IT+Technik Microsoft bringt Office-Software aufs iPad

Der neue Microsoft-Chef Satya Nadella grenzt sich von seinem Vorgänger Steve Ballmer ab. Er will Microsoft zu einem Anbieter von Cloud-Diensten machen, die auf allen Geräten erreichbar sind. Dafür geht Nadella auf den alten Rivalen Apple zu. Apple-Chef Tim Cook antwortet prompt via Twitter.

Microsoft bietet künftig sein Office-Paket auch für das iPad seines Konkurrenten Apple an und vollzieht damit einen gravierenden Strategiewechsel. Seit Donnerstag sind die Textverarbeitung Word, die Tabellen-Software Excel und das Präsentationsprogramm PowerPoint im App Store von Apple verfügbar. Der neue Microsoft-Chef Satya Nadella kündigte dazu einen neuen Kurs mit einem Fokus auf Cloud-Dienste an.

Nutzer können die Büroprogramme kostenlos auf ihr iPad herunterladen, aber für den vollen Funktionsumfang brauchen sie ein Abo von Microsofts Cloud-Dienst Office 365. In der kostenlosen Version können Office-Dokumente anzeigt werden, zur Bearbeitung der Dateien wird jedoch das kostenpflichtige Abo fällig. In Deutschland kostet das Programmpaket Office 365 Home Premium 10 Euro im Monat und 99 Euro für ein Jahr. Die Office-Apps von Microsoft rückten am Freitag auf die Spitzenpositionen in den Charts kostenloser iPad-Apps im iTunes-Store von Apple vor.

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Hohe Konkurrenz durch Open-Source-Programme

Microsoft hatte bisher darauf verzichtet, die vor allem in Unternehmen oft benutzten Office-Programme für das iPad verfügbar zu machen. Die Lücke füllten bisher Apple mit eigener Software sowie viele andere Anbieter von Apps mit ähnlichen Funktionen. Immer wieder gab es Medienberichte, Office für iPad sei fertig und solle bald auf den Markt kommen – doch in der Ära des ehemaligen Microsoft-Chefs Steve Ballmer blieb die Vorstellung eines Office für das iPad aus.

Ballmers Nachfolger Nadella riskiert nun mit seinem Schritt, die Attraktivität des hauseigenen Tablets Surface zu schmälern. Die Microsoft-Tablets sind seit 2012 auf dem Markt, die Verfügbarkeit von Office war eines von Microsofts Argumenten für die Geräte. Allerdings verkaufen sich die Surface-Tablets bislang nur schleppend.

Nadella machte unmissverständlich deutlich, dass es ihm um mehr als einzelne Geräte gehe. Ziel sei „eine Cloud für jeden auf jedem Gerät“, über die Nutzer von überall auf ihre Daten zugreifen könnten, betonte er auf der Presseveranstaltung in San Francisco. Nadella übernahm vor wenigen Wochen die Microsoft-Führung vom langjährigen Konzernchef Steve Ballmer. Zuvor führte er das Cloud-Geschäft des Software-Riesen.

Begrüßung via Twitter

Die kommenden Jahre würden nicht von heutigen Computer-Formen bestimmt werden, sagte Nadella. Entscheidend sei die Anbindung aller mobilen Geräte an Cloud-Dienste. Microsoft dominiert mit seiner Windows-Software nach wie vor im PC-Markt – aber das Geschäft mit klassischen Notebooks und Desktop-Rechnern schrumpft. Bei Smartphones und Tablets hinkt Microsoft den Marktführern Samsung und Apple weit hinterher und hofft, mit dem Kauf des Handy-Riesen Nokia aufholen zu können.

Das sonst oft zugeknöpfte Apple bestätigte dem Tech-Blog „Recode“, dass Microsoft bei den Office-Abos, die über die Apps verkauft werden, die üblichen 30 Prozent abführen müsse. Der iPad-Konzern ließ es sich zugleich nicht nehmen, Office als Neuankömmling in einer großen Palette von Büro-Apps zu begrüßen. Apple-Chef Tim Cook schrieb auf dem Online-Netzwerk Twitter sogar persönlich eine Willkommensnachricht an den neuen Microsoft-Chef, auf die Nadella freundlich antwortete.

Zwischen den beiden Unternehmen herrschte über Jahre eine herzliche Abneigung. Apple-Gründer Steve Jobs war der Meinung, dass Elemente von Windows von der Mac-Bedienung abgekupfert seien. Zugleich musste er 1997 auf eine Geldspritze von Microsoft-Mitbegründer Bill Gates zurückgreifen, um Apple damals vor dem Konkurs zu retten.

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