Gründung Recycling Angel macht Elektroschrott zu Geld

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Das Start-up Recycling Angel macht alte Computer und Handys zu Geld.

Das Start-up Recycling Angel macht alte Computer und Handys zu Geld.© Dario Lo Presti/Fotolia

Das Hamburger Start-up Recycling Angel kauft Unternehmen alte Elektronik ab, um sie weiterzuverkaufen oder zu recyceln. Hat die Idee Potenzial? Der impulse-Cashtest.

Recycling Angel im Ideen-Check: Wie funktioniert die Idee?

Philip Nissen: Als Konsumenten nutzen wir alle immer mehr Elektronik und produzieren so immer mehr Elektromüll oder haben schlicht alte Geräte, die nicht mehr gebraucht werden. Wir von Recycling Angel holen alte Elektronik ab und wenn möglich reparieren und verkaufen oder recyclen wir diese.

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So versuchen wir auch, die Nachfrage nach dem Erz Coltan zu senken, das für die Handyproduktion gebraucht wird. Um diesen wichtigen Rohstoff zu gewinnen, werden Menschen im Ost-Kongo ausgebeutet und die Natur zerstört.

 

Recycling Angel im Konkurrenz-Check: Das gibt’s doch schon, oder?

Philip Nissen: Im Unterschied etwa zu An- und Verkaufsshops wie Rebuy haben wir uns auf die Datenlöschung spezialisiert. Wir sind von der Dekra zertifiziert und geben auch Garantien für unsere Datenlöschung. Egal, ob bei Handys oder Laptops. Allerdings ist das Löschen von Handydaten sehr viel komplexer als bei Computern: Bei Mobiltelefonen hängt viel von den Herstellern und dem jeweiligen Betriebssystem ab. Dass wir uns um all diese Prozesse kümmern, macht unseren Service umfangreicher als bei vergleichbaren Konkurrenten.

Und: Erst wenn eine Reparatur nichts mehr bringt, wandern die Geräte ins Elektrorecycling. Vorher werden die reparierten IT-Geräte in andere europäische Länder und in Entwicklungsländer transportiert und dort von uns ausgesuchten Partnern verkauft.

 

Recycling Angel im Sales-Check: Wer sind die Kunden?

Philip Nissen: Insbesondere bei Unternehmen besteht eine große Nachfrage nach speziellen Abnehmern von Elektrogeräten, weil auf ihren ungenutzten IT-Geräten oft große Mengen an teilweise heiklen Daten liegen. Deshalb richten wir uns überwiegend an Firmenkunden und Konzerne.

Welche Firmen sich für unseren Service interessieren, kann ich aufgrund einer Vertraulichkeitserklärung nicht sagen. Als Referenz lassen sich aber Krombacher oder die Commerzbank angeben. Mittlerweile haben wir nicht nur deutsche, sondern Standorte und Kunden in einigen anderen EU-Ländern. Außerdem sind wir im Bereich Mobiltelefone inzwischen auch Experten in Sachen Marktanalyse geworden.

Um an einzelne Konsumenten heranzukommen, müssten wir viel Geld in Marketing stecken, viel Fernseh- und Onlinewerbung schalten. Doch dafür wollen wir unsere Ressourcen momentan nicht aufwenden. Deshalb kommen wir fast ausschließlich mit Firmen ins Geschäft.

 

Recycling Angel im Geld-Check: Was kostet die Leistung?

Philip Nissen: Die Preise ergeben sich je nach Prozessaufwand individuell. Wer aber im Familien- und Freundeskreis Kleinelektronik sammelt und an uns herantritt, wird auch nicht weggeschickt.

 

Recycling Angel im Risiko-Check: Was kann schiefgehen?

Philip Nissen: Obwohl Datensicherheit immer bedeutsamer wird: Bis sich ein Firmenkunde entscheidet, uns einen Auftrag zu geben, können auch mal bis zu zwei Jahre vergehen. Bei Großkonzernen müssen alle Abteilungen zustimmen, der Datenschützer muss genauestens informiert werden und so weiter.

Unser größter Konkurrent ist aber das Thema Untätigkeit: Viele Firmen haben kein Problem damit, ihre Geräte irgendwo stehen zu lassen und erst mal einfach abzuwarten, wenn keine Dringlichkeit besteht. Das macht es manchmal schwer abzuschätzen, wann wie viel Arbeit auf uns zukommt.

 

Die Gründung von Recycling Angel in Zahlen

Vorlaufzeit: 4 Monate
Startkapital: 50.000 Euro
https://reangel.de/

 

Der Gründer von Recycling Angel
Philip Nissen ist in den USA aufgewachsen und hat in Kenia, London und Barcelona BWL studiert und danach zehn Jahre lang im Investmentbanking gearbeitet, bevor er sich im Bereich Recycling-Management selbstständig gemacht hat.

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