• Mehr Mut zum Risiko

    Vor allem junge Gründer arbeiten gerne im Team

    In Deutschland gründern noch immer weniger Frauen eine Firma als Männer. Verschiedene Projekte und Initiativen versuchen weibliches Unternehmertum zu fördern, um Fachkräftemangel und demografischem Wandel entgegen zu wirken.

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    Ein neues Rollenbild und die Chance auf ein zweites berufliches Standbein veranlasst immer mehr Frauen den Weg der Selbstständigkeit zu gehen. Auch wenn die Risikobereitschaft immer noch niedriger ist als bei Männern, lässt sich in den letzten Jahren ein gesteigertes Interesse erkennen, das immer häufiger in einer Unternehmensgründung gipfelt. Der Blick in die Zahlen des IHK Gründerreports zeigt jedoch, dass die Lücke zwischen den Geschlechtern weiterhin sehr groß ist.

    So wurden im Jahr 2011 nur rund 30 Prozent aller Unternehmen von Frauen gegründet. Der Trend in der Gründerberatung der IHK zeigt aber einen deutlichen Nachfrageanstieg von Seiten des weiblichen Geschlechts. Lag der Anteil gründungsinteressierter Frauen 2003 noch bei unter 30 Prozent stieg er bis zum letzten Jahr auf 41 Prozentpunkte an. Neben der IHK haben auch die Agentur für Arbeit und verschiedene Bundesministerien die gestiegene Nachfrage erkannt und stellen spezifische Angebote bereit.

    Um auch deutschlandweit dem speziellen Informations-und Beratungsbedarf zum Thema Existenzgründung von Frauen gerecht zu werden, wurde Anfang 2004 die bundesweite gründerinnenagentur (bga) von gleich drei Bundesministerien (BMBF, BMFSFJ und BMWi) ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt steht neben der Beratung auch die Vernetzung mit Experten und damit eine Unterstützung über den Gründungsprozess hinaus.

    gründerinnenagentur bietet bundesweite Anlaufstelle

    Ziel ist es, mehr Frauen zu ermutigen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und durch gezielte Beratung die Erfolgschancen zu erhöhen. Um dies zu erreichen wurden in jedem Bundesland regionalverantwortliche Leiter eingesetzt, die als direkte Ansprechpartner fungieren. “Seit dem Start der bga im Jahr 2004 lässt sich eine kontinuierliche Nachfrage feststellen. Immer mehr Frauen nutzen die Angebote und Netzwerke die es mittlerweile gibt,” sagt Brunhilde Shaik von der bga.

    Die gründerinnenagentur als öffentlich getragene Anlaufstelle gilt europaweit als einzigartig. Sie ist aber nicht die einzige Möglichkeit für Frauen sich über bestehende Chancen, Risiken und Unterstützung zu informieren. Unter dem Dach des Deutschen Gründerinnen Forum e.V. haben sich mehrere Vereine zu einem kleinen Lobbyverband zusammengeschlossen, der sich neben einer breiteren Akzeptanz auch für eine verbesserte Förderung von weiblichen Unternehmensgründungen einsetzt. Daneben gibt es eine Vielzahl kleiner Vereine wie den Hamburger Verein Frauen und Arbeit e.V., der Frauen in Zusammenarbeit mit regionalen Ämtern und Behörden gezielt berät und vernetzt.

    Trotz eines neuen Rollenverständnisses und geeigneter Initiativen ist das Potenzial für weiblich geführte Unternehmen und Neugründungen in Deutschland nicht ausgeschöpft. Die Gründe hierfür sind vielfältig und keineswegs eindimensional. Laut der Gründungsmonitor-Studie der KfW Bank sind es weniger gesellschaftliche Hürden, die es zu überwinden gilt. Vielmehr seien Frauen durch familiäre Verpflichtungen und aufgrund ihrer Berufswahl eingeschränkter als die meisten Männer. Die von vielen Frauen oftmals gewählten Büro-, Verkaufs- und Gesundheitsberufe böten oftmals schlechtere Chancen für eine Existenzgründung.

    Frauen sind bei Unternehmsgründungen risikoscheuer als Männer

    Neben diesen Punkten gelten gründungsinteressierte Frauen laut der KfW-Studie als weniger risikofreudig und optimistisch als Männer, was sich besonders in den Vollerwerbsneugründungen widerspiegelt. Viele Frauen gründen häufiger ein kleines Gewerbe neben ihrem festen Job, um sich so ein zweites risikoärmeres Standbein zu schaffen. Den Sprung in die vollkommene Selbstständigkeit wagen viele erst wenn sie arbeitslos werden. Im Umkehrschluss bedeutet eine starke Konjunktur die Abnahme von Voll- und Nebenerwerbsgründungen.

    Die Stärken der Unternehmerinnen sind laut Bundesagentur für Arbeit vielfältig und zeichnen sich meist durch eine solidere Finanzplanung, eine bessere Vernetzung und eines insgesamt stärkeren Abwägens von Risiken aus. Über Erfolg und Misserfolg entscheidet am Ende aber die Kombination aus Persönlichkeit, Fachwissen und Geschäftsidee, egal ob bei Mann oder Frau.

    Die Zukunftsaussichten sind dabei in einigen Branchen mehr als gut. Aufgrund des demografischen Wandels wird die Nachfrage nach qualifizierten Leistungen im Sozial- und Gesundheitssektor in den nächsten Jahren steigen und somit auch die Möglichkeiten für neue Geschäftsideen und Gründungen. Der augenscheinlich von der Bundesagentur für Arbeit postulierte Nachteil bei der Berufswahl kann so in einen Vorteil umgewandelt werden. Der Wandel in der Bevölkerungsstruktur zieht auch einen akuten Mangel an qualifizierten Führungskräften nach sich. Ein Umstand, unter dem besonders der Mittelstand zu leiden hat.

    Mehr Frauen in handwerkliche Führungspositionen

    Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, hat das Familienministerium eine Roadshow ins Leben gerufen, die mehr Frauen zu Gründungen und Führungsverantwortung in mittelständischen Unternehmen bewegen soll. “Die Roadshow soll den bestens qualifizierten Frauen von heute ihre Karrierechancen als Unternehmerin im Handwerk vor Augen führen und sie für diese Führungsposition gewinnen,” sagt Katrin Endrass, zuständige Leiterin des Projektes “Meine Zukunft – Chefin im Handwerk” des Familienministeriums und der bga, im Gespräch mit impulse.de

    Über die bestehenden Netzwerke und langfristige Initiativen können sich gründungswillige Frauen genauestens informieren und Unterstützung vor Ort erhalten. “Die Resonanz ist groß, sowohl von Frauen als auch in der Wirtschaft, jedoch stehen wir erst am Anfang des Weges und haben noch längst nicht alle Potentiale ausgeschöpft” sagt Endrass. Glaubt man den Zahlen der IHK und KfW, sind die Chancen und Möglichkeiten für Gründerinnen nie so gut gewesen wie heute.

    • Quelle: impulse
    • Copyright: impulse

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