Investoren finden Was Unternehmer von mymuesli lernen können

Müslimischungen aus 80 Biozutaten bietet das Start-up seinen Kunden. Das Angebot soll weiter wachsen, genau wie die Zahl der Läden.

Müslimischungen aus 80 Biozutaten bietet das Start-up seinen Kunden. Das Angebot soll weiter wachsen, genau wie die Zahl der Läden.© Viktor Strasse / mymuesli

Mehr Müsli: Die Chefs von mymuesli wollen expandieren - und haben dafür Partner gewonnen. Wie Unternehmen Investoren finden und worauf sie dabei achten sollten, erzählt Mitgründer Max Wittrock.

Das Passauer Start-up mymuesli hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben: Gestartet 2007 als Webseite für individuelle Müslimischungen, ist mymuesli heute ein Multichannel-Unternehmen mit 650 Mitarbeitern und 37 Ladenlokalen in fünf Ländern. Nun steigt ein Investor bei mymuesli ein. Wie es zu der Partnerschaft kam, erzählt Mitgründer Max Wittrock im impulse-Interview.

impulse: Kurz nach der Gründung hatte mymuesli schon einmal einen Gesellschafter; die Anteile haben Sie dann später zurückgekauft. Warum arbeiten Sie jetzt wieder mit einem Investor zusammen?

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Max Wittrock: Das Kapital, um zu wachsen, hatten wir bisher von Banken und aus dem Cashflow. Ein wichtiger Grund für die Zusammenarbeit mit einem Partner wie Genui war es, sicheres Kapital und damit den Kopf wieder frei für das operative Geschäft zu haben, anstatt viele Bankgespräche zu führen – auch wenn wir zu Banken nach wie vor ein gutes Verhältnis pflegen.

Und warum haben Sie fast neun Jahre mit diesem Schritt gewartet?

Unser Geschäftsmodell ist jetzt klar definiert, die Zahlen sind belastbar. Bei Präsentationen malen wir keine Luftschlösser, sondern wissen, was wir erzählen. Das ist eine gute Verhandlungsbasis: Man wird ernst genommen und kann den Investoren ein Gesamtkonstrukt präsentieren – statt einer Powerpoint-Präsentation mit vagen Vermutungen.

Wie genau sieht die Beteiligung aus?

Wir geben einen Minderheitenanteil von 30 Prozent an die Hamburger Beteiligungsgesellschaft Genui ab. Für uns als Gründer war das nicht leicht – schließlich identifizieren wir uns sehr stark mit dem Unternehmen. Uns ist deshalb wichtig, dass wir weiterhin selbstständig Entscheidungen treffen können, auch wenn Stefan Wernsing und Patrick Gehlen von Genui nun bei uns im mymuesli-Beirat sitzen.

Haben die neuen Partner noch weitere Vorteile für das Unternehmen?

Durch den externen Blick der Partner fällt es uns leichter, rationale und weniger emotionale Entscheidungen zu treffen. Zum Beispiel bei der Ladeneröffnung: Mitgründer Philipp Kraiss wurde in Sigmaringen geboren; wenn er deswegen dort einen Laden planen wollte, würden sie ihm hoffentlich davon abraten, weil der Markt fehlt. Außerdem profitieren wir von der unternehmerischen Erfahrung unserer Partner: Sie wissen, wie Firmen aufgebaut werden, und kennen die Probleme auf dem Weg. Stefan Wernsing arbeitet bereits mit dem neuen IT-System, das wir einführen möchten, zudem kennt er die Lebensmittelbranche gut. Dadurch sind die neuen Partner nicht nur eine große Hilfe, sondern auch Vorbilder.

Welchen Tipp können Sie Start-ups geben, die einen Investor suchen?

Wer Partner sucht, sollte sich langfristig gut vernetzen, die Akteure am Markt kennen. Oft rufen Berater bei den Start-ups an. Dann bloß nicht vor Ehrfurcht erstarren: Es wird kaum am nächsten Tag ein Angebot auf dem Tisch liegen, vielmehr wollen sich die Anrufer ein Bild von der Firma machen. Wir haben immer defensiv reagiert, waren aber offen für Gespräche.

Sicher ist es ein Vorteil, wenn das eigene Unternehmen schon etwas bekannter ist …

Ja, denn dann muss man sich und das Geschäftsmodell nicht mehr detailliert vorstellen. Stefan Wernsing und Patrick Gehlen kennen wir bereits seit zwei Jahren. Wir hatten Zeit, alle Details in Ruhe zu besprechen, bis wir uns alle sicher waren, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist.

Was sollten Gründer auf jeden Fall mit potenziellen Investoren klären?

Die persönliche Zusammenarbeit muss funktionieren. Wenn die Zahlen super sind, ist es einfach. Aber wie würde ein ernsthaftes Problem diskutiert? Wäre das unangenehm? Beim leisesten Zweifel sollte man auf keinen Fall kooperieren. Außerdem müssen die Partner das Geschäftsmodell und die Produkte verstehen und sich dafür begeistern. Es wäre fatal, wenn sie nur Excel-Tabellen sehen und nicht die Ziele, Werte, Visionen teilen würden.

Wie geht es weiter, wenn ein Investor Interesse hat?

Die Investoren überprüfen alle rechtlichen und finanziellen Aspekte, nehmen die Marktchancen und die Branche des Investitionsobjekts unter die Lupe. Durch diesen Prozess muss man zusammen durch. Es ist wie bei der Autoinspektion, bei der der Wagen auf die Hebebühne gehoben wird, um nach Roststellen zu suchen. Bis zur Unterschrift und Nachverhandlung und schließlich zur finalen Unterschrift hat es bei uns fast zwei Monate gedauert. Ohne Anwalt geht da nichts.

Haben Sie Tipps, wie Gründer sich auf diese Verhandlungen vorbereiten können?

Wer sich gut präsentieren möchte, braucht gut sortierte Dokumente – von den Gründungsunterlagen über den Businessplan bis zu den Personalakten. Das ist als Start-up gar nicht so einfach. Deshalb finde ich es gut, sich mit der Suche nach Investoren Zeit zu lassen und ein ausgereiftes Konzept mit einer guten Firmengeschichte vorzustellen. Dabei sollten sich die Gründer selbstbewusst auftreten – schließlich gibt es viele Investoren, die attraktive Start-ups suchen.

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