Gründung Okinlab macht die Kunden zu Möbeldesignern

Die Köpfe hinter Okinlab designen nicht nur Möbel mit ungewöhnlichen Formen - mit Hilfe ihrer Software können Kunden individuelle Möbelstücke entwerfen. Hat die Start-up-Idee Potenzial?

Der Ideen-Check: Taugt das Modell?

Sie designen Möbel, konzipieren Innenausstattungen und Gebäude mit sehr ungewöhnlichen Formen. Mit Ihrer Software kann man sein ganz persönliches Möbelstück sogar selbst entwerfen. Warum braucht man überhaupt individuelle Designs?

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Alessandro Quaranta: Das kann ich Ihnen am besten mit einem Beispiel erklären: Für die Uni des Saarlandes sollten wir einen Unishop ausstatten. Das war wegen der Architektur des Raums aber schwierig: Er war hoch, schmal und sollte sowohl die nötige Verkaufsfläche bieten als auch Platz für die Studenten. Einen solchen Raum sinnvoll einzurichten, erfordert ein passendes System, das nicht einfach so zu finden ist. Also musste es erfunden werden.

Wieso sind Sie genau die Richtigen, wenn es ums Thema individuelle Möbel geht?

Mein Partner, Nikolas Feth, hat Architektur studiert und über Freiformkonstruktionen geforscht und gelehrt. Die Umsetzung von komplexen Formen ist genau sein Steckenpferd. Schwierig ist eher, Produktionsbetriebe zu finden, die unsere Entwürfe umsetzen können.

Der Konkurrenz-Check: Gibt’s doch schon, oder?

Die Idee einer Manufaktur für individuelle Möbel und andere Einrichtungsgegenstände ist nicht neu. Warum sind Sie besser?

Wir arbeiten an der Schnittstelle zwischen Architektur, Design und Informatik und können so neueste Informationstechnologien mit verbesserten Produktionsmöglichkeiten verbinden. Das Potenzial etwa in der Holz verarbeitenden Industrie wird bislang nicht ausgeschöpft: Der Fräse ist es egal, ob sie ein gerades oder kurviges Brett fräst.

Wie profitieren Ihre Kunden von diesen Möglichkeiten?

cashtest_logo_Folge05Mit unserem 3D-Editor können unsere Kunden eigene Entwürfe wie mit Knetmasse nach Wunsch modellieren und von allen Seiten aus betrachten. Die physikalischen Grenzen des Materials, die Machbarkeit der Maschinen und statischen Bedingungen – das alles berechnet unsere Software. Innerhalb dieser Grenzen kann man sich frei entfalten. Anschließend zerlegen wir das Objekt nur noch in einzelne Produktionsteile.

 

Der Sales-Check: Wer will das haben?

Wer ist Ihre Zielgruppe?

Wir wenden uns an Privatkunden, aber auch an Firmen und Institutionen. Diesen bieten wir unter www.form.bar fertige Produkte an, aber auch die Möglichkeit, ihre Produkte selbst zu gestalten. Händler und Schreiner können unsere Software über Lizenzen im Professional-Modus nutzen.

Und wer hat Okinlab bereits in Anspruch genommen?

Viele Privatkunden. Wir haben aber auch zum Beispiel Wickeltische und Heizungsverkleidungen für eine Kita oder eine frei geformte Theke aus Mineralwerkstoff für eine Zahnarztpraxis kreiert. Unser Portfolio geht von einzelnen Möbelstücken über ganze Einrichtungen, Ladenausstattungen bis hin zu Wohnbauten. Seit Anfang des Jahres haben uns deutsche Fachhändler ins Sortiment genommen. In Frankreich und Holland haben Handelsvertreter die Software im Einsatz.

 

Der Kapital-Check: Wie finanziert sich das Ganze?

Wie viel Geld haben Sie bereits in Ihre Firma gesteckt?

Wir haben das Exist-Gründerstipendium erhalten und hatten Unterstützung von einem Risikokapitalgeber und der Saarländischen Wagnisfinanzierungsgesellschaft. Dazu kommen Preisgelder von Wettbewerben wie dem internationalen 1,2,3 Go Businessplan-Wettbewerb und dem Gründerwettbewerb IKT-Innovativ.

 

Der Risiko-Check: Was kann schiefgehen?

Welche Probleme gab oder gibt es?

Bei uns muss man bereit sein, etwas mehr als üblich für seine Produkte zu investieren. Dafür hat man ein echtes Unikat anstatt nur maßgefertigte Standardmöbel.

Ihr Geschäft läuft vor allem online ab. Die ältere und deshalb finanziell besser gestellte Kundschaft kauft doch eher im Laden, oder?

Deutschland stellt mit 30 Milliarden Umsatz den größten Möbelmarkt in Europa dar. Davon fallen zwar nur rund sechs Prozent auf den Onlinehandel. Der verzeichnet jedoch Wachstumsraten von bis zu 30 Prozent! Die Nachfrage ist also da. Noch gibt es nur wenige reine Onlinehändler – aber die bieten keine individuellen Lösungen. Und die traditionellen Händler hinken online ziemlich hinterher.

 

Die Gründer

Alessandro Quaranta ist Betriebswirt. Vor Okinlab hat er mit einem Modelabel Gründererfahrung gesammelt. Nikolas Feth ist mehrfach ausgezeichneter Architekt mit Schwerpunkt Freiformkonstruktionen.

Die Köpfe hinter Okinlab: Alessandro Quaranta (links) und Nikolas Feth. (c) Okinlab

Die Köpfe hinter Okinlab: Alessandro Quaranta (links) und Nikolas Feth. (c) Okinlab© Okinlab

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