IT+Technik Die neue Apple Watch: revolutionär oder überflüssig?

Die teuerste Version kostet 18.000 Euro: Mit der neuen Smartwatch knüpft sich Apple eine neue Branche vor. Der US-Konzern startet einen Frontalangriff auf die Luxusuhrenbranche. Aber wollen Rolex- und TAG Heuer-Kunden eine Uhr, die in wenigen Jahren veraltet ist?

Es ist wieder so weit: Tausende Redaktionen weltweit (ja, auch wir) machen eine kostenlose Produktpräsentation für einen Weltkonzern. Die Vorstellung der neuen Apple-Produkte wird verfolgt wie ein Naturereignis: Liveticker, Liveübertragung, hunderte Fernsehteams vor Ort.

Die einzige Rechtfertigung für den Trubel: Wie kein anderer Konzern haben es die Amerikaner in den letzten Jahren immer wieder geschafft, mit Produktinnovationen wie i-Pod, i-Phone oder i-Pad ganze Branchen durcheinander zu wirbeln. Kann das auch mit der neuen Smartwacht funktionieren?

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Was die neue Apple-Uhr kann, lesen Sie hier

Klar ist: Apple setzt seine Strategie fort, Kunden mit aller Macht an die eigenen Produktreihen zu fesseln. Wer einmal Apple-Produkte benutzt, kommt so leicht nicht mehr davon los. Auch für die Apple Watch braucht man gleich ein Set: Denn ohne halbwegs aktuelles i-Phone macht sie keinen Sinn. Geht eines der Geräte kaputt, muss man also nachkaufen.

 
Das ist sie

© dpa picture alliance; apple (5)

 

Angriff auf den Luxusuhrenmarkt

Deutlich wird auch: Die Apple Watch ist ein Frontalangriff auf den Luxusuhrenmarkt, auch wenn es das Einsteiger-Modell ab 399 Euro geben soll. Die „Edition“-Version der Uhr mit einem Gehäuse aus 18-Karat-Gold kostet hingegen mindestens 11.000 Euro – ein Vielfaches der teuersten Smartwatches der Konkurrenz, die bislang auf dem Markt sind. Apple tritt mit diesen Uhren nicht mehr gegen Samsung oder LG an, sondern stürzt sich auf die Schweizer Edeluhrenmacher wie Rolex oder TAG Heuer. Das teuerste, vergoldete Modell, das gestern in San Francisco vorgestellt wurde, kostet so viel wie ein Kleinwagen: 18.000 Euro.

Eine zentrale Frage blieb dazu bei der Präsentation am Montag jedoch offen: Schweizer Luxusuhren sind Anschaffungen fürs Leben. Oft werden sie sogar weiter vererbt. Eine Smartwatch hingegen wird innerhalb von wenigen Jahren überholt sein. Wird es für das Geld also eventuell eine Upgrade-Option geben? Oder richtet sich Apple an ein Publikum, das so viel Geld hat, dass diese Überlegung keine Rolle spielt?

Egal ob Gold oder Aluminium: Die Technik ist immer dieselbe

Um in das neue Marktsegment einzutreten, hat Apple die frühere Burberry-Chefin Angela Ahrendts engagiert. Denn in Zukunft wird es in den 453 Apple Stores nicht mehr nur um Pixel und Bytes gehen, sondern auch um Modefragen, Farben, Material des Armbands und die Form des Verschlusses. Ein ungewohntes Terrain für die Verkäufer.

Mit den neuen Luxusprodukten könnte Apple tatsächlich einen Philosophiewechsel eingeläutet haben. Denn auch wenn die Produkte noch nie besonders günstig waren, so gab es nicht mehr als die Maximal-Version des i-Phones für gut 1000 Euro – egal ob man nun Student oder Millionär ist. Jetzt können betuchte Kunden zeigen was sie haben, in dem sie die Apple Watch in einer anderen Hülle kaufen. Denn egal für welche Edition man sich entscheidet: Die Technik, die darin steckt, ist immer dieselbe.

Eine Uhr, mit der man einkaufen kann

Aber was kann die Uhr? Wichtigste Funktion sei die Kommunikation zwischen zwei Watch-Nutzern, erklärte Apple-Manager Kevin Lynch bei der Präsentation am Montagabend. Er malte mit dem Finger ein Katzengesicht auf dem Watch-Display, das zeitgleich auf einer anderen Uhr auftauchte. Er zeigte, wie man den Herzschlag an einen Partner übertragen oder mit dem Finger Klopfzeichen senden kann.

Die Uhr kann Anrufe entgegennehmen oder – bei entsprechenden Installationen – Hotelzimmer und Garagentüren öffnen. Auch Einkäufe sollen in Zukunft über die Uhr bezahlt werden können.

Prognose: 14 bis 15 Millionen verkaufte Apple Wachtes

Was sagt die Branche? Beobachter glauben, dass Apple dem Geschäft mit Computeruhren einen Schub geben wird. Im vergangenen Jahr wurden nach Zahlen des Marktforschers Strategy Analytics weltweit gerade einmal 4,6 Millionen Smartwatches verkauft – von allen Anbietern zusammen. In diesem Jahr könnten es deutlich mehr werden. Analysten tippen auf 14 bis 15 Millionen Verkäufe – von Apple alleine.

nb/dpa

 

 

1 Kommentar
  • Joe 12. März 2015 19:30

    KLare Antowrt: Überflüssig!

    ABER: SIe passt genau in unsere Zeit, wo die Reichen immer reicher werden und die Armen noch ärmer und wo manche Menschen nicht mehr wissen wohin mit ihrem Geld.

    Von daher: Glückwunsch an Apple für die Ausnutzung dieser Marktlücke!!

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