Gründung Marc Samwer auf der Disrupt Berlin: Die Perfektion des Nichtssagens

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Auf der Disrupt Berlin trifft sich derzeit das Who-is-Who der Tech-Szene

Auf der Disrupt Berlin trifft sich derzeit das Who-is-Who der Tech-Szene© Gunnar Berning

Die Podiumsdiskussion mit Marc Samwer sollte das Highlight der diesjährigen TechCrunch Disrupt Berlin werden. Doch der erfolgreiche Gründer wirkte wie eine Kombination aus fader Diva und Angela Merkel, schreibt impulse-Blogger Gunnar Berning. Spannend hingegen: der Auftritt zweier Bonner Studenten.

Diese Woche blogge ich an verschiedenen Tagen von den Highlights zweier Top-Konferenzen der Tech-Szene Europas. Den Anfang macht die zweitägige TechCrunch Disrupt Berlin, auf der sich erstmals in der Hauptstadt das Who-is-Who der Start-ups und Venture Capital-Experten trifft. Über meinen twitter-Account könnt Ihr die spannendsten Aussagen live mitverfolgen.

Marc Samwer, einer der drei Samwer-Brüder, übte sich im ersten Interview mit Mike Butcher von TechCrunch in der Perfektion des Nichtssagens. Die Samwer-Brüder sind überzeugt, Business-Modelle besser zu machen durch Lokalisierung in viele Länder. „Es gibt kaum ein Business-Modell, dass sich nicht gut internationalisieren lässt“, erklärte Samwer den Besuchern. „Phantastische Chancen“ sehen die umtriebigen Geschwister zur Zeit vor allem in Südost-Asien und Latein-Amerika. „Geht dahin und gründet“, rief er den Gründern zu. Das Zeitfenster sei nur eine begrenzte Zeit offen, um nachhaltig erfolgreich zu sein.

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Eine sehr eigene Wahrnehmung zeigte Samwer, dessen Firma Rocket Internet häufig bezüglich der Geschäftsethik und dem Umgang mit Mitarbeitern kritisiert wird, als es um seine Mitarbeiter ging. Seine Aussage, dass man sich „sehr sehr“ um seine Mitarbeiter kümmere, wurde zu Recht vom informierten Publikum mit Rumoren kommentiert. Auf kritische Fragen von Interview-Partner Butcher, der sich in der Vergangenheit während eines Interviews bereits vorzüglich mit Samwer-Bruder Oliver gestritten hatte, reagierte der erfolgreiche Gründer immer wie ein Politiker: ausweichend und nichts sagend.

 

Techcrunch Disrupt Berlin 2013

Eine smarte Herangehensweise hat das Team von Rocket Internet zum Thema IPOs. Man denke in jedem Business grundsätzlich über die Möglichkeit eines Börsengangs nach, erläuterte der Gründer. „Ein IPO ist für Rocket Internet kein Exit, sondern vielmehr eine Form der Finanzierung von Firmen.“ Nicht mehr und nicht weniger.

Der Mehrwert der als Highlight erwarteten Diskussion hielt sich auch darüber hinaus in Grenzen. Keine hilfreichen Tipps für die Schar der Gründer, keine spannenden Insights. Samwer wirkte wie eine Kombination aus fader Diva und Angela Merkel. Es fehlte nur noch die Raute.

AOL-CEO Armstrong: „Berlin feels like the Silicon Valley a couple of years ago“

AOL-Chef Tim Armstrong sorgte sich um die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika nach Bekanntwerden der NSA-Affäre und der Abhöraktion von Kanzlerin Merkels Mobiltelefon. „Bitte geben Sie Amerika nicht auf!“ rief er der Gründerszene zu. Es gebe viele Menschen in den Staaten, denen Deutschland und Europa sehr am Herzen liege, so Armstrong weiter. Später kündigte Armstrong an, dass AOL in der Zukunft größer in Deutschland vertreten sein werde. Zur Zeit ist der einstige Primus aus den USA („Sie haben Post“) nur mit Untermarken wie der Huffington Post in Deutschland vertreten. Interessant zu beobachten war in diesem Zusammenhang, dass Armstrong die TechCrunch Disrupt gemeinsam mit dem deutschen Medien-Schwergewicht Mathias Döpfner (CEO Axel Springer) verlies. Ob sich hier eine gemeinsame Zusammenarbeit anbahnt? Wer weiss.

Zwei Bonner Abiturienten, von denen wir noch hören werden

15 junge Start-ups präsentierten sich einer ausgewählten Jury und dem Publikum. Gemeinsam kämpfen die Jungfirmen am Dienstag um den prestigereichen Sieg. Ein Auge sollte man werfen auf Lock8.me (verbinden moderne Fahrradschlösser mit einer Mobile-App und bieten Vermietung von privaten Fahrrädern an), import.io (einfachstes Erstellen von APIs zum Auslesen von Daten externer Webseiten) und ASAP54 (Finde Kleidung, die Dir gefällt, in deiner physikalischen Umgebung mit Hilfe der ASAP54-App).

Aufpassen sollte man auch auf die Youngster von Voicesphere. Die zwei Bonner Jungs David Kokkelink und Jan Thoene haben dieses Jahr ihr Abitur gemacht und nebenbei Voicesphere, ein Siri-ähnliches Start-up zur Sprachsteuerung beliebter Apps aufgebaut – ein phantastisches Produkt. Von den beiden werden wir noch viel hören in den kommenden Jahren. Versprochen.

 


 

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