Gründung Als Student gründen: Endlich Praxis!

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Auf Muffins spezialisiert: Als Student gründete Patrick Meinel vor vier Jahren die MuffinFactory.

Auf Muffins spezialisiert: Als Student gründete Patrick Meinel vor vier Jahren die MuffinFactory.© minadezhda - Fotolia.com

Mit 21 hat Patrick Meinel die MuffinFactory gegründet. Warum es ein großer Vorteil sein kann, als Student zum Unternehmer zu werden - und wie man mit neidvollen Kommentaren aus seinem Umfeld umgeht.

Willst Du wirklich 35 bis 40 Jahre für jemand anderes arbeiten? Also Deine ganze Kraft und Energie einem Fremden geben?

Für mich war schnell klar, dass ich diese Frage mit einem klaren Nein beantworten muss. Schon während meiner Ausbildung zum Industriekaufmann habe ich nach einem Bereich gesucht, in dem ich selbst etwas auf die Beine stellen kann. Das war vor vier Jahren.

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Jetzt bin ich 25 Jahre alt, studiere Betriebswirtschaft an einer Dualen Hochschule und bin seit 2011 in der Lebensmittel-Branche tätig. Warum Lebensmittel? Ich finde, es gibt viel zu viel schlechtes Essen, das wir von den großen Nahrungsmittelkonzernen vorgesetzt bekommen. Daher bietet der Bereich Lebensmittel für mich eine große Chance, etwas zu verändern.

Zur Gründung habe mir das Ziel gesetzt, ein Produkt zu finden, dass einfach hergestellt werden kann, beliebt ist und viel Interpretationsspielraum lässt. Beim wöchentlichen Kaffeetrinken bei Oma und Opa wurde ich sehr schnell ein großer Fan von ihren selbst gebackenen Kuchen. So kam ich auf Muffins als Geschäftsidee und habe kurz darauf die MuffinFactory gegründet – einen Onlineshop für Muffins, die mittlerweile in Bioqualität hergestellt werden.

Als 21-jähriger Student zu gründen, war nicht immer einfach. Worauf man achten sollte, wenn man im Studium oder der Ausbildung gründen sollte? Fünf Tipps.

Offener Austausch mit den Dozenten
Jeder Student hat ein Netzwerk von Dozenten. Dieses sollte man nutzen. An meiner Hochschule waren einige Dozenten hauptberuflich als Unternehmensberater unterwegs. Der Job als Dozent an der Dualen Hochschule war für viele nur eine Art Hobby. Für mich waren diese Dozenten gleich doppelt interessant. Einerseits haben sie Wissen aus der Praxis vermittelt. Andererseits gab es die Möglichkeit, ohne großes Geld wertvolle Tipps zu bekommen.

Diese kostengünstige Beratung gab es für mich vor allem bei Fragen zu Vertrieb und Marketing. Weil ich der einzige Gründer an meiner Hochschule bin, bin ich mit vielen Dozenten schnell ins Gespräch gekommen und es gab Antworten auf Fragen zu Rechtsberatung, dem Business-Plan oder der Vermittlung zu externen Gründercoachs, zum Beispiel von der Beraterbörse der KfW. Diese Coachs haben mich bei der Optimierung des Geschäftsmodells und der Suche nach Fördermitteln unterstützt.

Genaues Zeitmanagement
Die Doppelbelastung zwischen Studium und der Gründung eines Unternehmens ist nicht zu unterschätzen. Der bewusste Verzicht auf Freizeit war deshalb sehr wichtig. Das klingt hart, aber das Unternehmen war mein bester Freund. Im besten Fall ist es für den jeweiligen Gründer ja mehr Passion als „nur Arbeit“. Ansonsten würde ich das mit der Gründung nochmal überdenken.

Auch ein möglichst genaues Zeitmanagement hilft. Ich verplane meine Woche zum Beispiel von Montag um 7 Uhr bis Sonntag um 22 Uhr. Das heißt nicht, dass ich 95 Stunden die Woche nur mit Arbeit beschäftigt bin, aber so richtig viel Freizeit ist nicht drin. Jede Stunde ist für eine bestimmte Aufgabe verplant und die ganze Woche bekommt eine Struktur. Aus der Erfahrung kann ich sagen, dass es nichts bringt, einfach loszuarbeiten. Ich versuche mir trotzdem täglich, bestimmte Zeiträume für Sport oder Familie zu blockieren.

Ziele, nicht aus dem Auge verlieren
Im Gründungsprozess denkt bestimmt jeder einmal, wenn auch nur ganz leise, ans Abbrechen. Warum? Man kommt nicht weiter, alles dreht sich im Kreis, es passiert Unvorhergesehenes oder manchmal kommt alles zusammen. Wie bei mir: Ich schreibe meinen Bachelor-Abschluss, arbeite in meinem Betrieb und an einem Relaunch samt GmbH-Gründung und auch meine Familie braucht mich. In solchen Momenten habe ich gelernt: Man muss einfach nur funktionieren und die großen Gefühle unterdrücken, weitermachen und das Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Geschäftspartner auswählen
In den wenigsten Fällen wird man ein Geschäft alleine aufbauen können. Für die Frage, wie man den richtigen Partner findet, gibt es keine Allgemeinlösung. Meiner Ansicht nach ist ein gutes Bauchgefühl sehr wichtig. Bis ich meinen aktuellen Produktionspartner gefunden habe, habe ich unzählige Bäckereien von innen gesehen. Manche wollten nicht auf meine Produktideen eingehen, andere wollten erst Umsätze sehen, ehe sie sich auf eine Zusammenarbeit einließen. Wieder andere wollten, nur damit sie produzieren, gleich zu 50 oder mehr Prozent an der Firma beteiligt werden. An dieser Stelle empfehle ich, ganz klar „Nein“ zu sagen.

Auch wenn es länger dauert, als man plant, wird man jemanden finden, der mit einem an einem Strang zieht. Ich habe nach einer längeren Suche einen Biobäcker aus Dresden gefunden, der meine Muffins nun bei sich produziert. Ich schreibe ihm einen Auftrag und er mir eine Rechnung. Wir haben ein partnerschaftliches Verhältnis. Er denkt auch bei der Produktentwicklung mit und versteht, dass ich eher kleinere Mengen bestelle und nicht gleich eine Millionen Muffins.

Ellbogen raus
Eine Firma zu gründen ist nichts fürs stille Kämmerlein, denn man steht im Fokus seiner Mitmenschen. Wie soll man mit dieser genauen Beobachtung oder auch dem Neid umgehen? Der Vorteil ist, dass man genau in diesem Moment sieht, wer hinter einem steht, und auf wen man getrost verzichten kann. Andererseits gilt die Devise: Ellbogen raus und weitermachen, zeig es ihnen!

Für mich war es ein Vorteil, dass ich bei diesen Situationen recht schnell auf Durchzug schalten kann. Zum Beispiel als es darum ging, den ersten „Dienstwagen“ für die Firma zu leasen. Die Leute aus der Umgebung haben wohl gedacht, dass jetzt der Wohlstand bei der MuffinFactory ausgebrochen wäre, da ich erst kurz zuvor in eine alte Fabrik investiert hatte. Dazu kommt natürlich noch, dass auf dem Land jeder jeden kennt. In einer Großstadt ist so etwas bestimmt einfacher.

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