Gründung Von Businessplan bis Krankenkasse: Das bewegt junge Gründer

Projekte stehen und fallen mit der Vorbereitung

Projekte stehen und fallen mit der Vorbereitung© alphaspirit - Fotolia.com

Wohin mit der guten Idee? Angehende Gründer suchten auf der Start-up Messe DeGUT in Berlin nach Antworten. Wir haben uns umgehört, was die jungen Unternehmer derzeit bewegt – und Antworten gesammelt.

Smoothies aus Trockenfrüchten, Wasser in der Wüste, lokales Fundraising: Damit aus einer Idee ein erfolgreiches Unternehmen wird, brauchen die Gründungswilligen Hilfe. Entsprechend groß war der Beratungsbedarf bei den Deutschen Gründer- und Unternehmertagen (DeGUT) in Berlin. Mehr als 6000 Besucher zählten die Veranstalter der 30. DeGUT.

„Planen, gründen und wachsen“ standen auf dem Programm der Gastgeber, den Investitionsbanken Berlin (IBB) und Brandenburg (ILB). Wen man auch ansprach: die Besucher hatten Ideen, nun wollten sie gründen. Wir haben Messebesucher nach ihren Sorgen befragt und festgestellt: Die lassen sich beseitigen.

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Fabian Fischer will Kaffeesatz recyceln. „Wir haben eine Idee dazu, aber wir wissen noch nicht, wie wir sie umsetzen können.“ Das scheitert nicht etwa an der Technik, sondern, wie so oft, an der Bürokratie: „Wie schreibt man einen Businessplan?“

Gründerberaterin Olivia Fedunik sieht den Businessplan nicht als lästiges Hindernis, sondern als praktische Übung: „Sie setzen sich mit Ihrer Geschäftsidee und mit allen wichtigen Elementen Ihres Modells intensiv auseinander. Sie überprüfen diese auf Machbarkeit, überlegen sich, ob das Modell so überhaupt realisierbar ist und dann ermitteln Sie den Finanzbedarf.“ Dabei sollte der Businessplan auch verständlich sein: „Businesspläne werden häufig auch zu technisch und fachspezifisch geschrieben“, warnt die Expertin. Das ist unnötig aufwendig für den Leser.

Das gehört in einen Businessplan:

  • Zusammenfassung
  • Beschreibung des Produkts oder der Dienstleistung
  • Markt und Wettbewerb, Vertriebsstrategie, Zielgruppen, Marketing-Mix
  • Geschäftsmodell, Organisation
  • Standort
  • Wer sind die Gründer?
  • Realisierungsfahrplan: Wie möchten Sie das Ganze umsetzen und wie sind die Chancen
  • Finanzplanung

Feduniks Erfahrung nach werden die Kapitel Markt und Wettbewerb plus Vertrieb oft vernachlässigt, weil sie rechercheintensiv sind und es teilweise nicht ganz einfach ist, an die nötigen Zahlen heranzukommen. Hier können sich Gründer also positiv hervortun – das wirkt professionell und umsichtig.

Außerdem enthält jeder Businessplan einen Zahlenteil. Der sollte sich realistisch mit den Kosten und Gewinnchancen des Projekts auseinandersetzen. Detaillierte Antwort gibt Olivia Fedunik im Interview mit impulse.de.

 


 

Max Williams will als Regisseur freiberuflich arbeiten. Er sorgt sich vor allem um seine Ausgaben: „Auf uns kommen krasse Kosten zu. Wie trage ich als Freiberufler zum Beispiel meine Krankenversicherung?

Am Anfang kann der Gründungszuschuss helfen. Wer Recht auf Arbeitslosengeld hat, der kann ihn bei der Agentur für Arbeit beantragen. Zusätzlich zum Arbeitslosengeld für sechs Monate gibt es dann bis zu 15 Monate lang jeweils 300 Euro für Krankenkasse und Versicherungen. Gründerberater Christian Bussler sagt: „Die Chancen auf eine Förderung sind umso besser, je frühzeitiger man sich über die genauen Bedingungen informiert.“

Wer keinen Gründungszuschuss bekommt, mehr braucht, oder gleich ein kleines Unternehmen gründen will, der kann nach einem Investor suchen. Das allerdings ist gar nicht so einfach, gibt Inkubator Alexander Eulenberg zu bedenken. Zumindest braucht der Schritt einige Planung – und Vorlauf. Eulenberg: „Das Grundproblem bei vielen Gründerteams ist, dass sie mit unrealistischen Zeitvorstellungen an die Sache herangehen. Man braucht einen persönlichen Puffer. Gründen heißt immer, eine Zeit lang mit ganz wenig oder auch mal gar keinem Gehalt auszukommen. Diesen Puffer muss man sich selbst schaffen und auch das Team darauf vorbereiten.“

 


 

Raphael Cardona will sich als Berater für EU-Projekte selbstständig machen. Bei der Gründermesse DeGUT suchte er juristische Orientierung: „Wie finde ich die richtige Gesetzesform für mich? Oder soll ich lieber als Freiberufler arbeiten?“ Eine Frage, mit der sich Gründer am besten an Rechtsanwälte und Steuerberater wenden. Es gibt keine perfekte Rechtsform. Jede hat ihre Vor- und Nachteile – und alle haben sie ihre Tücken.

Ein Gewerbe anmelden kann grundsätzlich jeder. Der Einzelunternehmer hat dabei den geringsten Aufwand. In der Regel reicht die Anmeldung des Gewerbes. Wer mit anderen zusammenarbeiten will, der sollte sich allerdings mindestens über einen Gesellschaftervertrag Gedanken machen. Der ist für die Gesellschaft bürgerlichen Rechts zwar nicht zwingend notwendig – aber durchaus ratsam, da sonst alle für einander haften.

Rechtsanwalt Kai König nennt Haftung und Startkapital als besonders wichtige Punkte bei der Planung. „Möchte ich persönlich für die Verpflichtungen haften, die ich im Rahmen meiner unternehmerischen Tätigkeit eingehe, oder möchte ich versuchen, meine Haftung auf ein bestimmtes Vermögen zu beschränken?“ Haftungsbeschränkte Rechtsformen sind jedoch teurer und aufwendiger, sie müssen im Handelsregister eingetragen werden.

Mehr zu Fragen der Formalitäten und Haftung beantwortet König im impulse-Interview
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