gesamtes Unternehmensnetzwerk. Was ich dafür erwarte, ist die Bereitschaft, hart zu arbeiten. Das bedeutet: Der Gründer wacht morgens auf und denkt sofort daran, wie er seine Idee nach vorne bringt und er denkt noch daran, wenn er ins Bett geht. So lebe ich noch heute und das erwarte ich auch von Gründern, die ich unterstütze.

Wie viel Mitspracherecht haben Sie am Ende der Sendung?

Wenn ich irgendwo investiere, dann immer mit dem Gedanken, mehr zu geben als ein Finanzinvestment. Neben Geld investiere ich meine Erfahrung und meine Ressourcen, damit dieses Geschäftsmodell mit mir bessere Chancen hat, als mit einem reinen Finanzinvestor.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.