| Blog für Unternehmer
logo_Smarter_mittelstand_dunkel
Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss in Sachen Digitalisierung Gas geben. Wir helfen Ihnen dabei: Persönlich, wenn Sie zu unserer Veranstaltungsreihe „smarter_mittelstand – digitalisierung 4.0“ kommen. Oder digital, hier an dieser Stelle, wo wir Sie laufend mit handfesten Tipps, Anleitungen und Neuigkeiten versorgen.

Software as a Service Welche Vor- und Nachteile hat Mietsoftware?

  • Serie
Viele Software-Entwickler bieten ihre Produkte nicht mehr nur zum Kauf, sondern als "Software as a Service" auch zur Miete an.

Viele Software-Entwickler bieten ihre Produkte nicht mehr nur zum Kauf, sondern als "Software as a Service" auch zur Miete an. © Mr. Nico / photocase.de

Viele Computerprogramme gibt es heute nicht mehr zum Kauf, sondern zur Miete. Wer die "Software as a Service" nutzen will, muss regelmäßig zahlen. Welche Vor- und Nachteile hat das?

Ohne Excel geht nichts, ohne Photoshop auch nicht: An vielen Arbeitsplätzen sind die Office-Anwendungen von Microsoft und Adobes Bildbearbeiter gar nicht mehr wegzudenken. Kein Wunder, dass es vor ein paar Jahren große Aufregung gab, als beide Firmen ihr Verkaufsmodell änderten: Unter den Namen Office 365 und Creative Cloud gibt es die populären Software-Pakete nicht mehr nur zum Kauf, sondern auch zur Miete oder im Abo.

Der Fachbegriff dafür lautet Software as a Service (SaaS): Programme sind keine Kaufprodukte mehr, sondern monatlich bezahlte Dienstleistungen. Teils laufen die gemieteten Programme immer noch auf dem Rechner, teils aber auch auf den Anbieter-Servern und im Browser. Im Prinzip gelten auch Webmailer, Online-Adressbücher und -Kalender oder Dienste wie Google Docs als SaaS. Die sind zwar meist gratis. Erweiterte Funktionen kosten dann aber eine Monatsgebühr.

Anzeige

Eigentlich stammt das SaaS-Prinzip aus der Unternehmenswelt. „Da gibt es das schon seit Jahren“, erklärt Frank Termer vom IT-Verband Bitkom. „Unternehmen können ihre Kosten für IT und Personal senken, indem sie den Betrieb und die Pflege wichtiger Software den Service-Anbietern überlassen.“ Vor allem bei Bürosoftware und Apps schwappe SaaS inzwischen aber auch auf den Privatanwender-Markt.

Überschaubare Monatsgebühr statt hoher Investitionssummen

Für den Nutzer muss das nicht unbedingt ein Nachteil sein. „Die Investitionskosten sind damit natürlich erstmal niedriger“, sagt Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Statt für umfangreiche Softwarepakete mittlere dreistellige Summen auszugeben, zahlt der Nutzer nur eine überschaubare Monatsgebühr. Trotzdem nutzt er sofort alle Programme mit allen Funktionen. Nachrechnen lohnt sich aber: „Langfristig kann Mietsoftware teurer sein als Kaufsoftware, vor allem bei langfristiger Nutzung und umfangreichen Paketen“, so Gollner.

Denn nutzen lassen sich die Programme nur, solange der Kunde zahlt. Ist das nicht mehr der Fall, stellt selbst auf dem Rechner installierte Software irgendwann die Arbeit ein. Einmal gekaufte Software lässt sich dagegen theoretisch jahrelang weiterverwenden – aber nicht zwingend auf dem neuesten Stand. „SaaS garantiert Updates und Funktionserweiterungen“, sagt Gollner. „Wichtig ist das zum Beispiel für Nutzer, die häufig Dateien mit anderen austauschen.“ Denn so bleibt alles kompatibel.

Auf die Updates haben Abokunden sogar gesetzlichen Anspruch. Denn beim Mieten hat ein Verbraucher andere und manchmal bessere Rechte als beim Kauf, erklärt der Rechtsanwalt Till Jaeger aus Berlin: „Die Gewährleistung ist im Mietrecht zum Beispiel sogar stärker als im Kaufrecht, weil der Vermieter verpflichtet ist, die vermietete Sache in gebrauchsfähigem Zustand zu halten.“ Konkret bedeutet das, dass er bei Software zum Beispiel Programmfehler und Sicherheitsmängel ausbessern muss – und das für den gesamten Zeitraum der Nutzung.

Einschränkungen für Mieter

Gleichzeitig gibt es für Mieter aber Einschränkungen. „Gekaufte Software darf ich zum Beispiel Dritte an meinem Computer nutzen lassen, im Mietrecht ist das nicht so klar“, sagt Jaeger. „Und die Weiterveräußerung ist ebenfalls nur im Kaufrecht möglich.“ Viele Softwareanbieter verbieten den Weiterverkauf in ihren Geschäftsbedingungen zwar auch für Käufer. Solche Regelungen sind nach europäischem Recht aber regelmäßig unwirksam, so der Anwalt.

Auch in der konkreten Nutzung hat Mietsoftware ein paar Haken. Läuft sie in der Cloud, also auf den Servern des Anbieters, ist eine gute Netzanbindung erforderlich. Und selbst viele installierte Abo-Programme müssen oft Server-Kontakt aufbauen, sonst verweigern sie irgendwann den Dienst. Und nützliche Updates gibt es offline auch nicht.

Online flexibler arbeiten

Andererseits macht der Onlinezwang flexibler: „Mit SaaS kann ich plattformunabhängig arbeiten und theoretisch von überall auf meine Dateien zugreifen“, sagt Verbraucherschützer Gollner. Denn die Cloud-Integration ist bei Mietsoftware in der Regel gleich eingebaut. „Gleichzeitig bedeutet das aber auch Kontrollverlust“, warnt der Verbraucherschützer. „Ich kann da nicht kontrollieren, was der Anbieter mit meinen Daten macht und wer darauf Zugriff hat.“

Bei kleinen Anbietern stellt sich zudem die Frage, ob es sie und ihre Software in ein paar Jahren überhaupt noch gibt. „Wird ein Dienst eingestellt, ist oft unklar, ob ich meine Daten ohne weiteres anderswo nutzen kann“, sagt Gollner. Es schadet also nicht, sich vorab über Exportmöglichkeiten und Kompatibilität zu informieren.

SaaS-Alternativen

Grundsätzlich gilt: Wer Software as a Service (SaaS) nicht nutzen will, muss das auch nicht tun. Alternativen für viele Büroanwendungen gibt es genug, entweder gratis als Open-Source-Programm oder von anderen kommerziellen Anbietern. Denn längst nicht alle Firmen setzen auf Abos, und viele werden das wohl auch in Zukunft nicht tun. „Ich kann mir schon vorstellen, dass sich das im Privatanwenderbereich noch etwas weiter verbreitet“, sagt Bitkom-Experte Frank Termer. „Ich glaube aber nicht, dass das Mietmodell klassische Software ersetzt.“ Wahrscheinlicher sei, dass beide Varianten künftig nebeneinander existieren.

1 Kommentar
  • Axel Braun 9. Juni 2016 13:39

    Leider geht der Artikel nicht auf die Problematik ein, wie man Daten aus einem SaaS Angebot wieder herausbekommt.
    Ist das bei Textdokumenten noch einfach, sieht das bei CRM oder ERP Anwendungen schon wieder anders aus. Und selbst wenn man einen vollständigen Datenbank-Dump erhalten sollte – womit kann man diesen bearbeiten? Es gibt i.A. ja keine Lizenz mehr für, sagen wir, ihre ERP Anwendung.
    Insofern ist SaaS ein bißchen wie das Hotel California: Rein gehts leicht, aber raus….

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.