Gründung Start-up Piggybankgirls: „Wir wollen das Porno-Geschäft persönlicher machen“

Die Gründer der Crowdfunding-Plattform Piggybankgirls: Christian Iff und Anna Keller

Die Gründer der Crowdfunding-Plattform Piggybankgirls: Christian Iff und Anna Keller© Unternehmen

Wenn Frauen sich für Geld ausziehen, haben sie dafür meistens einen Grund. Sie brauchen Geld für den Lebensunterhalt, fürs Studium, einen Urlaub oder für ein schönes neues Tattoo. Über die Crowdfunding-Plattform Piggybankgirls können Frauen mit Erotik-Bildern oder -videos seit Kurzem Kapital einsammeln. Mitgründer Christian Iff erklärt, wie sie auf die Idee für die Webseite kamen - und wie sie funktioniert.

impulse: Es gibt viele Porno-Seiten im Internet. Was macht ihr anders und warum?

Christian Iff: Wir wollen das Porno-Geschäft persönlicher machen. Das einzige, was ein Mann auf Pornoseiten über die Frauen dort erfährt, ist vielleicht, welche Vorlieben oder Fetische sie hat. Mehr steckt da meistens nicht hinter. Man sieht das Mädel zwar live aber man weiß nicht, warum sie Videos dreht und wofür sie Fotos von sich macht. Das wollen wir ändern.

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Gibt es denn eine Nachfrage für euer Modell?

Bevor wir uns überlegt hatten zu starten, haben wir erst einmal bei Freundinnen und Frauen nachgefragt, die regelmäßig Amateur-Videos drehen. Die fanden die Idee gut, dass es nicht nur um ihren Körper gehen soll. Männer fragen das auch nach. Viele zahlen für erotische Videos und Chats, nur um sich ganz persönlich mit einer Frau zu unterhalten. Da ging‘s gar nicht darum, nackt zu sein und sich anzumachen. Die haben manchmal einfach nur geredet und dafür drei Euro die Minute bezahlt. Die Erfahrung haben wir oft auch in der Branche gemacht.

Wie seid ihr darauf gekommen – kommt ihr selbst aus dem Bereich?

Anna und ich haben bei einer PR-Agentur eine Seite mit Erotikvideos betreut. Wir hatten überlegt, welche Show-Modelle noch für die Kunden interessant sein könnten. Wie wäre es, wenn ein Konzept um die Frau herum gesponnen wird? Als unsere Ideen konkret wurden, dachten wir uns: da machen wir etwas Eigenes draus. Und dann haben wir recherchiert und gemerkt: Erotisches Crowdfunding – das gibt’s in der Form noch gar nicht!

Aber die Konkurrenz bietet die Videos zum Teil gratis an.

Das ist Massenware. Unser Geschäft läuft mit folgender Annahme: Die Nachfrage nach Einzigartigkeit muss so groß sein, dass Kunden bereit sein, dafür zu zahlen. Das verbinden wir mit dem Prinzip des Fundraisings. Das sind zwei Konzepte, die eigentlich gut funktionieren.

Wenn Nutzer auf eurer Crowdfundung-Webseite Geld für Erotik-Videos „spenden“, bekommt ihr 20 Prozent davon. Das ist nicht gerade wenig.

Es kommt auf die Sichtweise an. Wir müssen digitale Daten hosten, bei Videos kostet das einiges. Und in der Erotik-Branche ist die Bezahlung immer ein hohes Risiko. Viele Nutzer klicken Videos an und geben ihre Daten ein, hinterher will aber nicht jeder zahlen. Die Gebühren von den Kreditkartenherstellern sind deshalb viel höher. Wir müssen mehr Prozente zahlen als zum Beispiel andere Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter. Andere Erotik-Plattformen nehmen von den Frauen bis zu 75 Prozent, da stehen wir mit den 20 noch ganz gut da. Bisher haben über 40.000 User unsere Seite geklickt, unser Umsatz liegt nach anderthalb Monaten bei etwa 2500 Euro.

Was für Frauen machen bei euch mit?

Das sind keine Prostituierten, falls das die Frage war. Wir haben schon die meisten der Frauen im Vorabgespräch kennen gelernt – fast alle haben einen ganz normalen Job. Bisher laufen noch elf Kampagnen. Aber wir haben über 60 Frauen, die darauf warten, dass wir ihre Videos freischalten. Wir sind bisher nur zu dritt und nehmen uns Zeit, die Qualität der Videos zu kontrollieren.

Wie stellt ihr sicher, dass keine Minderjährigen mitmachen?

Jede Frau muss uns ein Foto schicken, auf dem sie ihren Personalausweis neben ihr Gesicht hält. Nur, wenn das für uns eindeutig übereinstimmt, schalten wir eine Kampagne frei. Vorher sprechen wir persönlich mit jeder Frau über ihre Idee und was sie im Video machen möchte. Wenn eine 17-Jährige bei uns mitmachen würde –  das wäre das Schlimmste, was uns passieren könnte.

Früher war Blankziehen irgendwie schmuddelig – ihr suggeriert, dass es cool ist. Werden da nicht junge Frauen in ein Business reingezogen, die vorher gar nicht damit in Berührung gekommen wären?

Unserer Meinung nach ist Sex nichts Schlimmes. Wer sich gerne zeigen möchte, sollte das auch tun dürfen. Wir wollen da Pionierarbeit leisten und nennen unser Konzept „Fairtrade Porn“. Jeder kann bei uns sehen, welche Frauen warum Videos drehen. Aber es stimmt schon, wir wirken vielleicht eher süß als schmuddelig. Aber wir passen auch auf. Wenn ein 18-jähriges Mädel kommt und sagt: „Ich bin seit drei Monaten mit meinem Freund zusammen und möchte ein Video einstellen, um mir seinen Namen zu tätowieren“, sagen wir „nein“. Wir behalten uns vor, nicht alles anzunehmen.

Unterstützt das nicht ein Frauenbild, dass eigentlich weit vor der Emanzipation abgehakt wurde: Frauen ihr seid zu doof, euren Kopf einzusetzen. Wenn ihr was Schönes kaufen wollt, macht das, was ihr könnt: zieht euch aus.

Ich kann nicht nachvollziehen, warum Frauen immer in eine Opferrolle gedrängt werden. Wenn wir das Ganze mit Männern machen würden oder ein Portal für Schwule gründen – darüber würde sich kein Mensch aufregen. Frauen sollen genauso entscheiden können, wie sie ihren Körper einsetzen, wie andere auch. Als Madonna sich ausgezogen hat, wurde das als Riesenkunstwerk dargestellt. Warum soll das heute noch jemanden degradieren?

Aber es gibt noch kein Piggybanks von Männern für Frauen.

Wir haben mit Erotikseiten für Männer angefangen, weil wir uns auf dem Markt schon auskennen. Aber Piggybanks für Frauen – das machen wir bestimmt auch noch. Die passende Domain haben wir uns auf jeden Fall gesichert.

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