Gründung Solarbranche: Wie ein junger Deutscher den französischen Markt erobert

Sonnige Aussichten: Manuel Emig hat in Lyon das Solar-Start-up Soloréa gegründet. An der Saône geht er gerne spazieren.

Sonnige Aussichten: Manuel Emig hat in Lyon das Solar-Start-up Soloréa gegründet. An der Saône geht er gerne spazieren.© Ulla Deventer für impulse

Hochsubventionierter Schrott - so lässt sich die Meinung der Franzosen über Solaranlagen zusammenfassen. Der junge deutsche Gründer Manuel Emig tritt an, um den Markt neu zu erfinden.

Seine Sorgen wären mit den 10 Millionen Euro vom Tisch gewesen. Die schlaflosen Nächte, in denen er grübelt, ob er seine Mitarbeiter im nächsten Monat noch bezahlen kann. Der häufige Frust über die Willkür und Trägheit der französischen Behörden. Doch Manuel Emig schlug das Angebot eines großen Solarkonzerns aus. „Mein Unternehmen verkaufen?“, fragt er und schüttelt den Kopf. „Ich mache das doch nicht wegen des Geldes.“

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Es ist ein Donnerstagmorgen in Lyon, der größten Wirtschaftsmetropole im Südosten Frankreichs. Manuel Emig sitzt in einem Café schräg gegenüber von seinem Büro am Rand der Altstadt. Hier verbringt er den Morgen am liebsten, oft zusammen mit seinen acht Mit­arbeitern. Ohne Café und Croissant, findet er, komme ein französischer Arbeitstag nicht in Schwung.

Viele Unternehmer – wenig Ahnung

Emig fällt nicht besonders auf zwischen den Menschen im Café. Er sieht aus wie viele andere 30-Jährige, trägt dunkle Jeans und einen grauen Blazer. Doch in ihm steckt ein Rebell.

Vor vier Jahren gründete er Soloréa, ein Start-up, das Solaranlagen zum Durchbruch verhelfen will. Freunde, seine Eltern, Geldgeber – alle rieten ihm ab. „Du bist doch wahnsinnig“, erklärten sie. Die Branche war damals längst im Sinkflug, kurze Zeit später lag sie völlig am Boden. In kaum einem anderen Markt scheiterten in den vergangenen Jahren so viele – und wurde so viel Geld verbrannt. Und unter all den Solar-Blasen, die weltweit platzten, war die französische eine der größten.

Wie auch in Deutschland hatte die Regierung jede Kilowattstunde kräftig subventioniert. In der Folge hatte sich ein Markt entwickelt, der entkoppelt von der wirklichen Nachfrage agierte. Als die Regierung zur radikalen Kehrtwende ansetzte und die Fördergelder kürzte, meldeten reihenweise Firmen Insolvenz an. Bis heute erholt sich die Branche wie ein Patient in der Reha: mit mühsamen, kleinen Schritten.

Emig legt mitten in der Krise los. Er spricht damals gerade mal mittelmäßig französisch und ist nur ins Land gekommen, weil er seiner französischen Frau versprochen hat, nach dem BWL-Studium in München gemeinsam in ihre Heimat zu ziehen. Er hat keine Ahnung von erneuerbaren Energien. Nur eine Idee. Mit einem außergewöhnlichen Modell will er Kunden, Banken und Versicherungen zusammenbringen – und so das Investitionsrisiko jeder Partei minimieren. Spätestens in drei Jahren, so lautet sein Ziel, sollen von ihm errichtete Solaranlagen auf Dächern im ganzen Land thronen.

Lange Verhandlungen vor dem Start

Der Anfang verläuft mehr als zäh. Zwei Jahre verhandelt Emig mit Banken und Versicherungen, um sie als Partner ins Boot zu holen. Tausende Euro investiert er in Anwälte und Berater, bis das Vertragswerk steht und die bürokratischen Hürden überwunden sind. „Das Gute an Manuel ist, dass er selten mit Problemen hadert, sondern Lösungen sucht“, sagt sein Vertriebschef Patrick Martinet.

Es gibt in Lyon eine Straße, in der alle Banken sitzen. Ganze Tage verbringt Emig dort, erklärt sein Konzept wieder und wieder. Jede einzelne Bank klappert er ab – bis endlich eine zusagt und sein Partner wird. Vielleicht habe seine Herkunft den Ausschlag gegeben, sagt der Unternehmer. „Die Franzosen sind besessen davon, dass Deutschland wirtschaftlich besser dasteht. Das ist eine Mischung aus Eifersucht und Bewunderung.“ Viele Franzosen würden ihn jedenfalls für besonders seriös halten.

In sein Büro bittet Emig die Banker lieber nicht: Bis heute schaltet er morgens als Erstes den Heizlüfter ein, um die Kälte aus dem hohen Altbau zu vertreiben. Das Wort Büro klingt für den Raum fast zu nobel. Es ist eher ein Kabuff mit Schreibtisch. Ein Stuhl samt Besucher findet davor gerade Platz. Emig steckt sein gesamtes Kapital in den Aufbau von Partnerschaften mit anderen Unternehmen und in die Akquise von Kunden. An den Wänden bei ihm im Zimmer hängen Plakate, die er mit seinen Ideen bekritzelt. Jedes einzelne ist bis auf den letzten Zentimeter beschrieben.

 

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