IT+Technik Härtetests fürs iPhone: Auf Biegen und Brechen

Lewis Hilsenteger zeigt in einem Video, wie er ein iPhone
6 Plus mit bloßen Händen verbiegt.

Lewis Hilsenteger zeigt in einem Video, wie er ein iPhone 6 Plus mit bloßen Händen verbiegt. © Screenshot des Testvideos von Unbox Therapy/Lewis Hilsenteger

Sobald ein neues iPhone auf den Markt kommt, wird es Härtetests unterzogen: Nutzer werfen die Geräte aus großer Höhe auf den Boden oder zerschreddern sie im Standmixer. Einer der Tests sorgt nun im Netz für Wirbel um das Aluminiumgehäuse des Smartphones und wirft die Frage auf: Ist es vielleicht zu dünn?

Der Ablauf hat Tradition: Warten auf neue iPhones, lange Schlangen vor den Apple-Geschäften – und dann machen sich einige Leute daran, die frischen Geräte medienwirksam zu zerstören. In den vergangenen Tagen wurde vor allem das größere Modell iPhone 6 Plus unter anderem durchschossen, mit flüssigem Stickstoff eingefroren, aus einer Höhe von über zwei Kilometern abgeworfen und in einem Standmixer zerschreddert. Die entsprechenden Videos werden zum Beispiel auf der Google-Plattform YouTube munter angeklickt.

Praktischere Bedeutung für Nutzer im Alltag könnte die Frage haben, ob das dünne Aluminium-Gehäuse des bisher größten iPhones sich eventuell zu leicht verbiegen lässt. Der bisher nicht sonderlich bekannte YouTube-Kanal „Unbox Therapy“ wurde seit Dienstag weltberühmt, nachdem sein Schöpfer Lewis Hilsenteger ein Video veröffentlichte, das zeigt, wie er ein iPhone 6 Plus mit bloßen Händen verbiegt.

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Das iPhone sei schon vor dem Kraftakt vor laufender Kamera leicht angebogen gewesen, räumte der „Unbox“-Macher ein. Der Test dürfte auch nicht unbedingt wissenschaftlich fundiert sein. Dem Videoblogger könnte der viereinhalb Minuten lange Clip aber inzwischen nach den bekannten YouTube-Tarifen mit über 20 Millionen Klicks um die 100.000 Dollar an Werbeeinnahmen eingebracht haben. Während sich die „Bendgate“-Geschichte weltweit durch die klassischen Medien zieht, macht ihn das immer reicher. Im Internet tauchten Fotos von den bis zu 1000 Euro teuren Telefonen auf, die angeblich in Hosentaschen verbogen wurden.

Immerhin funktionierte das Display des verbogenen iPhones im Video weiterhin. Ebenso wie das Gerät, das ein Blogger vom YouTube-Kanal „RatedRR“ einem Video zufolge nach dem Sprung aus einem Flugzeug mit einem Flügelanzug aus über zwei Kilometern Höhe fallen ließ. Es habe per GPS geortet werden können, das Display habe allerdings Risse bekommen – was man aber auch von Stürzen aus deutlich geringerer Höhe kennt. „RatedRR“ zerstörte insgesamt sechs iPhones. Das mit Flüssig-Stickstoff schockgefrostete Gerät zerbarst im Video unter dem Hammer in viele Splitter, ein weiteres wurde von einer Gewehrkugel durchbohrt.

Apple: Bisher nur neun Beschwerden über verbogene Geräte

Laut Apple beschwerten sich bisher lediglich neun Nutzer über verbogene Geräte. Die Gehäuse der Geräte seien aus festem Aluminium hergestellt und auf Belastungsfähigkeit getestet worden. Sie seien zudem an mehreren Stellen mit Titan und rostfreiem Stahl verstärkt.

In einem ungewöhnlichen Schritt für den traditionell geheimniskrämerischen Konzern erlaubte Apple am Donnerstag zudem einigen Journalisten Einblicke in sein Labor in Cupertino, wo die Stabilität der iPhones geprüft wird. Dazu gehörten die Technologieblogs „Recode“ und „The Verge“. In dem Labor wird unter anderem simuliert, was mit einem iPhone passiert, wenn man sich draufsetzt, wie Apple erläuterte. Dabei werde sowohl weicher als auch harter Untergrund ausprobiert.

Verbiegetests im Apple-Labor

Außerdem gibt es dort einen „Drei-Punkt-Verbiegetest“, bei dem auf das iPhone in der Mitte Druck ausgeübt wird, während es auf der Ober- und Unterkante gestützt wird. Dabei sei ein iPhone 6 Plus unter einem Gewicht von 25 Kilogramm nicht dauerhaft verbogen, berichteten die Reporter. Es habe zwar unter Druck leicht nachgegeben, sei dann aber in die ursprüngliche Form zurückgekehrt.

Wenn ein Nutzer allerdings sehr viel Kraft an einigen nicht für den Alltag typischen Stellen anwende, könne das iPhone verbiegen, erklärte Apples Chef für Geräte-Entwicklung, Dan Riccio. „Am Ende ist es so, dass wenn man genug Kraft aufwendet, um ein iPhone – oder jedes andere Telefon – zu verbiegen, es sich verformen wird“, sagte Riccio dem Blog „The Verge“.

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