Gründung Start-ups wachsen schneller als etablierte Unternehmen

Das Wachstumspotenzial  für junge Unternehmen ist enorm. Doch die Politik sollte Gründer stärker unterstützen, findet das IfM-Institut Bonn.

Das Wachstumspotenzial für junge Unternehmen ist enorm. Doch die Politik sollte Gründer stärker unterstützen, findet das IfM-Institut Bonn.© storm - Fotolia.com

Wachsen - ja oder nein? Start-ups haben laut der aktuellen IfM-Studie ein sehr hohes Wachstumspotenzial. Warum manche Gründer ihren Umsatz trotzdem nicht steigern.

In den ersten Jahren nach ihrer Gründung wachsen junge Unternehmen dreimal stärker als ältere Unternehmen: Nach Untersuchungen des Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn liegt ihre durchschnittliche Wachstumsrate bei 7,4 Prozent pro Jahr – auch wenn sie temporäre Rückschläge verkraften müssen. Nach vier Jahren sind dagegen kaum mehr Unterschiede zu den älteren Unternehmen festzustellen.

Noch schneller wachsen Gründungen, die mit weniger als 50.000 Euro Jahresumsatz gestartet sind und sich am Markt etabliert haben: Ihre jährliche Umsatzwachstumsrate liegt bei durchschnittlich 26 Prozent. Auf der Basis des Umsatzsteuerpanels hatten die Wissenschaftler des IfM Bonn die Umsatzentwicklung von rund 400.000 neugegründeter Unternehmen zwischen 2001 und 2010 untersucht.

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Die Auswertung erfolgte differenziert nach Wirtschaftssektoren und Größenklassen. Dabei zeigte sich, dass im kapitalintensiven produzierenden Gewerbe deutlich mehr Gründungen anfangs stark wachsen als unter den Unternehmensdienstleistern, die sich vorrangig durch arbeitsintensive Leistung auszeichnen.

Solo-Selbstständige wollen offenbar nicht wachsen

„Nur rund acht Prozent aller Neugründungen verharrten im Untersuchungszeitraum auf ihrem ursprünglichen Umsatzniveau. Dies liegt offenbar aber nicht an fehlenden Wachstumspotenzialen – vielmehr scheinen diese Jungunternehmer gar nicht wachsen zu wollen. Häufig handelt es sich hierbei um Solo-Selbstständige, die anderen Unternehmen zuarbeiten und sich selbst nicht als Unternehmer wahrnehmen“, erklärt Hans-Jürgen Wolter, Projektleiter im IfM Bonn.

Aber selbst wenn der Umsatz einer Neugründung in den ersten sieben Jahren stetig schrumpft, muss das nicht zwangsläufig zum Marktaustritt führen: Offenkundig haben einzelne Gründer in ihrem Finanzplan vorausschauend längere Produktentwicklungsphasen eingeplant und verfügen über ausreichende Reserven. Hierfür spricht nach Ansicht der Wissenschaftler, dass diese Unternehmen zum Zeitpunkt ihrer Gründung bereits eine entsprechende Größe haben.

Mehr Förderung für Gründer

Um die Zahl der Gründungen auf konstant zu halten oder sogar zu erhöhen, ist laut IfM die Politik gefragt. Die Wirtschaftspolitik sollte sich besonders um solche Gründungen kümmern, die erst nach einer langen Entwicklungs- und Aufbauphase zu wachsen beginnen. Es wäre aus wirtschaftspolitischer Sicht von hohem Interesse, die Rahmenbedingungen für diese Gruppe so zu gestalten, dass sie kurz vor einem möglichen Umschwung nicht doch noch aus dem Markt ausscheiden. Auch die bürokratischen Hürden sollten abgebaut werden, um mögliche Gründer nicht abzuschrecken.

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