Gründung Worauf sollten Gründer bei der Personalauswahl achten?

Wer passt ins Startup-Team - und wer nicht? Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist die persönliche Motivation der Angestellten ausschlaggebend, sagt Berufungsberaterin Ursula Maria Lang. Im impulse.de-Interview gibt sie Tipps zur Personalauswahl und Mitarbeitermotivation.

 

impulse: Wie können Gründer gegenüber großen Unternehmen ihr Start-up für potenzielle Mitarbeiter interessant darstellen?

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Ursula Maria Lang: Gute Mitarbeiter meinen oft, dass sie mehr Karrierechancen haben, wenn sie in ein großes Unternehmen kommen. Das ist aber gar nicht unbedingt der Fall. In der Berufungsberatung entwickeln wir mit einem jungen Unternehmer oder mit einem jungen Start-up-Unternehmen die eigene Philosophie, die eigene Vision, den gewissen Gänsehaut-Faktor. Wenn andere Personen das sehen oder lesen, sagen sie: „Wow, das ist toll, das würde ich gerne unterstützen oder dabei mitmachen.“ Wenn ein Unternehmer das formulieren kann, kann er sich im Grunde genommen ein Dream-Team an Leuten zusammenstellen, die in eine Position hineinwachsen, in die sie in einem großen Unternehmen nicht oder nicht so schnell kommen würden. Da haben sie bei Start-ups gute Chancen.

impulse: Was zeichnet einen guten Mitarbeiter aus?

Lang: Den passenden Mitarbeiter zu finden ist meiner Meinung nach die halbe Miete für jeden Unternehmenserfolg. Mitarbeiter tragen ein Unternehmen und bringen das ein, was das Unternehmen letztlich ausmacht. Von daher schauen wir zunächst, was einen Menschen motiviert. Was ist das, was er wirklich aus dem Innersten heraus gerne tun möchte? Der Fokus geht dabei weit über die Interessen und Hobbys hinaus. Interesse ist das eine, aber wir schauen auch, welche innere Motivation jemand hat. Was möchte ich vielleicht bewegen, was möchte ich verändern, wo möchte ich gerne mitwirken? Das geht in Richtung Firmenphilosophie, Firmenleitbild. Wenn jemand etwas wirklich authentisch rüberbringt, kann man das fühlen. Die Herzlichkeit, Offenheit, Lockerheit, die ist nicht da, wenn ich mir etwas verkrampft aneignen musste.

Ich möchte ein Beispiel nennen: Wenn ich ein Unternehmen im Bereich Rennsport habe, kann ich mir nur einen Mechaniker oder einen Vertriebler als Mitarbeiter vorstellen, der Rennsport liebt. Es nützt mir kein Mitarbeiter mit einem Einser-Abitur oder mit einem sehr guten Maschinenbaustudium, der aber letzten Endes nur an den Feierabend denkt – auch wenn er das nicht zeigt. Ich muss im Grunde genommen die strahlenden Augen und das glühende Herz für den Rennsport sehen, dann habe ich den richtigen Mitarbeiter, weil dieser sich auch gewisse fachliche Lücken aneignen wird. Wer so ein Interesse hat, macht auch Überstunden oder arbeitet am Wochenende zu Hause mögliche Lücken auf. Davon kann man ausgehen.

Wichtig ist auch das Thema Team. Hat jemand wirklich Lust, im Team noch etwas zu entwickeln? Wenn ein Mitarbeiter signalisiert, dass das Unternehmen noch Entwicklungspotenzial hat, ist es wichtig, dass das ganze Team Ideen einbringt, dass eine gewisse Flexibilität und auch der Wunsch nach Wachstum vorhanden ist. Das ist auch ein ganz wichtiger Punkt.

impulse: Welche Aspekte sind für die Führung und Motivation von Mitarbeitern wichtig?

Lang: Thema Führen als Vorbild. Wenn ich das, was ich mir von meinen Mitarbeitern wünsche, selbst nicht lebe, ist es ein Fake. Dann kann es fast nicht funktionieren. Das heißt, was macht einen guten Mitarbeiter aus? Für mich bedeutet es, dass er authentisch ist in dem, was er in das Unternehmen einbringt. Und ich hoffe, dass ich das als Führungskraft auch bin.

Das Zweite sind Unternehmenswerte. Manchmal stehen die Unternehmenswerte nur auf der Satzung oder im Internet und werden nicht gelebt, dann sind es aber keine. Für mich ist vor allem die Offenheit wichtig, dass man immer mit dem Mitarbeiter im Dialog bleibt, ihn in seinen Stärken wertschätzt, dass man z.B. auch sagt: „Das kannst du super, hast du da noch neue Ideen?“ – ihn immer im Prozess hält und ihn nicht in eine bestimmte Rolle oder in ein bestimmtes Anforderungsprofil drängt. Wenn man merkt, dass sich ein Mitarbeiter selbst weiter entfaltet und über sich hinaus wächst, ist es wichtig, ihm dann auch immer wieder neue Möglichkeiten zu geben, sich in das Unternehmen selbst einzubringen. Das erreicht man meiner Meinung nach am besten durch eine ganz offene Teamkultur, sprich Führung und Mitarbeiter im Dialog.

Ich empfehle immer wieder zu schauen, wo stehen wir, macht es noch Spaß, leuchten die Augen der Mitarbeiter, wenn sie Montagmorgens kommen. Wenn sie nicht leuchten, würde ich mir überlegen und sie fragen, was fehlt. Dieser Dialog ist wichtig, damit die Vision auch eine gemeinsame Vision bleibt, damit man immer wieder neue Ziele hat und sich gemeinsam freut, bestimmte Ziele zu erreichen. Dazu gehört auch, dass ich als Chef meinen Mitarbeitern sage: „Ich merke, dass du das viel besser kannst als ich. Übernimm die Aufgabe, ich gebe dir das Vertrauen.“

impulse: Welchen Tipp geben Sie Gründern mit auf den Weg?

Lang: Ich bin mir sicher, wenn ein Unternehmer einen Mitarbeiter hat, der das in das Unternehmen einbringt, was er am besten kann und was er am liebsten tut, dass das Unternehmen dann auch wirklich die beste Wahl getroffen hat. Sowohl dem Unternehmer als auch dem Mitarbeiter rate ich: Nehmt euch die Zeit, genau zu prüfen, ob es für beide Seiten wirklich passt. Wenn es passt, wird es auch keine Fehlentscheidung,

 

 

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