Gründung Gut gebrüllt? Wie „Die Höhle der Löwen“ bei Gründern ankommt

Die fünf Investoren der TV-Show

Die fünf Investoren der TV-Show© VOX/Boris Breuer

Mit "Die Höhle der Löwen" gibt es seit dieser Woche eine Start-up-Show im deutschen Fernsehen. Gründer präsentieren ihre Ideen - fünf Investoren entscheiden, ob sie Geld geben wollen. Wir zeigen, wie die Sendung bei anderen Unternehmern ankam.

Wolken fliegen über Hochhäuser, dazu dramatische Musik. Nach und nach tauchen fünf Köpfe auf, die angriffslustig in die Kamera schauen. Der Vorspann der neuen Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ kommt amerikanisch und dramatisch daher. Unternehmensgründer präsentieren während der zweistündigen Sendung ihre Geschäftsideen vor einer Jury. Die Experten entscheiden, ob sie investieren wollen. Als Gegenleistung gibt es dafür Geschäftsanteile. Wie viele genau, das entscheidet der Gründer.

Die fünf Investoren, um deren Gunst die Gründer kämpfen, sind: Vural Öger, Jochen Schweizer, Frank Thelen, Judith Williams und Lencke Wischhusen. Alles gestandene Unternehmer, die teils beträchtliche Summen in neue Geschäftsideen stecken. Oder die neuen Ideen mit einem Wimpernschlag abschmettern.

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In der Auftaktsendung kämpfen sieben Unternehmensgründer um eine Finanzspritze für ihre Firma. Nicht alle Geschäftsideen kommen gut an: Kosmetik aus Kuhmilch, eine Einbruchsicherung für Autos, eine Sauna auf Rädern – diese Ideen fallen bei der Jury durch. Andere haben etwas mehr Glück, müssen dafür aber Kompromisse eingehen. Zum Beispiel ein Unternehmer, der eine Matratze entwickelt hat, die Hausstaubmilben vernichtet und die Allergikern zu einem besseren Schlaf verhelfen soll. Für 95.000 Euro bietet er 30 Prozent der Unternehmensanteile. Die Jury verlangt für das Geld aber das Doppelte. Er zögert und gibt schließlich die Mehrheit an seinem Unternehmen für den gleichen Preis ab.

Warum ein Gründer nein sagt

David Weyhe lehnt dagegen das Angebot der Experten ab. Er hat zwei Jahre an einem Rezept für „die perfekte scharfe Sauce“ getüftelt und will 55.000 Euro einsammeln, um sein Produkt bekannter zu machen. Er verkauft die Saucen seit 2011, mit steigendem Erfolg. Allerdings fehle ihm zum Wachsen Geld, sagt er in der Sendung. Die Investoren sind interessiert, wollen aber mit einem Euro pro verkaufter Flasche beteiligt werden und zudem 26 Prozent der Unternehmensanteile bekommen. Das geht dem jungen Gründer zu weit. Er sagt nein und geht ohne Geld aus Sendung – aber mit viel kostenloser Aufmerksamkeit für die mexikanischen Spezialitäten.

Ganz anders ergeht es Anke Domaske, die eine Hautcreme auf Milchbasis entwickelt hat. Die studierte Biologin muss reichliche Kritik einstecken und macht im Fernsehen keine glückliche Figur. Ihr Produkt kann sie nicht überzeugend präsentieren.
 

Bei Zuschauern und anderen Gründern kam sie Sendung unterschiedlich gut an. Wir haben einige Reaktionen aus dem Netz zusammengestellt.

 

Fabio Ziemßen gründete die Freelancer Plattform theinnovationstorm.com und ist Vorstandsmitglied der StartupDorf Initiative.

Andrea Pfundmeier ist Gründerin von Boxcryptor, einer Firma, die eine Software zur Verschlüsselung von Dateien anbietet

Olaf Jacobi ist Investor, Business Angel und Seriengründer

Oliver Thylmann ist Co-Gründer von Giant Swarm, einem IT-Spezialisten

Andreas Schroeter ist Co-Gründer von Wywy, einer App, die Fernsehinhalte mit dem Smartphone verknüpft

Michael Bräu ist Gründer von Destimate, einem Münchner Start-up, das eine Social Travel App betreibt

 

Was Start-ups bei Fernsehauftritten beachten sollen und wie sie davon profitieren können, lesen Sie im Interview mit Gründerin Verena Delius:

TV-Auftritt: “Man unterschätzt die Folgen einer Live-Show”

4 Kommentare
  • Trash TV 1. Oktober 2014 10:54

    Was ein müll. Damit meine ich nicht die Kandidaten die Ihre Produkte vorstellen, auch wenn ich einige doch etwas zu Naiv sind, sondern die angeblichen Investoren. Was sind denn 100 t€ oder weniger als Startkapital für diese Multimillionäre? Der Thelen, übrigens ein absoluter Unsympath, verliert 10 Mio mit seinem Unternehemn und geizt hier mit bei 40t€ rum. Billiges Format, Ami Like umgesetzt und die ganzen Dawanda verkäufer glauben nun sie weerden zu Millionären. Zudem Frage ich mich, wieso daer unterwegs WC hersteller, bei angeblich zu erwarteten Umsätzen und ein Marge von mehreren 100%, die BA für 26% und läpischen 150 t€ an seinem Unternehmen teilhaben lässt. Er solte eigentlich allein aus der Marge des nächsten Jahres schon Richtung Break Even laufen, zumal nur 750 t€ laut deren Aussage bisher in die FIrma flossen. Alles die Zuschauer verarscht…Trash TV eben. Ciao

  • Peter Heinke 22. August 2014 11:27

    Genau so ein Format fehlte in Dtl. bisher und das zur besten Sendezeit. Super. Da brauchen wir uns und die Politik sich nicht über immer niedrigere Gründerquoten wundern. Ich sehe die Sendung insbesondere im Sensibilisierungsbereich angesiedelt bzw. hier Nutzen stiftend. Um Diskussionen und auch Show zu erzeugen, muss man auch völlig sinnlose Gründungsideen vorstellen, wie diese PKW-Sicherung. Potenzielle Gründer können hier viel lernen.
    Wir hatten vor wenigen Jahren ähnliches hier aus Baden-Württemberg startend vor. Leider war die Resonanz bei den TV-lern zu gering. Wenn die Macher der Sendung jetzt noch das interessierte Publikum einbinden – vielleicht mal anders als mit SMS-Voting – …. könnten diese mal ihre Innovationsfähigkeit unter Beweis stellen:-)
    Die zum Teil schlechte Präsentation der Bewerber verdeutlicht deren Menschlichkeit (siehe Sauna). Die gute und sympathische Mutti ist im Business-Bereich noch nicht angekommen, will da wahrscheinlich nicht hin, was ja ihre Entscheidung ist.
    Die Reaktion des SoucenExperten war auch so eine typische Gründerreaktion. Die Höhe der abzugebenden Anteile ist doch völlig nebensächlich bezogen auf die Erfolgsaussicht.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass es nicht so einfach war, „Löwen“ zu finden.
    Wir verfolgen die Sendung weiter mit unserem Team.

  • Manuel Apitzsch 20. August 2014 17:09

    Von der Dramaturgie her ist das Format ganz gut umgesetzt und Form und Farbe kommen dem amerikanischen Vorbild Shark Tank sehr nahe. Jedoch ist das Line Up der Investoren im Vergleich zum US-Pendant recht dürftig. Ob man eine Lencke Wischhusen als Unternehmensnachfolgerin eines 50 Mann Betriebs mit 15 Mio. € Jahresumsatz als Senkrechtstarterin und Vorzeigeinvestorin propagieren sollte, wage ich im Vergleich zur amerikanischen Jury mit Multi-Millarden-Investoren, die wirklich viel erreicht haben (die es in Deutschland nebenbei übrigens auch gegeben hätte) zu bezweifeln. Ferner fehlt es Gründern, die leichtfertig eine Mehrheit an Ihrer Company für unter 100.000 € abtreten oder direkt ihren Job kündigen, ohne eine Idee „Lean Startup“ like auszuprobieren aus meiner Sicht primär an Coaching und nur sekundär an Cash. Dennoch schließe ich mich Olaf Jakobi an, und halte ich es für ein unterhaltsame Sendung, die das Gründertum den Zuschauern näher bringt. Ich hab mir die Mexican Tears Saucen (nachdem mexicantears.de gestern Abend leider down war) bei Amazon bestellt und freu mich auf auf Nachos mit scharfer Sauce nächsten Dienstag um 20:15 Uhr.

  • Andreas Menakker 20. August 2014 13:36

    Nettes Format, für mich als mittelständischen Unternehmer interessant, da neue Ideen zum Teil sehr interessant wirken.

    was mich etwas stört, ist die fehlende Einsicht, dass gute Ideen organisch wachsen sollten, das heisst, aus sich selbst heraus, durch erwirtschaftetes Geld, nicht durch Darlehen.

    Einige Gründer mit guten Ideen wurden ja schliesslich dergestalt nach hause geschickt, bestimmt um 150% motivierter als vorher.

    Ob jedoch Otto Normalzuschauer, mithin mutmasslich Arbeitnehmer bzw ohne Beschäftigung, dieses Format ebenso interessant finden wird, wie ich das tue, finde ich zumindest zweifelhaft.

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