Gründen als Mutter Erfolgreich in die Selbstständigkeit

Wer als Mutter ein Unternehmen gründen will, sollte an die Kinderbetreuung denken.

Wer als Mutter ein Unternehmen gründen will, sollte an die Kinderbetreuung denken.© Halfpoint / Fotolia.com

Wer als Mutter ein Unternehmen gründen will, braucht Durchhaltevermögen und einen guten Plan. So gelingt Müttern der Start in die Selbstständigkeit.

Fest angestellt in einem Unternehmen arbeiten: Das bedeutet für viele Menschen Sicherheit. Trotzdem entscheiden sich immer mehr Mütter gegen das Leben als Angestellte und gründen ihr eigenes Unternehmen. Was diese Mütter antreibt und worauf sie bei der Existenzgründung achten sollten.

Warum gründen immer mehr Mütter?

Nach der Elternzeit fangen die Zweifel an. Was möchte ich beruflich erreichen? Zurück bei dem alten Arbeitgeber gibt es nicht selten zwei Alternativen: Vollzeit und voller Einsatz oder Teilzeit mit daraus folgend wenig Verantwortung und noch weniger Perspektiven. Nicht wenige Mütter landen auf diesem „Abstellgleis“.

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Die Gründung ihres eigenen Unternehmens ist deshalb für junge Mütter attraktiv. Die Selbstständigkeit ist mit flexiblen Arbeitszeiten und Home Office gut mit der Familie vereinbar. Ade Präsenzzwang, Fremdbestimmung und Abhängigkeiten vom Arbeitgeber! Wo der Staat verpasst habe, Arbeit und Familie zu vereinbaren, schaffen sich die Mütter ihre eigene Welt, sagt Sandra Runge, Rechtsanwältin für Arbeitsrecht: „Es ist Zeit für ein neues Unternehmertum.“

Wo gibt es Unterstützung für gründungsinteressierte Mütter?

Es gibt eine Reihe von privaten Initiativen und Vereinen, die speziell Frauen bei der Selbstständigkeit unterstützen. Zum Beispiel die Genossenschaft Weiberwirtschaft in Berlin. Sie vermietet Gewerbeflächen an Frauen und ist mit Unternehmerinnenzentren in Deutschland vernetzt. Mit der Gründerinnenzentrale bietet die Weiberwirtschaft spezielle Beratung für die Existenzgründung an, bietet Stammtische an und vermittelt Mentoren, Geschäftspartnerinnen sowie Experten.

Auch Mompreneurs, das Netzwerk für selbstständige Mütter, bietet in vielen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz regelmäßige Treffen an, bei denen sich Mütter austauschen können. Die sozialen Medien, wie die geschlossene Mompreneurs-Facebook-Gruppe, bieten für den Austausch von geschäftstätigen Müttern eine gute Plattform – von praktischen Tipps wie der Kinderbetreuung bis hin zu juristischen Tipps für Elterngeld oder dem Aufhebungsvertrag beim bisherigen Arbeitgeber.

Wo gibt es Geld für gründende Mütter?

Es gibt unterschiedliche Geldquellen, die Müttern den Weg in die Selbstständigkeit ebnen. Eine Option sind Mikrokredite: Der Verein Goldrausch e.V. bietet speziell für Frauen Mikrokredite zur Existenzgründung an. Eine andere ist die Abfindung: Sind die Mütter zum Gründungszeitpunkt angestellt, müssen sie den Ausstieg aus dem bisherigen Arbeitsverhältnis organisieren, zum Beispiel über einen Aufhebungsvertrag und eine Abfindung. Wer aus der Arbeitslosigkeit heraus gründet, dem bietet sich eine andere Perspektive: der Gründungszuschuss.

Wie funktioniert der Gründungszuschuss?

Nur wer das Arbeitslosengeld 1 bezieht und beim Zeitpunkt zur Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit noch mindestens 150 Tage Anspruch auf dieses hat, kann den Antrag stellen. Beim Gründungszuschuss wird das zuletzt bezogene Arbeitslosengeld ein halbes Jahr weitergezahlt sowie zusätzliche 300 Euro zur sozialen Absicherung. Danach kann der Existenzgründer einen neuen Antrag für weitere neun Monate stellen.

Diese steuerfreie finanzielle Unterstützung ist eine Ermessensentscheidung der Agentur für Arbeit. Die Antragsteller haben keinen Rechtsanspruch auf die Leistung, zudem gilt der so genannte „Vermittlungsvorrang in ein Arbeitnehmerverhältnis“: Der Antragsteller muss nachweisen, dass es für ihn keine passenden Stellenangebote gibt. Zudem muss ein Businessplan erstellt werden, der durch Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan, die Umsatz- und Rentabilitätsvorschau sowie die Privatentnahmen ergänzt wird. Das gesamte Geschäftskonzept muss von einer fachkundigen Stelle wie zum Beispiel der IHK auf seine „Tragfähigkeit“ geprüft werden. Für den aufwendigen Antrag ist fachkundige Beratung empfehlenswert. Mentoren und Coachs werden zum Beispiel von der Gründerinnenzentrale vermittelt.

Worauf sollten Mütter auf dem Weg in die Selbstständigkeit achten?

Mütter sollten die eigenen Vorstellungen genau mit ihrem Partner abstimmen. Eine Gründung ist anstrengend. Man arbeitet meist jeden Tag, oft bis spät in die Nacht. Die Kinder, der Haushalt und die Erwerbsarbeit beider Partner – alles muss zusammenpassen. Dazu kommt die oft schwierige Frage der Kinderbetreuung. Gibt es einen Kita-Platz und wie teuer ist er? Vielleicht verschlingt die teure Betreuung anfangs die Umsätze. Will man trotzdem weitermachen?

Beim Thema Finanzen vernachlässigen Frauen häufig ein spezielles Thema: die Altersvorsorge. „Auf jeden Fall sollten sich Mütter Gedanken zu diesem Thema machen, gerade wegen der Kinder“, empfiehlt Sandra Runge. Priorität sollte ihrer Meinung auch der Aufbau eines Netzwerks haben – über soziale Medien oder Vernetzungstreffen.

Fachliche Beratung: Sandra Runge, Rechtsanwältin, Mompreneur und Bloggerin. Auf smart-mama.de schreibt die zweifache Mutter über die Rechte von Müttern. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

1 Kommentar
  • Linda 2. September 2015 14:31

    Prima Alternative zum Homeoffice: Coworking mit Kind. es gibt schon in vielen Städten Büros!

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