Gründung Startup-Know-how Teil 3: Worauf kommt es beim Businessplan an?

Zentraler Bestandteil jeder Gründung ist der Businessplan. Welche Kapitel der Businessplan enthält und worauf es bei der Erstellung ankommt, verrät Gründerberaterin Olivia Fedunik im impulse.de-Interview.

 

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Das Videointerview zum Nachlesen:

impulse: Warum brauche ich als Gründer einen Businessplan?

Olivia Fedunik: Mit dem Businessplan überlegen Sie sich, wie Sie Ihre Geschäftsidee in die Tat umsetzen können. Sie setzen sich mit Ihrer Geschäftsidee und mit allen wichtigen Elementen Ihres Modells intensiv auseinander. Sie überprüfen diese auf Machbarkeit, überlegen sich, ob das Modell so überhaupt realisierbar ist und dann ermitteln Sie den Finanzbedarf. Letztendlich beschäftigen Sie sich aber auch mit der Frage, wer die Idee benötigt – gibt es dafür überhaupt Anwender bzw. Kunden?

impulse: Welche Kapitel beinhaltet ein Businessplan?

Fedunik: In der Regel sollte ein Businessplan folgende Kapitel beinhalten: das Executive Summary, d.h. eine Zusammenfassung, die Beschreibung des Produkts oder der Dienstleistung, ein Kapitel über den Markt und den Wettbewerb, über die Vertriebsstrategie, die Zielgruppen und den Marketing-Mix. Es sollte ein Kapitel zum Geschäftsmodell, zur Organisation und zur Standortfrage geben. Ganz wichtig ist, dass das Team erwähnt wird: Wer sind überhaupt die Gründer? Weiter sollte es einen Realisierungsfahrplan geben, wie möchten Sie das Ganze umsetzen und wie sind die Chancen? Zum Schluss kommt noch die Finanzplanung. Die Reihenfolge der Kapitel ist nicht in Stein gemeißelt, sie kann auch variieren. Das kommt auf den Adressaten an. Je nach Branche setzen Sie verschiedene Schwerpunkte auf die einzelnen Kapitel.

impulse: Worauf kommt es beim Executive Summary an?

Fedunik: Das Executive Summary ist letztlich ausschlaggebend, ob sich ein Investor oder allgemein der Adressat, der den Businessplan liest, überhaupt mit dem Businessplan beschäftigt oder ob er den Businessplan zur Seite legt. Am besten schreiben Sie als Gründer deshalb das Executive Summary ganz zum Schluss. Wenn Sie sich zu Beginn intensiv mit ihrer Idee auseinandergesetzt haben und alle Bausteine des Businessplans komplett sind, wenn Sie sich über alle Elemente Gedanken gemacht haben, wenn die Idee ausgereift ist, dann macht es Sinn, das Executive Summary zu schreiben.

Ein weiteres wichtiges Kapitel neben dem Executive Summary ist das Innovationsvorhaben, d.h. die Beschreibung des Produktes oder der Dienstleistung. Dazu sollten Sie den Leser zunächst erst einmal abholen und einführen, um was es überhaupt geht, in welcher Branche befinden Sie sich etc. In diesem Kapitel sollte zum einen die Idee und zum anderen der Nutzen Ihres Produktes oder Ihrer Dienstleistung beschrieben werden. Es ist ganz wichtig, dass der Nutzen klar hervorgeht. Außerdem muss der USP, d.h. das Alleinstellungsmerkmal herausgearbeitet werden.

impulse: Vielen Gründern bereitet der Zahlenteil des Businessplans Schwierigkeiten. Welche Herangehensweise empfehlen Sie?

Fedunik: Das Kapitel Finanzen und Finanzplanung ist natürlich ganz wichtig, zum einen für den Investor, zum anderen auch für den Gründer, dass er weiß, wo die Reise überhaupt hingeht. Bei der Kalkulation des Preises sollte ich überlegen, was mich das Produkt in der Herstellung kostet. Gibt es Vergleiche am Markt? Wen adressiere ich? Wie viele Kunden kann ich gewinnen? Für Gründer selbst macht es vielleicht Sinn, eine absolut realistische Planung, ein Worst-Case- und ein Best-Case-Szenario zu machen.

Ob alle drei Planungen auch im Businessplan dargestellt werden sollten, muss man individuell prüfen, es macht nicht immer Sinn. Aber es sollte aufzeigt werden, was realistisch ist und welche Planung ich anstrebe, also eine etwas engagiertere Planung. Wenn ich meine Planung, meine Kosten und meine Umsatzerlöse habe, kann ich meine Finanzen und meinen Kapitalbedarf ableiten. In dem Moment kann ich dann auch erst Überlegungen anstreben, welche Investoren in Frage kommen und wer potenziell Kapitalgeber sein kann.

impulse: Welche Informationen sind für Investoren besonders wichtig?

Fedunik: Wenn Sie Investoren benötigen und Investoren für sich gewinnen möchten, ist das Team ausschlaggebend. Ein Investor investiert in Personen. Er selbst hat nicht die Idee, sondern das Geld, um eine Idee zu realisieren, und dieses Geld vertraut er den Gründern an. Deswegen muss er natürlich von dem Team überzeugt sein. Wenn Kompetenzen im Team fehlen ist es nicht schlimm, man muss aber aufzeigen, wie man damit umgeht, ob man sich beispielsweise Experten oder Außenstehende hinzuholt. Wichtig ist, dass die Gründer von sich überzeugen können und die Motivation haben und auch zeigen, sodass man ihnen wirklich das Geld anvertrauen kann und dass man davon überzeugt ist, dass sie die Geschäftsidee umsetzen können, auch wenn es mal schwierige Situationen gibt und nicht immer alles ganz glatt abläuft.

impulse: Was wird Ihrer Erfahrung nach häufig beim Businessplan unterschätzt, wo liegen die größten Fehler?

Fedunik: Das Kapitel Markt und Wettbewerb plus Vertrieb wird oftmals ein wenig vernachlässigt, insbesondere bei wissenschaftlichen Ideen, weil es eine Menge Recherchearbeit erfordert und es teilweise nicht ganz einfach ist, an genaue Zahlen heranzukommen. Trotz allem möchte ich alle Gründer dazu aufrufen, den Markt und die Kunden konkret zu definieren. Setzen Sie sich intensiv mit dem Wettbewerb, Ihren Wettbewerbern und Ihrem Umfeld auseinander. Das ist wirklich wichtig, um ein erfolgreiches Innovationsvorhaben umsetzen zu können.

Businesspläne werden häufig auch zu technisch und fachspezifisch geschrieben – gerade im Bereich Wissenschaft und Ingenieurwesen – sodass die Texte für Laien schwer verständlich und nicht gut bewertbar sind, zumindest nicht auf den ersten Blick, sodass dann Fachspezialisten hinzugezogen werden müssen. Das machen Investoren später sowieso, aber zumindest auf den ersten Blick sollte das nicht gleich erforderlich sein. Beim Lesen sollte man sich wohlfühlen und verstehen, um was es geht. Es ist also ganz wichtig, auf Verständlichkeit zu achten.

impulse: Welchen Tipp geben Sie Gründern mit, um den Businessplan optimal zu gestalten?

Fedunik: Sprechen Sie mit anderen Personen darüber, geben Sie den Businessplan eventuell auch anderen, Dritten und auch Fachfremden, zu lesen und fragen Sie nach deren Meinung. Sie bekommen ein gutes Feedback, ob Sie auf dem richtigen Weg sind.

Ganz wichtig: Sie schreiben den Businessplan als Gründer nicht nur für den Adressaten oder für den Investor. Sie schreiben den Businessplan in erster Linie für sich selbst, um die Geschäftsidee zu überprüfen, die Idee zu reflektieren und das Geschäftsmodell selbstkritisch zu hinterfragen. Es ist nicht nur ein „Schönschreiben“ für irgendwelche Externe. Der Businessplan sollte dem Gründer helfen, seine Geschäftsidee realisieren und anhand des Businessplans erkennen zu können, ob die Idee Sinn macht, ob sie überhaupt machbar ist oder ob ich merke, dass es gar nicht funktioniert. Hatte ich einen Denkfehler oder gibt es den Markt leider gar nicht – ich selbst finde meine Idee super spannend, aber leider will sie gar keiner haben, weil sie nicht relevant ist oder weil der „Need“ überhaupt nicht vorhanden ist.

Bedenken Sie immer als Gründer: Der Businessplan ist Ihre Visitenkarte. Formale Fehler oder gar Rechtschreibfehler sind nicht akzeptabel und sollten in jedem Fall vermieden werden. Denken Sie auch an ein ansprechendes Layout: Erstellen Sie ein Deckblatt und ein Inhaltsverzeichnis. Lockern Sie den Text durch Grafiken auf, denken Sie aber gleichzeitig daran, die Grafiken auch zu beschreiben, zu beschriften und im Text zu erwähnen.

Jetzt fragen Sie sich, warum ich diese Dinge überhaupt anspreche. Es sind Punkte, die eigentlich klar sind, aber leider erfahrungsgemäß immer wieder vernachlässigt werden und das ist schade. Es sind wichtige und relevante Dinge. Wenn man sieht, dass sich jemand keine Mühe gemacht hat, fragt man sich, wie es dann mit der Umsetzung und Realisierung der Idee aussieht, wie viel Mühe wird sich dabei gemacht? Deswegen sind das Punkte, die mir am Herzen liegen.

impulse: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Unterm Strich Mit dem Businessplan wird die Geschäftsidee auf Machbarkeit und Erfolgspotenzial überprüft. Wichtig ist eine genaue Marktrecherche, die Darstellung des konkreten Nutzens und eine auch für Laien verständliche Beschreibung des Vorhabens.

 

Olivia Fedunik

Olivia Fedunik, Geschäftsführerin der Prefound GmbH, begleitet Startup-Ideen aus dem Technologie- und Life-Science-Umfeld mit dem Ziel, Gründer bei der Realisierung einer erfolgreichen Geschäftsidee und der Finanzierung des Unternehmens zu unterstützen. Die Prefound GmbH wurde von Serial Entrepreneuren und Investoren gegründet und fungiert als Schnittstelle zwischen Gründern und Investoren.

 

 

Im vierten Teil unserer Startup-Serie sehen Sie: Wie finden Gründer Investoren?

(Anmerkung: Die Videos der Serie wurden via Skype aufgenommen und können sich je nach Bandbreite in der Qualität unterscheiden.)

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