Gründung Gründerreport: Immer weniger wollen gründen

Chefsessel zu vergeben: Die Motivation der Deutschen, ein Unternehmen zu gründen ist mau. Das liegt nicht nur an dem guten Arbeitsmarkt.

Chefsessel zu vergeben: Die Motivation der Deutschen, ein Unternehmen zu gründen ist mau. Das liegt nicht nur an dem guten Arbeitsmarkt.© lassedesignen -fotolia

Die Zahl der Gründungswilligen nimmt weiter ab, Hoffnung bereiten Migranten: Jeder fünfte Gründer hat ausländische Wurzeln, hat die Deutsche Industrie- und Handelskammer ermittelt.

Die Bereitschaft, ein eigenes Unternehmen zu gründen, nimmt immer mehr ab. Das fand die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) in ihrem Gründerreport 2015 heraus. Die Zahl der Beratungsgespräche der IHK sei 2014 um drei Prozent auf 227.703 zurückgegangen, ein neuer Negativrekord nach dem vierten Rückgang der Zahlen in Folge. Die Zahlen basieren auf rund 230.000 Kontakten von IHK-Existenzgründungsberatern mit angehenden Unternehmerinnen und Unternehmern. Vor zehn Jahren habe es noch etwa 406.000 Gründungsgespräche gegeben, 361.000 waren es noch 2011.

Handel und Dienstleistungsbranche beliebt

Den Rückgang der Gründungen habe vor allem die Politik zu verantworten, so der Report. Während in vielen Gesetzesentwürfen Hemmnisse für Unternehmensgründer geschaffen würden, würden sich die Förderungen von Start-ups zum Beispiel durch das Venture Capital Gesetz zu lange hinziehen. Auch die demographische Entwicklung und die gut laufende Konjunktur trage zum Rückgang der Gründungen bei.

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Die, die gründen wollen, möchten sich hauptsächlich im Handel oder mit Dienstleistungen selbstständig machen. Mehr als vier von fünf Gründern entscheiden sich für diese Branchen, vor allem da hier der Start auch mit vergleichsweise wenig Kapital möglich sei. Eine für die DIHK erfreuliche Entwicklung: Zwei Drittel der Gründungswilligen wollen dabei aus unternehmerischen Antrieb gründen und nicht aus Mangel an Alternativen.

Jeder Fünfte hat Migrationshintergrund

Ein weiterer Hoffnungsschimmer für die DIHK sind die Gründer mit Migrationshintergrund: Fast jeder fünfte Gründer (19 Prozent) in der Gründungsberatung der DIHK hat jetzt ausländische Wurzeln – das sind fünf Prozent mehr als im Jahr 2007.

Nachbessern müsse man aber noch beim kaufmännischen Handwerkszeug, wie Kostensteigerungen oder Planrechnungen, so 78 Prozent der IHK-Gründungsberater. Auch die Sprachkenntnisse seien noch nicht optimal. Nach Meinung der IHK-Berater müssten knapp 70 Prozent der Migranten ihr Deutsch verbessern.

Dem DIHK-Gründerreport stehen die Zahlen des Gründungsmonitors der staatlichen Förderbank KfW entgegen. Laut der Studie, die Daten von 50.000 zufällig ausgewählten Menschen in Deutschland auswertet, hätten 2014 wieder mehr Menschen den Weg in die Selbstständigkeit gewagt. Die Zahl der Gründungen sei um etwa 47.000 auf 915.000 gestiegen. Die Neugründungen im vergangenen Jahr seien aus 745.000 Vollzeit-Jobs entstanden.

 

1 Kommentar
  • Claudia E 8. Juni 2015 09:30

    Es ist meiner Meinung nach kein Wunder, dass viele den Schritt in die Selbständigkeit scheuen. Zum einen gilt die so genannte Festanstellung in den Köpfen der Arbeitnehmer noch immer als sicher, zum anderen scheint der bürokratische Aufwand für viele unüberwindlich. Hinzu kommt, dass jeder Geld von einem will, obwohl noch kein Cent verdient ist bzw. die Kosten sogar überwiegen. Ich fände es sehr sozial, wenn die Krankenversicherung z. B. vom Einkommen berechnet würde und nicht gleich in ruinöser Höhe zuschlagen würde (weil sie annimmt, das ein Selbständiger gleich gutes Geld verdient). Es wird mit „gesetzlichen Regelungen“ und „Gebührenordnungen“ herumgewedelt (von unerwünschten Zwangsmitgliedschaften ganz zu schweigen), als seien es die in Stein gemeißelten Gebote, statt Anreize und Einstiegshilfen zu schaffen. Immerhin werden da gute Jobs geschaffen, und sei es nur ein einziger. Das ist mehr als man von vielen etablierten Firmen behaupten kann.

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