Gründung Start-up-Ideen: 5 Gründer und ihre Geschäftsmodelle

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Anstoß: Per Funk lässt sich ein im Fahrradanhänger Electrailer Kranich eingebauter Motor einschalten.

Anstoß: Per Funk lässt sich ein im Fahrradanhänger Electrailer Kranich eingebauter Motor einschalten.© Unternehmen

Ein Fahrradanhänger mit Schubkraft, ein ökologisches Dixi-Klo und eine Hautdiagnose per Foto-App: impulse stellt spannende Geschäftsideen von jungen Start-ups vor.

1. Laden wechsle dich!

In Großbritannien und den USA sind Pop-ups, also temporäre Shops, Restaurants, Bars oder Galerien nichts Neues. „In Deutschland tun sich Vermieter mit der Idee leider oft noch schwer“, sagt Patrick Burkert. Er will das ändern und hat, nachdem er bereits die Cityguide-App Zeitfenster mitentwickelte, dieses Jahr Popup BLN gegründet. Mit an Bord sind drei weitere junge Unternehmer. Über den Online Marktplatz finden Kreative und Unternehmer passende Verkaufs-, Veranstaltungs- oder Ausstellungsflächen. Immobilienbesitzer können gezielt Zwischenmieter ansprechen. Seit dem Herbst bedient die Plattform deutschlandweit Anfragen. Ab 2015 sollen auch in Österreich und der Schweiz Zwischenmieten vermittelt werden. Von der Vermarktung über die Bezahlung bis hin zu Versicherung und Reinigung – alles lässt sich über Popup BLN abwickeln. Im Mai schafften es die Gründer als eines von drei Unternehmen in die zweite Runde des Wettbewerbs vom Start-up-Inkubator You Is Now, hinter dem Immobilien Scout steht.

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2. Schubkarre
Mit einem Fahrrad den Berg hinaufstrampeln macht Mühe. Ein Anhänger verdirbt den Spaß komplett. Für Anschub sorgt das System Electrail: „Mit einem Kit aus einem Einzelrad mit eingebautem Motor, Akku und einem feuerzeuggroßen Pedalfunkteil lassen sich gängige Fahrradanhänger einfach nachrüsten“, erklärt der selbstständige Maschinenbau-Ingenieur Peter Ostermeier. Per Funk schaltet man den Anhängermotor ein und wieder aus, je nachdem, ob der Anschub gerade benötigt wird. Die Standardbatterie kann an der Steckdose zu Hause aufgeladen werden und schafft bis zu 55 Kilometer bei maximal 25 km/h. Seinen Antrieb für den Anhänger hat Ostermeier 2011 zusammen mit Produktentwickler Andreas Schell aus eigenen Mitteln finanziert. Noch vertreiben die beiden Hobbyradfahrer das Electrail-Paket sowie sämtliches Zubehör allein über einen eigenen Onlineshop. Im nächsten Jahr soll der Vertrieb zusätzlich über Anhängerhersteller erfolgen und die heimische „Garagen- Produktion“ ausgelagert werden. Derzeit suchen die Gründer nach einem Hersteller.

 


 

3. Schon gekündigt?

Hier ein Handyvertrag, da die Mitgliedschaft im Fitnessstudio – für den Überblick sorgt seit Februar ein „Vertragslotse“. Der Online-Verwaltungsservice erinnert rechtzeitig an die Kündigung oder übernimmt diese sogar – kostenlos per Fax, gegen Gebühr per Brief – alles mit elektronischer Unterschrift. Zusätzlich sucht Vertragslotse nach neuen Vertragspartnern oder Tarifen. Drei private Investoren aus dem Bereich Telekommunikation haben bereits in das Berliner Start-up investiert, das von zwei Unternehmern aufgebaut wird: Jan Hendrik Ansink gründete zuvor das webbasierte Callcenter Expertcloud, Sebastian Schlaak war mehrere Jahre als Programmierer tätig. Langfristig sollen Provisionen von Partnerfirmen den Service finanzieren. „Wir achten sehr auf unsere Unabhängigkeit“, sagt Ansink. Deshalb hat Vertragslotse eigens einen TÜV-zertifizierten Datenschützer eingestellt.

 


 

4. Ökologisches Örtchen

Per Fahrrad fuhr Mehrfachgründer Thomas Jakel von Berlin nach Indien, um Geld für sogenannte Trockentoiletten zu sammeln. Diese helfen vor allem Menschen in ländlichen Gemeinden – 640 Millionen Inder haben keinen Zugang zu einem Klo. 2013 entstand aus dem Projekt die Social-Business-Idee, in Deutschland mobile ökologische Toiletten zu etablieren und einen Teil der Einnahmen an Sanitärprojekte im Ausland zu spenden. Der erste Kunde von Ecotoiletten finanzierte die Startproduktion. Mittlerweile sind 25 Komposttoiletten aus wetterbeständigem Holz in Berlin und Brandenburg zum Beispiel auf Festivals im Einsatz. Statt mit Wasser zu spülen, binden bei den Ecotoiletten Rindenschrot und Sägespäne Feuchtigkeit sowie Geruch. Nach Gebrauch fahren Mitarbeiter Einstreu und Fäkalien in Fässern zu einem Berliner Bauern, der sie zu Pflanzendünger kompostiert. Neben Wochen- und Weihnachtsmärkten sollen Ecotoiletten auch bald auf Baustellen eingesetzt werden.

 


 

5. Ferndiagnose

Fast hätte Kommunikationsberater Simon Bolz 2012 den Familienurlaub abgebrochen. Sein Baby bekam großflächigen Hautausschlag – und kein Arzt war in der Nähe, dem er vertraute. Eine befreundete Dermatologin sah sich Handyfotos des Ausschlags an und gab per Ferndiagnose Entwarnung sowie Tipps für rezeptfreie Medikamente. Kein Jahr später gründete Bolz zusammen mit dem Gesundheitsökonomen Simon Lorenz Goderma, das seit diesem Sommer Klara heißt. Mit Klara, der deutschlandweit ersten App ihrer Art, laden Nutzer Fotos von Hautproblemen hoch, beantworten einen Fragenkatalog und erhalten maximal 48 Stunden später eine Diagnose ihres Hautarztes. 29 Euro kostet die Anfrage, der preisgekrönte Dienst ist in Deutschland als digitale Folgeuntersuchung zugelassen. Bei Schadensfällen haftet der Arzt. Mehr als 130.000 Downloads verzeichnet Klara mittlerweile, die meisten kommen aus den USA, wo die mobile Gesundheitsversorgung etabliert ist und das Start-up ein zweites Büro besitzt.

 


 

Dieser Beitrag stammt aus der Dezember-Ausgabe des impulse-Magazins.

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