Konflikte bei der Gründung „Vor allem in der Wachstumsphase wird gestritten“

Teamgründungen sind in. Doch nicht jede Start-up-Gemeinschaft avanciert von Beginn an zum Dreamteam. über brodelnde Konflikte und den respektvollen Umgang miteinander.

impulse: Frau Köhler, was sollten die Mitglieder eines Gründungsteams von Anfang an klären, damit später Geschäftliches nicht zu persönlich genommen wird?

Angela Köhler: Zunächst einmal muss jeder eine klare Aufgabe übernehmen. Dazu gehört auch, dass ihm die notwendigen Kompetenzen übergeben werden, damit er für seinen Bereich die Verantwortung tragen kann. Das sollte übrigens schriftlich festgehalten werden – am besten im Gesellschaftervertrag. Kommt es später dann tatsächlich einmal zu Konflikten, sind alle Zuständigkeiten geregelt.

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Wann geraten sich Teams am häufigsten in die Haare – in der stressigen Startphase?

Nein, zu diesem Zeitpunkt helfen die Euphorie und die erste schnellen Anfangserfolge dabei, über mögliche Streitpunkte gnädig hinweg zu sehen. Besonders viele Konflikte treten in der Wachstumsphase auf, wenn die Teammitglieder noch mehr unter Druck stehen. Erste Mitarbeiter werden eingestellt, die Arbeitsbelastung steigt, erste Rückschläge sind hinzunehmen und man ist auch finanziell noch stärker engagiert – da wird aus einem kleinen Anlass schnell ein handfester Streit.

Um welche Themen wird denn in der Regel gestritten?

Um die Abgrenzung der Kompetenzen, um Geld oder auch um das subjektive Gefühl, dass die anderen Gründer einem nicht genug Wertschätzung und Respekt entgegenbringen.

Kann man diese Konflikte vermeiden?

Nein, aber man sollte dafür sorgen, dass sie frühzeitig vom Tisch kommen. Wenn das Team regelmäßig offen und in respektvoller Art miteinander redet und klar wird, dass noch alle an den gleichen Zielen arbeiten, lässt sich so mancher Streit schon als kleine Meinungsverschiedenheit aus dem Weg räumen.

Vielen fehlt aber einfach die Zeit, um sich noch miteinander auszutauschen.

Das wirkt sich aber oft negativ aus. Auch in stressigen Phasen müssen die Gründer Zeit finden, um sich jenseits des Alltagsgeschäfts auszutauschen. Dabei müssen alle wieder auf den gleichen Informationsstand gebracht werden, die Ziele und Strategien müssen aufeinander abgestimmt werden. Dafür sollte man sich einfach Zeit nehmen. Und wenn dann ein zurückhaltendes Teammitglied mehrfach gefragt werden muss, bevor es seine Meinung äußert, dann ist das ebenso. Hauptsache ist: Am Endes des Treffens stimmt jeder Einzelne der gemeinsamen Unternehmensstrategie zu.

Neben den Konflikten im Betrieb fürchten viele Firmenchefs auch Streitigkeiten in der Familie. Was können Sie raten?

In der Familie gilt das gleiche Rezept wie im Unternehmen: Frühzeitig über Meinungsverschiedenheiten sprechen, bevor es zu einer Eskalation kommt. Und regelmäßig abfragen, ob die Familie die Belastungen auf Grund der Selbstständigkeit auch weiterhin mitträgt. Nur weil es der Partner oder die Kinder sind, darf man es nicht als Selbstverständlichkeit voraussetzen, dass sie immer zurückstecken.

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