Gründung Start-up-Ideen: Fünf neue Geschäftsmodelle

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Erschwingliches Haus: Der Wohnwagon ist ein mobiles Heim mit eigener Energieversorgung.

Erschwingliches Haus: Der Wohnwagon ist ein mobiles Heim mit eigener Energieversorgung.© wohnwagon.at

Ein Wohnwagen mit eigener Energieversorgung, eine Suchmaschine für Rechtsfragen, ein Shirt, das den Puls misst - diese fünf jungen Geschäftsideen sollten Sie kennen.

1. Mikrohaus auf Rädern

Wie viel Platz braucht man zum Leben? Diese Frage beschäftigte die Wienerin Theresa Steininger schon immer. Laut ihrem Start-up Wohnwagon sind es 15 bis 33 Quadratmeter. So viel Platz bieten ihre kleinen Häuser, die mit Rädern mobil sind – und dank Biotoilette sowie eigener Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung auch autark. Die Wohnwagen, die das fünfköpfige Team baut, sollen außerdem aus Holz und anderen ökologischen Materialien aus der Region bestehen. Mit einem Crowdfunding über 70.000 Euro im Rücken zimmerte das Start-up im vergangenen Jahr den ersten Prototyp. Der Wagon erinnert an einen klassischen Campingwagen, innen sind die sechs Meter langen Gefährte eher mit Mikrohäusern vergleichbar – nur eben auf Rädern. Einzelne Teilsysteme wie die Biotoilette verkauft das Team auch separat. Die Gründer, die zum Teil noch bei Handwerks- und Planungsunternehmen arbeiten, wollen ebenfalls einen Pflanzenfilter entwickeln, der Trinkwasser herstellt. Die Kosten für einen Wohnwagon entsprechen etwa denen eines Mittelklasse-Pkw, der Preis variiert je nach Bedarf. Stehen dürfen die mobilen Häuser etwa auf Campingplätzen und Grundstücken ohne Baugenehmigung. Zwei Wagen wurden bereits verkauft, zehn sollen es bis 2017 sein.

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2. Intelligenter füttern

Deutschlands Milchbauern geben für Futtermittel jährlich rund 5,6 Milliarden Euro aus. Doch wie viele Portionen reichen für wie viele Liter Milch? Und welche Mischung hält die Herde gesund? Als Antwort auf diese Fragen entwickelte Carsten Gieseler von der HTW in Dresden mit einem fünfköpfigen Team Fodjan Smart Feeding. Die Software ermöglicht eine gesunde und zugleich günstige Nutztierfütterung. Fodjans Bewertungsskala basiert auf wissenschaftlichen Ergebnissen sowie den Erfahrungswerten des Viehhalters und gibt die bestmögliche Ration des vom Bauern genutzten Futters an. Will der Landwirt Inhaltsstoffe hinzufügen oder austauschen, reicht ein Mausklick, um die Auswirkung auf den Nährwert für die Tiere zu ermitteln. Auch die Verwaltung der Bestände will Fodjan – ein altgermanisches Wort für „füttern“ – verbessern. Seit Oktober ist das Programm für monatlich 49 Euro plus 50 Cent pro Tier erhältlich. Neben einem Business Angel hat auch der High-Tech Gründerfonds in Fodjan investiert.

  • Vorlaufzeit: 20 Monate
  • Startkapital: fünfstelliger Betrag
  • www.fodjan.de

 


 

3. Kluge Suche zu Rechtsfragen

Bei Rechtsfragen durchforsten viele Menschen erst einmal das Internet. Auch Anwälte wie Sergio Aragón. Dabei hätte er sich oft ein Drittel der Zeit sparen können, schätzt er. Nach Jobs bei Tech-Firmen wie Yahoo kam die Idee: Warum nicht mit Big Data und Algorithmen suchen? 2014 entwickelte der Berliner mit einem befreundeten Programmierer die Suchmaschine Kelsen, benannt nach Hans Kelsen, einem der bedeutendsten Rechtswissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Sie sammelt die Daten von Rechtsplattformen im Netz und findet Zusammenhänge zwischen Fall und Urteilen. Je öfter Kelsen verwendet wird, desto präziser werden die Antworten. Für einfaches Abgleichen mit Rechtsfällen ist Kelsen kostenlos. Nur zahlende Mitglieder sollen aber künftig personalisierte Antworten bekommen, in denen kryptische Rechtstexte in einfache Sprache übersetzt sind. Anwaltskanzleien können ein Softwarepaket mit fallspezifischer Datenverarbeitung buchen. Microsoft Ventures und IBM sind bereits Partner. Den Break-even strebt Gründer Aragón für 2016 an.

 


 

4. Frische Säfte per Post

Fitness-Säfte sind im Trend. Die wenigsten haben aber Lust, Obst selbst zu pressen. Inspiriert durch die Ernährung von Thaiboxern kamen Dominik Lalla, Robert Rüter und Malte Gützlaff auf die Idee, kaltgepresste Säfte zu liefern. Unter dem Namen Juice Dudes mischen die Gründer seit Herbst 2014 regional und biologisch angebaute Zutaten zusammen, ohne Zusatzstoffe. So sind die Säfte etwa vier Tage haltbar. Im Gegensatz zu anderen Herstellern pressen die Dudes Obst und Gemüse samt Schale Schale, anstatt es zu mixen oder zu entsaften. So gehen vergleichsweise wenig Nährstoffe verloren. Ab zehn bestellten Säften (je 3,80 Euro) liefern die Gründer im Raum Berlin am gleichen Tag, deutschlandweit helfen Vertriebspartner beim Transport. Zusätzlich bieten die Gründer Sportseminare und bald Fitness-Riegel an.

 


 

5. Sport-Shirt mit Messgerät

Hightech im Hemd – dafür begeisterte sich Berater Thomas Claussen schon, bevor er vor anderthalb Jahren das Fraunhofer-Institut in Erlangen besuchte. Inspiriert von der außergewöhnlichen Funktionskleidung, die dort entwickelt wird, brachte er wenige Monate später selbst mit seiner Frau Andrea und Informatiker Klaus Bscheid das Start-up Ambiotex auf den Weg. Die Gründer haben ein T-Shirt entwickelt, das aus Silberfäden und einem eingearbeiteten Brustgurt besteht, der Puls, Atmung und Herzfrequenz misst. Die Innovation des Shirts: Es misst auch die körperliche Belastung des Trägers in Form des Laktat-Werts. Die Daten übermittelt ein außen am Shirt befestigtes, abnehmbares Batteriegerät via Bluetooth an die dazugehörige App. Ambiotex richtet sich an Versicherungen, Fitnessstudios und Sportartikelhersteller. Ab April will das achtköpfige Team im Silicon Valley Fuß fassen.

 

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