Gründung Young Entrepreneur Shama Kabani: „Ein Büro wäre eine Tortur“

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Shama Kabani, Gründerin der Marketing Zen Group

Shama Kabani, Gründerin der Marketing Zen Group© Marvin Zilm

Mit 23 gründete sie ihre erste Social-Media-Firma, heute beschäftigt Shama Kabani 40 Angestellte auf mehreren Kontinenten. Flexibilität hat für die Amerikanerin dabei oberste Priorität: "Mir ist egal, wie und wann meine Leute arbeiten – solange sie gute Arbeit leisten." Ein Gespräch über Work-Life-Balance und mobile Büros.

Mit 23 Jahren, direkt nach dem Studium, startete Shama Kabani ihre eigene Social-Media-Firma, bot Unternehmen an, ihre Websites zu verbessern, ihre Klickzahlen hochzutreiben und Onlinemarketing-Kampagnen zu entwerfen. Mit großem Erfolg: Heute kommen ihre Kunden aus den USA und Argentinien, aus Frankreich, Australien und China. Inzwischen beschäftigt die Amerikanerin, über verschiedene Kontinente verteilt, 40 Angestellte – und verzichtet vollständig auf Büros. impulse traf die Unternehmerin auf dem St. Gallen Symposium.

impulse: Frau Kabani, viele Firmen nutzen inzwischen die Cloud, um Daten abzulegen und sich zu vernetzen. Sie aber verzichten sogar auf Räume.

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Shama Kabani: Ja, ich wurde einmal gefragt, wo mein Büro sei. Ich sagte: „In der Cloud.“ Da kam die Frage: „Ist das downtown?“ (Sie lacht). Büros zu haben wäre eine Tortur für meine Mitarbeiter, sie schätzen die Flexibilität. Man würde sie bestrafen, wenn sie in ein Büro kommen müssten. 80 oder 90 Prozent unserer Kunden akquirieren wir über das Netz, ohne dass wir sie je getroffen hätten. Und wenn es zu einem Treffen kommt, dann findet es beim Kunden statt. Sie erwarten von uns, dass wir ihnen im Netz helfen – dazu brauchen wir keine Räume.

Ihre Angestellten kommen aus Florida, Michigan, Wisconsin, Kalifornien, New York, aber auch aus Argentinien, Indien und von den Phi­lippinen. Leidet nicht die Kommunikation im Team, wenn man sich nicht trifft?
Nein, freitags haben wir eine Skype-Konferenz, alle drei Monate treffen wir uns persönlich in Dallas, ansonsten arbeiten alle von zu Hause aus. Das Ganze ist sehr viel effizienter. Wir haben kein Problem mit lokaler Politik, mit Behörden. Und auch der Bürotratsch fällt weg.

Wie koordinieren Sie die Arbeit?
Wir nutzen zum Projektmanagement die Software Basecamp, ansonsten arbeiten wir zur Ablage von Dokumenten, Präsentationen, Kontakten oder Kalendern mit der Anwendung Google Apps, da können wir auch Kunden einbinden. Gehälter und Finanzen laufen über unsere Buchhaltung. Ich kann mein Unternehmen mit dem Smartphone steuern.

Sie haben also alles unter Kontrolle?
Ich will eine glückliche Firma haben und bin kein Kontrollfreak. Mir ist egal, wie und wann meine Leute arbeiten – solange sie gute Arbeit leisten. Da gibt es bei uns eine große Transparenz. Wenn jemand zum Beispiel die Aufgabe hat, mehr Klickzahlen oder mehr Likes auf Facebook zu erreichen, lässt sich der Erfolg sofort ablesen. Wir sind sehr ergebnisorientiert.

Wie haben Sie Ihr Unternehmen organisiert?
Es gibt Teamleiter, die jeweils fünf Mitarbeiter führen. Das funktioniert sehr gut. Warum sollte ich Leute anstellen, die ich kontrollieren muss? Ein absurder Gedanke. Ich hole mir Leute, die motiviert sind. Daran gibt es keinen Mangel. Es gibt sehr viel mehr Bewerbungen, als wir brauchen können – auch wenn wir weniger zahlen als die Großen.

Haben Sie, wenn alles ineinanderläuft, überhaupt noch ein Privatleben?
Natürlich kann die Work-Life-Balance zu einem Problem werden. Aber ich sehe das nicht so. Ich will Beruf und Privatleben gar nicht voneinander trennen. Ich liebe das, was ich tue. Das ist nicht nur ein Job für mich. Das Wunderbare ist ja, dass man immer arbeiten kann – egal wann und wo.

Und was sagt Ihr Partner dazu?
Mein Mann ist Anwalt und hat ein richtiges Büro. Juristen brauchen das. Er kümmert sich aber auch um unsere Firma. Wir leben in einem schönen Haus in einem Vorort von Dallas, mit Hund und Katze. Und wenn wir einmal Kinder haben, werde ich die Flexibilität noch mehr schätzen – so wie es viele meiner Mitarbeiter tun, die jetzt schon Kinder haben.

 

Der Artikel ist Teil der Serie „Young Entrepreneurs“: Deutschland zählt deutlich weniger Startups als andere Länder. Ein Nachteil, denn erfolgreiche Gründer beleben die gesamte Volkswirtschaft. Sie bringen neue Ideen, schaffen Jobs und inspirieren andere, es ihnen gleichzutun. impulse stellt regelmäßig junge Unternehmer aus aller Welt vor, die Märkte und Branchen aufmischen.

 

cover_09 Aus dem impulse-Magazin 09/2013
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