• Gründerinnen beklagen Wettbewerbsnachteile

    Unternehmensgründerinnen bemängeln, dass sie weniger leicht an Kapital kommen als ihre männlichen Mitstreiter. In den USA verheimlichen manche Jungunternehmerinnen sogar ihre Schwangerschaft. Die Situation in Deutschland ist etwas anders.

    „Alle mir bekannten Frauen, die Geld eintreiben mussten taten das, als sie noch keine Kinder hatten. Schwangere Frauen werden in der Startup-Szene sehr stark diskriminiert“, sagt Divya Gugnani, Gründerin und Chefin von Set the Trend, einem Onlineshop für Accessoires und Kosmetikartikel. Und mit ihrem Urteil steht die 35-jährige nicht allein da. In einem Artikel der „New York Times“ üben zahlreiche amerikanische Gründerinnen Kritik an der Vergabe von Finanzmitteln. So seien Unternehmerinnen auch heutzutage in den USA noch selten und bekommen von Investoren weniger Geld als Männer. Paige Craig, ein amerikanischer Business Angel, sagt gegenüber der „New York Times“: „Wenn Investoren einen männlichen Firmengründer treffen, interessiert es sie nicht, ob er zwei oder drei Kinder hat – weil davon ausgegangen wird, dass seine Frau sich um sie kümmert. Aber bei einer Gründerin ist das eine ganze andere Geschichte.“

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    In den Vereinigten Staaten geht es sogar so weit, dass Gründerinnen ihre Schwangerschaften verheimlichen, da sie schlechte Chancen bei Venture Capital-Gebern befürchten – wie ist die Kapitallage für Nachwuchsunternehmerinnen in Deutschland?

    Mehr Frauen wagen den Schritt in die Selbständigkeit

    Katja von der Bey ist Geschäftsführerin der Weiberwirtschaft, dem größten europäischen Gründerinnenzentrum. Gegenüber Impulse.de sagt sie: „Frauen haben es in der Gründerszene schwerer. Natürlich gibt es auch eine Berufssegregation, Frauen gründen in den Branchen, in denen sie auch angestellt sind. Das sind häufig andere als Männer – weniger im MINT-Bereich und häufiger im Dienstleistungsbereich. Insofern sind sie auch stärker betroffen von Problemen wie Prekarisierung, Unterfinanzierung, gerade in der Kreativ- und Gesundheitsbranche.“

    Insgesamt steigt der Anteil der Frauen bei Firmengründungen in Deutschland signifikant. 40 Prozent der Unternehmen werden laut dem aktuellen KfW-Gründungsmonitor von Frauen gegründet. „So eine Zahl hatten wir noch nie“, sagt Katja von der Bey.

    „Frauen tun sich schwer, Geld zu bekommen“, sagt Prof. Claudia Garter von der Hochschule für Recht und Wirtschaft Berlin im Gespräch mit Impulse.de. „Die meisten Frauen gründen im Dienstleistungsbereich – da benötigt man zunächst oft nur wenige Dinge wie ein Auto oder einen Computer. Das ist den Banken dann zu klein, es lohnt sich für sie nicht. Außerdem wollen Banken oft Sicherheiten haben, die Frauen meistens gar nicht bringen können.“

    Kinder und Selbstständigkeit schließen sich nicht mehr aus

    Der Gründungsentschluss wird oft aus der Not heraus getroffen, erklärt Garter:
    „Chefs werfen ihren Angestellten oft sehr subtil vor, dass sich Frauen mit einer Schwangerschaft gegen eine Karriere im Unternehmen entscheiden. Da viele Angestellte dann befürchten, auf Arbeitsplätze abgeschoben zu werden, die ihnen keinen Spaß machen, drehen sie den Spieß um – und gründen ihr eigenes Startup.“
    Verbesserungen stellt die Wissenschaftlerin, die zum Thema Frauen und Selbständigkeit forscht, bei der Vereinbarkeit von Startup und Familie fest. „Was wir beobachten können ist, dass Gründerinnen vor zwanzig Jahren sagten, dass Kinder und Selbständigkeit nicht miteinander vereinbar sind. Jetzt wagen viele Frauen mit Kindern den Schritt in die Selbständigkeit – und es klappt“, so Garter weiter.

    Aber was müssen schwangere Gründerinnen beachten, wenn man sich selbständig machen wollen?
    Nimmt man den staatlichen Gründungszuschuss in Anspruch ist die Angabe einer Schwangerschaft nicht zwingend notwendig. Allerdings muss das Arbeitsamt über den Mutterschutz (sechs Wochen vor und acht Wochen nach Geburt) informiert werden. Einen Vorteil hat es, wenn Frauen in der Schwangerschaft den Schritt in die Selbständigkeit wagen: Sobald der Gründungszuschuss bezogen wird, muss die selbstständige Tätigkeit nicht in Vollzeit sein, sondern lediglich die hauptberufliche Tätigkeit darstellen – und die beginnt bereits bei 15 Stunden pro Woche. Angesichts der starken Kürzungen bei dem staatlichen Zuschuss ist jedoch zu erwarten, dass diesen wesentlich weniger Menschen erhalten. Ob 15 Stunden Arbeit pro Woche sich finanziell lohnen, sei dahingestellt. Denn gerade in jungen Firmen wird oft rund um die Uhr gearbeitet.

    Für Katja von der Bey von der Weiberwirtschaft ist es wichtig, nicht aufzugeben. „Wir versuchen, den Finger in die Wunde zu legen, sodass beispielsweise auch bei Startup-Wettbewerben und Konferenzen mehr Frauen berücksichtigt werden. In Berlin klappt das schon ganz gut, aber das ist bundesweit noch nicht überall so.“

    Weitere Informationen für Frauen, die Unternehmen gründen, finden Sie unter www.gruenderinnenagentur.de. Die Gründerinnenagentur hat eine Datenbank, in der bundesweite Ansprechpartner für Frauen, die sich selbstständig machen wollen, gelistet sind.

    • Quelle: impulse
    • Copyright: impulse
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