IT+Technik „Roboter und Menschen sollen zusammenarbeiten“

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Trotz Hilfen wie Gabelstaplern und Aufzügen ist Lagerarbeit noch immer eine Plackerei. Das Münchner Start-up Magazino will dafür sogen, dass intelligente Roboter den Menschen die schwere Arbeit abnehmen.

Trotz Hilfen wie Gabelstaplern und Aufzügen ist Lagerarbeit noch immer eine Plackerei. Das Münchner Start-up Magazino will dafür sogen, dass intelligente Roboter den Menschen die schwere Arbeit abnehmen.© fotolia, maxoidos

Der Münchener Frederik Brantner hat mit seinem Start-up Magazino eine Maschine entwickelt, die Unternehmer freuen dürfte – und Lagermitarbeitern den Job kosten könnte. Der „Regal-Robo“ soll Menschen in der Lagerwirtschaft ersetzen. Zumindest fast.

impulse: Warum sind Roboter die besseren Lagermitarbeiter?

Frederik Brantner: Roboter sind gut darin, standardisierte Aufgaben zu erledigen. Etwa an der Karosserie eines Wagens immer an der gleichen Stelle einen Schweißpunkt zu setzen. Im Onlinehandel finden auch standardisierte Abläufe statt. Diese werden allerdings von Menschen ausgeführt. Dabei stellt ein Lager für eine für Roboter gut handhabbare Komplexität dar.

Lagermitarbeiter waren zuletzt häufig in der Presse. Entweder, weil schlimme Arbeitsbedingungen aufgedeckt wurden, oder weil sie – wie jüngst bei Amazon – in den Streit getreten sind. Warum setzen die großen Versandhäuser bislang noch nicht auf Roboter, wenn das so naheliegend ist? Schließlich könnten Sie sich einigen Ärger und viel Geld sparen.

Technologisch war das bislang noch nicht möglich. Die Forschung in diesem Bereich ist noch sehr jung. Andererseits verfolgen Versandhäuser bereits verschiedene Automatisierungskonzepte. Amazon hat etwa „Kiva Robotics“ gekauft, die mobile Robotersysteme herstellen: Da fährt ein Roboter zu einem Regal, hebt es hoch und bringt es zum Menschen. Das heißt, ein Stück weit wird auch dort schon automatisiert und damit Personal gespart. Bei unserer Idee bleibt das Regal, wo es ist. Ein mobiler Roboter, der auf einem kleinen Fahrzeug montiert ist, fährt zu dem Regal hin und nimmt genau das eine Objekt heraus, das bestellt wurde.

Menschen können vom kleinen Schmuckstück bis zum Möbelstück alles greifen und tragen. Kann das der Roboter auch?

Der Zugriff auf das Objekt ist in der Tat komplex. Der Roboter muss wissen, was er vor sich hat, wie groß und schwer es ist. Erst anhand dieser Parameter kann er entscheiden, wie er das Objekt in die „Hand“ nehmen muss. Das ist der absolute Kern des Ganzen. Aber so weit, dass ein und derselbe Roboter vom T-Shirt über einen Flachbildschirm bis hin zu einem Schaukelpferd alles greifen oder tragen kann, sind wir noch nicht. Noch kann der Roboter den Menschen nicht vollständig ersetzen, er soll mit ihm arbeiten, ihm die Arbeit erleichtern.

Was kann denn Ihr „Regal-Robo“ bislang?

Er kann ein Objekt greifen und ansaugen. Aber es gibt ein maximales Gewicht, das er halten kann – ansonsten müssten seine Arme massiver und der Roboter selbst viel schwerer werden. Deshalb haben wir eine Beschränkung getroffen, mit der wir 30-40 Prozent der Lagerware eines gängigen Onlineshops abdecken werden. Der Roboter ist auf Objekte ausgelegt, die 5x5x5cm bis 40x40x40cm groß sind. Die kann er sicher fassen und auch zielgenau wieder ablegen, ohne dass etwas kaputt geht.

Viele Lager sind schon weitgehend automatisiert. Was ist bei Ihrer Technik das Besondere?

Bei dem derzeitigen Automatisierungsgrad bekomme ich die Kiste mit dem von mir gesuchten Objekt. Unser Produkt kann einzelne Objekte erkennen und stückgenau bewegen – nicht die Kiste, in der das Objekt drin ist und darüber hinaus vielleicht noch andere Artikel, die ich gar nicht will. Wir erfassen die Waren beim Eingang zunächst genau und teilen dem Roboter alle relevanten Infos darüber mit. Der Roboter muss aber auch „sehen“ können, um Objekte anhand ihres Äußeren und nicht nur anhand ihrer Barcodes auszumachen. Dazu bestimmt man neben der Form vorab einige markante Punkte, vielleicht ein kontrastreiches Bild auf einem Buchdeckel, nach denen der Roboter im Regal sucht.

Hört sich aufwendig an.

Es ist auf jeden Fall nicht aufwendiger als derzeit. Entweder läuft der Mensch von A nach B und stellt Sachen zusammen oder der Roboter.

Und woher weiß der Roboter, wo das Buch liegt?

Unser „Regal-Robo“ kann ein Objekt mithilfe einer 2- und 3-D-Kamera im Raum verorten. Dabei muss er aber auch erkennen können, wenn ein Objekt 30cm weiter links von seinem ursprünglich angegebenen Platz liegt. Dazu darf er nicht nur auf diese eine Stelle schauen, sondern muss sein Sichtfeld erweitern.

Wie hoch ist das Risiko, dass er sich vertut und statt Goethes Faust Rosamunde Pilcher im Paket landet?

Das Risiko, dass er das falsche Buch nimmt, geht gegen Null. Vielmehr kann passieren, dass er das Buch nicht findet, weil es nicht an seinem Platz liegt oder von einem anderen Objekt verdeckt wird. Oder aber weil er es aus irgendwelchen Gründen nicht greifen kann, etwa weil er nur einen Sauger hat und keinen Greifer. Auch durchsichtige Vasen stellen noch ein Problem dar. Dann kommt eine Fehlermeldung und der Mensch muss ran.

Und was soll so ein Roboter kosten?

Der „Regal-Robo“ wird wahrscheinlich zwischen 70.000 und 90.000 Euro kosten. Wobei die Amortisationserwartung bei etwa zwei Jahren liegt – wenn man davon ausgeht, dass Lohn und Lohnnebenkosten eines Lagerarbeiters bei etwa 30.000 Euro liegen.

Ihr Start-up hatte eine Million Euro Startkapital zur Verfügung. Ab wann wollen sie in die Gewinnzone?

Die Entwicklung des „Regal-Robo“ ist ein großes Projekt, sodass wir sicherlich noch zwei Jahre brauchen. Aber das lohnt sich, denn der Markt ist sehr groß: Alleine in Deutschland werden pro Jahr rund 2,5 Milliarden Euro für „Picking“ ausgegeben, also Löhne von Menschen, die irgendwo hinlaufen und Dinge holen.

 

Frederik Brantner Frederik Brantner gründete Magazino mit seinen Kommilitonen Lukas Zanger und Nikolas Engelhard von der TU München. Kunden sind bislang Versandhändler aber auch Apotheken. Neben zwei Business Angeln hat auch der High-Tech Gründerfonds in das Start-up investiert.

 

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