Gründung „Mit nur einem Zugpferd funktioniert eine Genossenschaft nicht“

Georg Stövesand befüllt mit seiner Firma Regale, etwa in Supermärkten. Um größere Aufträge bewältigen zu können, gründete er 2013 mit sieben anderen Handelsvertretern eine Genossenschaft – die "DiDeG". impulse erzählte er, wo dabei die Probleme liegen und was man bei der Gründung bedenken sollte.

„Vor zwei Jahren habe ich mit sieben anderen Handelsvertretern aus dem Regalservice-Bereich beschlossen, eine Genossenschaft zu gründen. Der Grund: Oft hatten wir zufriedene Kunden, die wollten, dass wir größere Gebiete abdeckten – was als Einzelunternehmer aber nicht machbar ist. Wenn ich jedoch in Hamburg sitze und Genossen in Köln, München, Leipzig und Kassel habe, die ähnlich gut arbeiten wie ich, könnte man solche Aufträge schaffen. Der Grundgedanke war also, dass jeder Genosse Aufträge in die Genossenschaft gibt, die er nicht erledigen kann, die Genossenschaft sich darum kümmert, dass andere Genossen oder beauftragte Minijobber die Regale einräumen – und so am Ende alle von allen profitieren.

Anders als gedacht war die Bürokratie bei der Gründung im Grunde kein Problem, weil man von einem Fachberater der regionalen Genossenschaftsverbände unterstützt wird. Einer muss dabei allerdings den Hut aufhaben und sich in die Formalien einlesen, die Satzung entwerfen und die vorgeschriebenen Versammlungen einberufen. Gemäß dem Satz, den ich vom Regionalberater hörte: „Wer das erste Wort mit mir wechselt, hat die meiste Arbeit.“ So war es dann auch – aber nach einem Vierteljahr hatten wir alle Unterlagen zusammen, die Satzung war fertig.

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Eine gut durchdachte Genossenschafts-Satzung ist zentral

Doch der Teufel steckte im Detail – was man leider erst merkt, wenn man loslegt. So hatten wir in der Satzung zum Punkt Vertretungsvollmacht formuliert, dass die „Genossenschaft durch zwei Vorstände vertreten“ wird. Wir hatten nicht genau bedacht, was das bedeuten würde: nämlich, dass immer zwei Genossen nebeneinander im Büro sitzen müssten, um die Geschäfte zu führen – was nicht leistbar ist. Diesen Fehler zu korrigieren, hat über ein Jahr gedauert: weil erst der zuständige Notar an einem Herzinfarkt starb und der zweite den Auftrag abgab.

Inzwischen ist unsere Genossenschaft aber so gut wie eingetragen. Und es könnte eigentlich losgehen. Jetzt zeigen sich jedoch andere Probleme. In einer Genossenschaft gehört ja alles allen – das klingt gut, führt am Ende aber zu Verhältnissen, wie man sie der DDR zugeschrieben hat: Alle Häuser sind Volkseigentum – und alle hoffen darauf, dass einer sie irgendwann mal streichen wird. Die Mitglieder unserer Genossenschaft sind engagierte Einzelunternehmer – da liegt es natürlich nahe, erstmal auf sich zu schauen und die Zeit, die nötig wäre, um die Genossenschaft voranzubringen, für eigene Aufträge zu nutzen.

Wenn der Teamgeist fehlt

Ich hatte mir vorab schon gedacht, dass das passieren könnte. Dass man aber jeden Tag neu nachhaken muss, wer welche Aufgabe übernimmt, hat mich dann schon überrascht. Mit einem Zugpferd allein funktioniert so ein Konstrukt einfach nicht – dafür gibt es zu viel zu tun. Angefangen dabei, eine Homepage zu erstellen, über die nötige Arbeitsorganisation mit Datenbanken etc. bis hin zur Organisation der nötigen Treffen. Im Grunde, das wäre mein Tipp, müsste man in einer Genossenschaft von Anfang an ein zwei Leute anstellen, die Aufträge ranholen, Aufgaben verteilen, die gesamte Organisation erledigen.

Die Mitgliedsbeiträge bei einer Genossenschaft

Was auch nicht ganz einfach ist: die richtige Höhe des Mitgliedsbeitrags zu finden. Wir sind mit 50 Euro pro Monat gestartet, aber bald wurden Stimmen laut, dass das zuviel war. Deshalb würde ich bei der nächsten Gründung gleich mit flexiblen Beträgen starten. So, wie wir das jetzt auch gelöst haben: Wer ein Amt will im Vorstand oder im Aufsichtsrat, zahlt 50 Euro monatlich – alle anderen nur 10.  Zu niedrig dürfen die Beträge aber auch nicht werden, denn eine Genossenschaft hat immer auch Kosten – etwa für die Jahrestreffen, die vorgeschrieben sind, oder für die Mitgliedschaft in der örtlichen IHK, die ebenfalls sein muss.

Eines ist mir nach zwei Jahren klar: Eine Genossenschaft bedeutet, sich immer wieder Gedanken zu machen darüber, wie man sein Ziel erreichen will. Und flexibel darauf zu reagieren, wenn etwas nicht klappt. Wir sind unter anderem deshalb an den Start gegangen, um den Status Quo zu ändern: dass nämlich Unternehmen 250 Euro für einen Tag Regalservice ausgeben – aufgrund der Arbeit zwischengeschalteter Agenturen aber maximal 125 Euro beim ausführenden Unternehmer ankommen.

Allerdings kommen bis jetzt nicht genügend Aufträge von den einzelnen Genossen rein, um wirklich etwas am System zu ändern. Deshalb haben wir den Plan geändert: Wir wollen uns als Genossen jetzt darauf konzentrieren, mit den Unternehmen zu verhandeln und Aufträge zu erhalten. Und Menschen fest anstellen und ordentlich bezahlen, die diese Aufträge für uns erledigen. Ob das klappt, wird sich zeigen – aber in der Theorie klingt es schonmal perfekt, wie ich finde.“

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