Teenie-Gründer Wie ich mit 16 Jahren Unternehmer wurde

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Im Schulrucksack die Gründungsunterlagen transportieren. Sven Franzen hat mit 15 Jahren die Anträge für sein Unternehmen ausgefüllt.

Im Schulrucksack die Gründungsunterlagen transportieren. Sven Franzen hat mit 15 Jahren die Anträge für sein Unternehmen ausgefüllt.© himberry / photocase.de

Morgens Schüler, nachmittags Geschäftsmann: Welche Herausforderungen und Probleme Sven Franzen als Teenie-Gründer hatte - und warum es sich trotzdem lohnt, früh anzufangen.

Als das Fahrrad, beladen mit allen Zeitungen, zum dritten Mal in Folge umfiel und der Herbstwind die Zeitungen in alle Richtungen verteilte, stand für mich fest: Das Zeitungsaustragen hänge ich an den Nagel und mache etwas Neues.

Ich verbrachte einige Schulpraktika in Marketing- und Werbeagenturen und schaute den Profis mehrere Monate über die Schulter. Mein Interesse am Marketing und Vertrieb war direkt geweckt. Ich kaufte mir Bücher, tauschte mich mit meinen Informatik-Lehrern aus – im Unterricht lernten wir Programmieren von Internetseiten – und begann, erste Projekte in der Schule, für Freunde und Kontakte meiner Eltern umzusetzen. Doch als Teenie-Gründer gab es auch einige Herausforderungen zu bestehen:

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Herausforderung 1: Die Gründung

Eines Tages wurde ein Unternehmensberater auf mich aufmerksam und bat mich, seine Internetseite zu realisieren. Die Zusammenarbeit gefiel ihm so gut, dass er sich mir als Mentor anbot und mich bei meiner Gründung unterstützte. Mit seiner Hilfe schrieb ich meinen ersten Businessplan. Meine Eltern besprachen meine Ideen kritisch mit mir und gaben mir ihren Segen.

Aber da ich erst 15 Jahre alt war, musste das Familiengericht über meine Selbstständigkeit entscheiden. Einreichen musste ich damals meinen Antrag, die Zustimmung meiner Erziehungsberechtigten (nicht als Bürgen, nur die Zustimmung im Erziehungsauftrag) und meinen Businessplan. Das Gericht ließ meine Kompetenzen von Juristen der IHK überprüfen. Mit dem positiven Gutachten der IHK, dass die Gründung mit meinen Kompetenzen sinnvoll sei, erhielt ich dann vom Gericht die „partielle Vollgeschäftsfähigkeit“ (gemäß § 112 BGB). Nach rund neun Monaten Vorbereitung konnte ich dann durchstarten.

Herausforderung 2: Bekannt werden und Kunden gewinnen

Nun hatte ich das Unternehmen gegründet, und jetzt? Es war eine Herausforderung, Kunden zu gewinnen: Ich war unbekannt auf dem Markt, hatte keine Referenzen und keine herausragende Geschichte, welche Erfolge ich bereits in großen Konzernen erreicht hatte. Was war also mein großer Trumpf?

Der lag auf der Hand: Unternehmer mit 16 gibt es sicher nicht viele, das könnte man doch für eine PR-Kampagne nutzen, um so gleich viele Menschen zu erreichen. Gesagt, getan. Die Pressearbeit funktionierte erfreulicherweise wie umfallende Domino-Steine: Hat man einen angestoßen, fallen sie Stück für Stück um. So kamen nach der ersten Pressemitteilung und Veröffentlichung als Artikel immer mehr Redakteure von Zeitungen, Radio und Fernsehen auf mich zu und machten die Firma bekannt.

Mein Tipp: Schauen Sie sich alternative Marketingmaßnahmen an, um bekannt zu werden und Kunden zu gewinnen. Nutzen Sie Ihren eigenen Trumpf – jeder hat einen!

Herausforderung 3: Kunden glücklich machen

Vor Kundenanfragen konnte ich mich kaum noch retten. Die Qualität der Projekte und Zufriedenheit der Kunden stand und steht bis heute für mich an erster Stelle. Es wurden so viele Projekte, dass ich mit Freelancern zusammenarbeiten musste. Einige Kunden stellten sogar Anfragen, die über die bisherigen Angebote hinausgingen. Deshalb entschloss ich mich, das Angebot auszuweiten. Mit der Ausweitung der Kernleistungen erreichten wir noch mehr Zielgruppen und das Team wuchs. Die Kombination aus Angebot und Qualität scheint zu stimmen und macht unsere Kunden seit 2005 glücklich.

Mein Tipp: Gute Leistungen und glückliche Kunden steigern enorm die Weiterempfehlungsrate, Bekanntheit und Stammkundenbindung.

Herausforderung 4: „Sie sind der Praktikant“

Der Kunde war eine große Unternehmensberatung, die Sekretärin brachte mich in einen großen Besprechungsaal und gab mir ein Wasser. Ich wartete allein. Dann ging die Tür auf und sechs mit Anzug gekleidete Unternehmer betraten den Raum. Sie schauten verdutzt und erwähnten beiläufig: „Sie müssen der Praktikant sein, Ihr Chef kommt sicher gleich.“ Meine Erwiderung, wen sie denn erwarten würden, wurde mit „Herr Sven Franzen“ beantwortet – ich lächelte und sagte: „Das bin ich.“

Das Erstaunen war groß, wahrscheinlich hatte man mich schon innerlich abgeschrieben und nur noch aus Höflichkeit sprechen lassen. Doch es ist ein großer Vorteil, wenn man unterschätzt wird und diesen für sich nutzt und durch Kompetenz und kreative Ideen überzeugt. Trotz des ersten Eindrucks, dass nun ein 16- Jähriger vor ihnen stand, um ihnen zu erklären, wie das Marketing des Unternehmens in Zukunft aussieht, wurden wir damals beauftragt. Der „Praktikant“ hat überzeugt – durch Kompetenz, Qualität und Ideen.

Mein Tipp: Machen Sie sich Unterschätzung zum Vorteil. Legen Sie Wert auf Qualität, Weiterbildung und seien Sie ein Macher. Das setzt sich durch und führt zu Weiterempfehlungen.

Herausforderung 5: Nebenberuflich neben Schule und Universität

Ich war zwar nun Unternehmer, doch es war mir wichtig, einen Abschluss zu erreichen. Aber obwohl die Ausbildung für mich vorging, durften die Qualität unserer Leistungen und die Zufriedenheit unserer Kunden nicht leiden.

Mein Tag war zweigeteilt – morgens war ich Schüler oder Student, und nachmittags Unternehmer. Möglich war das nur durch striktes Zeitmanagement, klare Prioritäten, Selbstdisziplin und Delegieren von Aufgaben: Vormittags ging ein telefonisches Sekretariat, später Mitarbeiter an das Telefon und bearbeiteten Telefon, E-Mails und Post; nachmittags war ich zur Stelle. So bekam ich beides unter einen Hut.

Mein Tipp: Machen Sie sich standardisierte Prozesse und Strukturen zu Nutze. Ich habe dennoch gelernt: Besser ist es, sich zu 100 Prozent auf eine Sache zu konzentrieren. Heute tue ich das: Unternehmer sein.

Herausforderung 6: Das Leben leben

Die Herausforderung war ganz klar: Das Unternehmen und Unternehmer-Sein darf nicht mein Leben beeinflussen. Ich wollte weder ein Außenseiter sein, noch meine Jugend verlieren. Mein Erfolgsrezept: Selbstdisziplin und auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Ich habe mich immer mit meinen Freunden und Jugendkumpels getroffen und Zeit verbracht. In gemeinsamen Aktivitäten war ich Sven – der Unternehmer und die unternehmerischen Themen waren ausgeblendet. Hochnäsigkeit, Prahlen und Angeben machen einen zum Außenseiter.

Ich habe mich stattdessen auf meine Werte besonnen: Familie, Freunde, Liebe, Freizeit, das Leben leben (Carpe Diem) und ein guter Mensch mit sozialer Verantwortung für unsere Gesellschaft sein. So erhielt ich mir meine Freundschaften und wurde kein einsamer Exot.

Mein Tipp: Mit den Füßen auf dem Boden bleiben, sich seiner Persönlichkeit und Werte treu bleiben. Unternehmerische Themen im Privatleben ausblenden.

Meine Bilanz

Meine frühe Gründung war eine klare Entscheidung für eine Veränderung in meinem Leben. Die Geschäftsidee war nicht innovativ – überzeugt haben wir unsere Kunden durch Qualität und gute Leistung. Wichtig war es für mich als Gründer, Herausforderungen in Stärken und Vorteile zu verwandeln. Um als Gründer erstmal bekannt zu werden, sollte man seine Stärken publizieren und multiplizieren.

Das eigene Unternehmen neben einer Haupttätigkeit – ob an Schule, Universität oder Job – ist möglich, aber der Fokus, Zeitmanagement, Prioritäten sowie Selbstdisziplin sind wichtige Faktoren für die Realisierung. Besser ist es, nicht auf zu vielen Hochzeiten zu tanzen. Bei allen unternehmerischen Aktivitäten sollte man seinen Freunden und seiner Familie als private Persönlichkeit, fernab der Unternehmer-Figur, erhalten bleiben und sein Leben leben. Jeder Tag zählt.

In diesem Sinne: Nur Mut und als Gründer durchstarten!

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