Gründung Six Foods: Esst mehr Insekten!

Essen wir irgendwann mit Genuss Insekten-Mahlzeiten wie diese? Rose Wang von Six Foods glaubt daran. "Wir müssen möglichst viele Proteine durch Insekten ersetzen", sagt sie.

Essen wir irgendwann mit Genuss Insekten-Mahlzeiten wie diese? Rose Wang von Six Foods glaubt daran. "Wir müssen möglichst viele Proteine durch Insekten ersetzen", sagt sie.© kwanchaichaiudom / Fotolia.com

Six Foods stellt Essen aus Insekten her. Im Interview erklärt Gründerin Rose Wang, wie aus einer Idee in der WG-Küche eine der größten Kickstarter-Kampagnen für Lebensmittel wurde.

impulse: Sie verkaufen „Chirps“, Chips aus gemahlenen Grillen. Warum sind Insekten besser als Kartoffelchips und Fleisch?

Rose Wang: Die Menschen sollen weniger Fleisch wie zum Beispiel Rind essen, weil es schlecht für unsere Umwelt ist. Unsere Grillen stoßen fast kein Treibhausgas aus, für die Zucht braucht man viel weniger Wasser und Platz, weil Insekten auch in der Natur auf sehr engem Raum zusammenleben. Im Gegensatz zu Schweinen und Rindern kann man Insekten auch in der Stadt züchten. In unseren Chips ist außerdem dreimal mehr Protein als in Kartoffelchips, sie sind gentechnikfrei und glutenfrei.

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Was kommt nach den Insektenchips?

Die Chips sind erst der Anfang. Wenn wir wirklich etwas in der Ernährung der Menschen verändern wollen, müssen wir möglichst viele Proteine durch Insekten ersetzen. Zum Beispiel Burger mit Insekten-Bratling statt mit Fleisch essen.

Wollen Sie die Grillen-Chips auch in Europa und Deutschland verkaufen?

Wir wollen das auf jeden Fall versuchen. Die Menschen in Europa sind sehr offen für unsere Idee und denken viel mehr nach über gesunde Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft.

Die ersten Snacks aus Insekten haben mit Ihrer Mitbewohnerin in der WG-Küche gekocht. Wie wurde daraus ein Unternehmen?

Essen aus Insekten statt Fleisch, das war am Anfang noch eine sehr vage Idee. Aber als ich Leuten davon erzählt habe, wollten die meisten direkt probieren. Also haben wir die ersten Produkte hergestellt. Und als dann Menschen tatsächlich unser Essen gekauft haben, da hat sich das zum ersten Mal wie ein Unternehmen angefühlt.

Wann war Ihnen klar, dass viele Menschen auf die Insekten-Snacks abfahren und nicht nur Ihre Freunde an der Universität?

Bei unserer Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter. Vorher hatten wir nur kleine Gruppen von Menschen überzeugt, wir wussten nicht, was der Rest der Welt von uns hält. Und plötzlich waren wir eines der größten Crowdfunding-Projekte im Food-Bereich! Die Medien haben sich auf uns gestürzt, so viele Menschen waren von Six Foods begeistert. Und jetzt haben sogar schon Leute in Deutschland von uns gehört, das ist doch verrückt!

Wie waren denn die ersten Reaktionen auf das Crowdfunding-Projekt?

Wir haben sehr viel gutes Feedback bekommen, aber auch kritische Hinweise. Unsere Chips waren zu dem Zeitpunkt schwarz. Die Kickstarter-Nutzer haben gefragt: Sind sie wegen der Insekten darin schwarz? Sie waren nicht wegen der Grillen schwarz, sondern weil schwarze Bohnen darin waren. Aber die Farbe hat den Leuten Angst gemacht. Wir haben dann die Farbe verändert und die Leute fanden, dass es viel besser aussieht. Eine Crowdfunding-Kampagne ist super für Feedback, von der Farbe unserer Chips bis zur Preisgestaltung.

Die Website von Six Foods: Nach dem Feedback der Kickstarter-Nutzer sind die Chirps" nun hell.

Die Website von Six Foods: Nach dem Feedback der Kickstarter-Nutzer sind die Chirps“ nun hell.

Sie haben mit zwei Freundinnen gegründet. Klappt das ohne Streit?

Mit Freunden eine Firma zu gründen ist wie auf den ersten Blick Heiraten und sofort ein Baby zu bekommen. Andererseits würde unsere Idee niemand so gut verstehen wie unsere Freunde. Und weil unsere Idee so neu ist, ist es sehr wichtig, jemanden zum Austauschen zu haben, mit dem man offen reden kann.

Wie haben Sie die Arbeit aufgeteilt?

Meine Mitgründerin Laura hat die verrücktesten Ideen, ich bin diejenige, die Sachen schnell erledigt haben will – und zusammen sind wir ein tolles Team. Zwei von meiner oder ihrer Sorte hätten es nicht soweit geschafft.

Wollten Sie eigentlich schon immer Unternehmerin sein?

Ich habe schon davon geträumt, aber ich wollte nach dem Studium erst mal Erfahrungen in großen Konzernen sammeln. Doch dann ist alles anders gekommen. Im Leben hat man nur sehr selten eine Idee, die so stark ist und Menschen so mitreißt, dass man damit etwas in der Welt verändern kann. Als meine Mitbewohnerin und ich länger über unsere Idee nachgedacht haben, wurde uns schnell klar: Wenn wir es nicht jetzt machen, macht es jemand anderes.

In Deutschland wird viel darüber diskutiert, dass zu wenige Menschen ein Unternehmen gründen. Warum haben Sie es gewagt?

Ich hätte nach dem Studium sofort Karriere machen können. Und viele Menschen denken, dass ich verrückt bin, weil ich es nicht gemacht habe. Aber ich will das tun, was mich glücklich macht. Und das bin ich immer dann, wenn ich etwas gestalten kann. Ich will etwas nachhaltig verändern mit dem, was ich tue. Wenn man einen guten Job hat, dann ist es schwer, sich zu bewegen, das verstehe ich. Aber wie viel Geld braucht man wirklich? Und wen bewundert man wirklich? Die Menschen mit materiellem Erfolg oder die Menschen, die etwas Spannendes machen?

Wie schaffe ich den ersten Schritt?

Der erste Schritt muss nicht groß sein. Abonniert einen Gründer-Newsletter oder geht mal zu einem Treffen von Gründern. So haben wir das auch gemacht. Je mehr wir in Kontakt mit Start-ups kamen, desto normaler erschien uns das. Die Unternehmensgründung hat uns keine Angst mehr gemacht.

Wie sieht die Zukunft für Six Foods aus?

Insekten sind meine Leidenschaft. Und ich will alles versuchen, damit unsere Vision umgesetzt wird. Aber vielleicht bin ich nicht die beste Frau dafür. Ich kann die Idee vielleicht nur bis zu einer bestimmten Schwelle bringen, weil mir die Erfahrung fehlt. Vielleicht kommt irgendwann jemand zu dem Projekt, der viel erfahrener ist als wir und Menschen überall auf der Welt vom Insektenessen überzeugen kann. Dann soll er bitte weitermachen! Hier geht es nicht um meinen Stolz, sondern um den Wandel, den wir in der Gesellschaft anstoßen wollen.

Dann würde ja jemand anderes Ihre Idee weiterführen. Könnten Sie damit leben?

Auf jeden Fall. Ich bin doch noch so jung. Und ich will nicht, dass dies mein einziges Projekt im Leben bleibt. Es gibt noch so viele Probleme in der Welt.

Rose Wang von Six Foods

Rose Wang, 23, hat 2013 zusammen mit zwei Kommilitoninnen aus Harvard das Unternehmen Six Foods gegründet. Die drei Gründerinnen verkaufen Lebensmittel aus Insekten – im Moment „Chirps“, Chips aus gemahlenen Grillen.

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