• Online-Plattformen für Essensbestellungen sind hart umkämpft

    Online-Plattformen von Lieferdiensten sind sehr beliebt, doch die Konkurrenz ist groß. Ein Gespräch mit dem Gründer von Lieferservice.de.

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    Als Jitse Groen im Jahr 2000 anfing sich darüber Gedanken zu machen, wie man Essen schnell und einfach online bestellen kann, hatten die meisten Menschen in Deutschland und Europa nur eine langsame Modemverbindung. Heute tummeln sich viele verschieden Akteure auf dem Markt der Bestell- und Bringdienste. Pizza.de, Lieferheld.de (international Delivery Hero), Lieferando.de und eben Lieferservice.de (international takeaway.com) sind die Hauptakteure in Deutschland.

    Das Geschäftsmodell ist simpel. Die Anbieter stellen eine Plattform für Lieferdienste bereit, auf der sie ihre Gerichte anbieten können. Der Kunde kann sich dann sein Wunschessen aussuchen und per Klick bestellen. Kaufabwicklung und Kommunikation mit dem Lieferdienst laufen komplett über die Plattform. Ebenso auch Beschwerden und Regressforderungen, wenn es einmal zu Problemen mit der Lieferung kommen sollte. Viele Bestellungen laufen aber immer noch über das Telefon, auch wenn die Akzeptanz für Unternehmen wie Lieferservice.de in den letzten Jahren gestiegen ist. Das war nicht immer so.

    “Wenn ich darüber nachdenke, dann war ich mit meiner Idee knapp drei Jahre zu früh.” sagt Groen über die Gründung seines Unternehmens im Jahre 2000. Tatsächlich war er in Holland einer der ersten, der die Vorteile des Internets gegenüber den flyer- und telefonbasierten Angeboten erkannt hat. Auch seine Freunde und Bekannten konnte der damals 22-jährige nicht von seiner Idee überzeugen, eine digitale Plattform für Essenslieferdienste zu bauen. “Die ersten 700 Restaurants in Holland habe ich persönlich besucht und versucht von der Idee zu überzeugen.”

    Heute, zwölf Jahre später, sitzt Groen lächelnd und braungebrannt auf einem roten Kunstledersessel eines Hotelcafés in Hamburg. “Einmal, im Jahr 2003, hatte ich die Wahl alles hin zu schmeißen und als Angestellter mit festem Job, einem Firmenwagen und einem guten Gehalt zu arbeiten. Aber bin einfach zu stur und habe mich für meine Firma entschieden und es bis heute nicht bereut.” sagt er, während er einen Cappuccino trinkt. Dabei hatte er Glück, dass im Jahre 2003 durch den Ausbau der Netze das Breitbandinternet in vielen Haushalten verfügbar und damit ein Markt für Onlinebestellungen geschaffen wurde.

    Heute ist Groen Marktführer in den Niederlanden und laut eigener Aussage die Nummer vier in Europa. Doch der Markt ist umkämpfter denn je. Gerade in Deutschland gibt es mit dem Marktführer pizza.de einen starken Konkurrenten. Darüber hinaus versuchen sich die beiden Berliner Start-ups Lieferheld und Lieferando mit viel Investorengeld auf dem Markt zu behaupten. So wurde in den letzten Tagen bekannt, dass Lieferheld sein Gesamtinvestitionsvolumen um 40 Mio. auf 80 Mio. Euro verdoppelt hat. Das Ziel sei die internationale Expansion heißt es von Unternehmensseite. Wie umkämpft der Markt ist, zeigt auch der Streit zwischen Lieferheld und Lieferando im Frühjahr, als Lieferheld die Website seines Konkurrenten Lieferando für Stunden lahmgelegt haben soll.

    Groen sieht sich selbst als Pendant zu der Konkurrenz, die aggressiv und solventen Investoren im Rücken um Marktanteile kämpft. “Ich habe mit wenig Geld angefangen, alles reinvestiert das ich verdient habe und bin schrittweise gewachsen. Die Konkurrenz verbrennt ihr Geld und wird dieses Tempo nicht durchhalten können.” gibt er sich betont lässig. Der größte Konkurrent sei sowieso das Telefon.

    Dass der Kampf um Marktanteile auch an Groen nicht spurlos vorbei geht, zeigt der Einstieg des Investors Prime Venture zu Beginn des Jahres. In einer ersten Finanzierungsrunde wurden 13 Mio. Euro ausgeschüttet. Weitere Finanzierungsrunden sollen folgen. “Das Geld wird zum großen Teil ins Marketing und den Ausbau des Service fließen.” sagt Groen. Einen Teil seiner Eigenständigkeit hat Groen durch den Einstieg von Prime Ventures verloren, auch wenn er betont, dass er noch immer allein entscheide. Im Zuge der Kapitalerhöhung wurde Brent Wissink als neuer Leiter des operativen Geschäftes (COO) vorgestellt, der vorher für ABN Amro gearbeitet hat.

    Seit 2009 ist Lieferservice.de in Deutschland aktiv, jedoch schreibt das Unternehmen bisher nur rote Zahlen. Die Gewinnschwelle werde erst in den nächsten Jahren erreicht, wenn sich der Markt konsolidiert habe. “Im Moment konzentrieren wir uns auf den Ausbau unseres Angebots in den Groß- und Mittelstädten, da wir hier die größten Wachstumspotentiale sehen. Der Markt für Essensbestellungen in Deutschland insgesamt wächst kaum. Die kontinuierlichen Order-Zuwächse bei lieferservice.de kommen durch den Wechsel vom Telefon hin zur Online- Plattform zustande, auch verstärkt via Smartphone” ,sagt Groen. Auch mit großangelegten Rabatt- und Marketingaktionen scheint es den Plattformen bisher nicht zu gelingen, diesen Kundenstamm zu erweitern.

    Aktuell gibt es keine überregionalen Marktanalysen zu diesem Thema. Die Zahlen stammen fast ausschließlich von den Unternehmen selbst. Groen betont, dass heute 50 Prozent aller Bestellungen per App abgewickelt werden, dies aber ausschließlich bereits aktive Onlinebesteller seien. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass alle Konkurrenten um eine feste Kundengruppe kämpfen. Das dies trotz allem lukrativ ist zeigt nicht nur das Interesse der Investoren. Von den europaweit 500.000 bis 1 Millionen Bestellungen pro Monat gehen 8 Prozent des Transaktionswertes jeder Bestellung an Lieferservice/takeaway. Dies hat zur Folge, dass das Unternehmen in diesem Jahr eine Umsatzverdopplung von 100 auf 200 Mio. Euro erwartet, bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 60 Prozent seit der Gründung des Unternehmens.

    Der Markt scheint trotz der großen Konkurrenz noch nicht erschöpft zu sein. Groen selbst macht sich keine Sorgen, dass sein Unternehmen dann noch aktiv sein wird. „Im Moment denke ich nicht an die Konkurrenz, sondern über eine Expansion nach Amerika nach, da die Plattformen dort nicht das Service- und Angebotsniveau haben wie hier.“ sagt Groen und fügt hinzu “Das Wichtigste ist ein guter und schneller Service, damit die Kunden aber auch die Lieferdienste zufrieden sind, dann werden wir auch weiterhin wachsen.”

    • Quelle: impulse
    • Copyright: impulse
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