Gründung Start-up-Studie: Deutschland sticht Gründer-Nation USA aus

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Die Deutschen zeigen mehr Mut zu Firmengründungen als Amerikaner - trotz vieler Hürden. Eine groß angelegte Befragung in Deutschland und den USA bringt erstaunliche Ergebnisse.

Ist die Anerkennung für Unternehmensgründer höher als für Angestellte? Was bremst Gründer – und welche Unterstützung wünschen sie sich? Unter anderem diese Fragen stellte das Institut YouGov im Auftrag des Axa-Versicherungskonzerns kürzlich gut 1000 Menschen in Deutschland und den USA.

Viele der Ergebnisse überraschen: So genießen Unternehmensgründer in Deutschland eine wesentlich höhere gesellschaftliche Anerkennung als in den USA. „Das hatten wir genau umgekehrt erwartet“, sagt Thilo Schumacher, Mitglied im Konzernvorstand. Auch trauen sich hierzulande mehr Menschen zu, ein Unternehmen aufzubauen – und das, obwohl gleichzeitig zwei von drei Deutschen glauben, dass eine Gründung in Deutschland schwierig sei. „Insgesamt zeigt die Studie, dass es bei uns ein enormes Gründerpotenzial gibt, zugleich aber viele Hemmnisse, die Gründer ausbremsen. Die Ergebnisse bestärken uns in der Annahme, dass es eine bessere Zusammenarbeit zwischen Start-ups und großen Konzernen geben muss, um Innovationen in Deutschland zu fördern“, so Schumachers Fazit.

Gründer in Deutschland geschätzter als in den USA

Ein überraschendes Ergebnis: Jeder zweite Deutsche meint der Studie zufolge, dass Unternehmensgründern mehr Anerkennung entgegen gebracht wird als Angestellten – in den USA denken das nur 38 Prozent. Außerdem sind die Deutschen gründungsmutiger als die Amerikaner. Während sich hierzulande 44 Prozent aller Befragten grundsätzlich zutrauen, ein eigenes Unternehmen zu gründen, sind es laut Studie in den USA nur 42. „Diese Ergebnisse haben uns überrascht“, sagt Schumacher, „schließlich gelten die USA gemeinhin als vorbildlich in Sachen Gründermut. Das zeigt, wie groß auch in Deutschland das Potenzial für vermehrte Neugründungen ist.“

Der Blick auf die Details offenbart, wie der knappe Vorsprung zustande kommt. Besonders groß ist der Unterschied unter den 25- bis 34-Jährigen, innerhalb jener Gruppe also, aus der statistisch die meisten Gründer kommen. 47 Prozent der Deutschen trauen sich hier eine Unternehmensgründung zu – aber nur 41 Prozent der Amerikaner. Auch bei den Frauen unterscheiden sich die Zahlen deutlich. Während knapp vier von zehn deutschen Frauen Gründungsmut zeigen (39 Prozent), tun das nur gut drei von zehn Amerikanerinnen (32 Prozent). Einen Grund für diese Unterschiede sehen die Studienmacher im vergleichsweise höheren Ausbildungsniveau der deutschen Frauen. Wären dagegen ausschließlich Männer befragt worden, sähe das Ergebnis anders aus: Unter ihnen trauen sich 52 Prozent der Amerikaner eine Unternehmensgründung zu – von den Deutschen sagen das nur 49 Prozent.

Bürokratie bremst potenzielle Unternehmensgründer

Als größte Hemmnisse für potenzielle Gründer sehen die Deutschen – so das Ergebnis der Studie – fehlendes Kapital und bürokratischen Aufwand. Insgesamt halten es 67 Prozent der Befragten für schwierig, in Deutschland ein Unternehmen zu gründen. Das Geldproblem nannten dabei 72 Prozent, den drohenden Papierkrieg 70 Prozent. Anders in den USA: Hier sehen nur sechs von zehn Befragten eine Unternehmensgründung problematisch. Fehlendes Kapital nennen 58 Prozent der Befragten als mögliches Hemmnis, den bürokratischen Aufwand nur 45 Prozent.

Auch im Hinblick auf ein mögliches Scheitern der eigenen Geschäftsidee gibt es deutliche Unterschiede zwischen Deutschland und den USA. Während in den Vereinigten Staaten nur vier von zehn Menschen angeben, die Angst zu scheitern könnte ein Grund sein, nicht als Unternehmer tätig zu werden, sagt das in Deutschland gut jeder Zweite (54 Prozent). Auch schlägt sich die vergleichsweise gute soziale Absicherung von Angestellten hierzulande negativ auf die Gründungsmotivation nieder: 52 Prozent der Deutschen schrecken fehlende Sicherheiten – in den USA sagen das gerade einmal 17 Prozent.

Was Gründer wirklich wollen

Egal ob in den USA oder in Deutschland: Kontakte zu anderen Unternehmern sind für Gründer ein wesentlicher Erfolgsfaktor. „Die Studie zeigt, dass Netzwerken für Gründer von enormer Bedeutung ist – und große Unternehmen dabei als gute Partner gesehen werden“, sagt Axa-Konzernvorstand Schumacher. Zugleich beantwortet die Studie die Frage, was sich Gründer von solch einer Zusammenarbeit erhoffen: 76 Prozent sehen zusätzliches Kapital als wichtigste Form der Unterstützung, 73 Prozent wollen von Netzwerken und Kontaktgebern profitieren, 72 Prozent von fachlicher Beratung. Und 69 Prozent erhoffen sich Hilfe bei der Bürokratie – etwa im Umgang mit Behörden und Handelskammern.

Ein weiteres Ergebnis der Befragung: Neben Unterstützung durch private Unternehmen wünschen sich 82 Prozent der Befragten mehr staatliche Hilfen für Gründer. Knapp zwei von drei Befragten (64 Prozent) halten das, was der Staat bisher tut, um Innovationen zu fördern, für nicht ausreichend.

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