Geschäftsideen Wie eine Russin den Onlinehandel revolutioniert

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Ihre Eltern wollten sie in den Staatsdienst stecken. Doch Gulnaz Khusainova rebellierte - und schrieb schon als Teenagerin Businesspläne.

Ihre Eltern wollten sie in den Staatsdienst stecken. Doch Gulnaz Khusainova rebellierte - und schrieb schon als Teenagerin Businesspläne. © Tanja Demarmels

Fünf Hosen bestellen, vier zurückschicken? Das ist bald nicht mehr nötig, sagt Gulnaz Khusainova. Die 25-Jährige sorgt dafür, dass Käufer online die passende Kleidergröße finden.

Gulnaz Khusainova ist 25 Jahre jung und schon eine Serientäterin. Mit 20 gründete sie in ihrer Heimat Russland ihr erstes Unternehmen The Time Machine – einen Onlineshop für Scherzartikel. Ein Jahr später entwickelte sie ein Reservierungsportal für die Moskauer Restaurantszene. Auf dem 45. St. Gallen Symposium in der Schweiz stellte die junge Russin, die mittlerweile in Kopenhagen lebt, ihr neuestes Projekt Easysize vor: Das Programm errechnet die passende Konfektionsgröße eines Kunden.

Ihren ersten Businessplan sollen Sie mit 14 geschrieben haben. Stimmt das?

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Ja. Es gab einen Wettbewerb, da habe ich aus Neugier einfach mal mitgemacht – und gleich den dritten Platz belegt. Danach wusste ich: Das ist etwas, was du wirklich gern magst. Warum machst du es nicht zu deinem Beruf? Ich habe danach für mehrere kleine Unternehmen in unserer Nachbarschaft Businesspläne geschrieben.

Als Jugendlicher? Einfach so aus Spaß?

Ja, das war so eine Art Hobby von mir. Manche Firmen haben mir auch Geld dafür gegeben. Mein Lieblingskunde war eine kleine Bäckerei bei uns um die Ecke. Die hat mir als Dankeschön einen großen Korb geschenkt – voll mit frischen Brötchen, Rosinenschnecken und anderen Leckereien.

Und was haben Ihre Eltern gesagt?

Mein Vater sagte immer: Das Schlimmste, was du werden kannst, ist Sängerin oder Unternehmerin. Er hätte mich gern als Beamtin gesehen. Wahrscheinlich war es meine Art der jugendlichen Rebellion, dass ich Unternehmerin geworden bin.

Was macht Ihre neueste Geschäftsidee aus?

Beim Onlineeinkauf können sich Kunden oft nicht auf die Größenangabe verlassen – zumindest, wenn sie nicht alles von derselben Marke kaufen. Viele Labels haben unterschiedliche Standards. So kann eine weiße Bluse, die bei Tommy Hilfiger mit Größe 36 angegeben ist, bei Zara oder H & M einer 38 entsprechen. Die Folge sind Retouren, die die Händler viel Zeit und Geld kosten. Mit unserem Programm Easysize, das sich an Onlinehändler richtet, versuchen wir das zu ändern.

Und wie soll das funktionieren?

Indem wir Shopkunden die richtige Größe für den nächsten Einkauf empfehlen. Die Daten dazu bekommen wir aus der Bestellhistorie jener Onlineshops, die Easysize bei sich eingebunden haben. Hierüber können wir sehen, welcher Kunde welche Kleidung in welcher Größe bestellt hat. Zahlungsdetails und andere vertrauliche Daten bleiben verschlüsselt.

Meinen Sie, dass sich die Retourkosten so tatsächlich senken lassen? Viele Onlineshopper wollen doch möglichst viel anprobieren – und lassen sich deshalb viele Modelle schicken?

Das stimmt. Dennoch werden in Europa im E-Commerce 80 Prozent aller Kleidungsstücke umgetauscht, weil die Größe nicht stimmt oder der bestellte Artikel nicht richtig passt. Der Großteil der Retouren ist auf die Größe zurückzuführen.

 

impulse-Magazin August 2015Dies ist ein Artikel aus der aktuellen impulse-Ausgabe 08/15.

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