IT+Technik Ökostrom bei jedem Wetter: Europas größte Batterie ist am Netz

Der Innenraum des Batteriespeichers.

Der Innenraum des Batteriespeichers.© WEMAG/ Rudolph-Kramer

Immer mehr Energie in Deutschland wird aus Sonne und Wind gewonnen. Das Problem: Das Wetter wechselt - Wind und Sonne liefern mal mehr, mal weniger Energie. Ein Batteriespeicher soll die Schwankungen ausgleichen.

Während immer größere Windräder, großflächige Solarparks und immer mehr Biogas-Anlagen Strom in die Netze speisen, stellt sich zunehmend die Frage, wie die stark witterungsabhängige Ökostrom-Produktion effektiv reguliert und eine sichere Versorgung gewährleistet werden kann.

Ein riesiger Batteriepark soll künftig kurzfristige Schwankungen im deutschen Stromnetz ausgleichen. Am Dienstag ging er in Schwerin ans Netz. Wie der Energieversorger Wemag als Investor und künftiger Betreiber mitteilte, bringen 25.000 Lithium-Ionen-Akkus eine Gesamtleistung von fünf Megawatt. An der Inbetriebnahme nahm auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) teil.

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Die zunehmende Einspeisung von witterungsabhängigem Ökostrom aus Solar- und Windparks erfordert nach Expertenangaben größere Batteriespeicher. Der Bund förderte das rund 6 Millionen Euro teure Projekt in Schwerin mit 1,3 Millionen Euro.

Netzstabilität bei jeder Witterung

„Die Energieversorgung in Deutschland hat sich geändert. Mit der zunehmenden Einspeisung von witterungsabhängigem Ökostrom aus dezentralen Solar- und Windparks wird der Regelungsbedarf im Netz höher. Mit diesem kraftwerksunabhängigen Speicher sind wir gemeinsam mit unserem Partner Younicos Vorreiter“, erklärte Wemag-Vorstand Thomas Pätzold. Seit acht Jahren arbeiten Wemag und die Berliner Start-up-Firma an der Technologie, die nun in Schwerin den Praxistest bestehen soll.

Der Batteriepark mit einer Gesamtleistung von fünf Megawatt ersetze bei der Sicherung der Netzstabilität eine 50-Megawatt-Gasturbine. Kurzfristig könnten Frequenzdifferenzen von bis zu 0,2 Hertz kompensiert werden, sagte Pätzold.

Gabriel hob hervor, dass der Batteriespeicher ohne weitere staatliche Subventionen betrieben werde. „Die Energiewende muss gelingen, ohne dass sie permanent neue Kostensteigerungen auslöst“, sagte Gabriel. Der Batteriespeicher in Schwerin leiste einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Netzstabilität im Sekundenbereich.

Speichertechnologie als Umweltschutz

Für die Entwicklung neuer Systeme zur längerfristigen Speicherung überschüssigen Ökostroms sei aber noch ausreichend Zeit. „Vieles klingt logisch. Aber es gibt auch die Sorge um kostenträchtige Entwicklungen und hohe Subventionen“, sagte der Minister. Der Bund unterstütze daher Forschungsprojekte zur Umwandlung von Strom zu Gas oder Wärme.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sagte, moderne Akkus und andere Speichertechnologien könnten bei der Gewährleistung der Versorgungssicherheit die Aufgaben von Kohle- und Gaskraftwerken übernehmen. Dies sei ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, weil weniger fossile Brennstoffe verfeuert werden müssten und so weniger CO2 anfalle.

„Wir brauchen verschiedene Speicher. Einmal, um etwa überschüssigen Windstrom an stürmischen Tagen für die spätere Nutzung bei Flaute gewissermaßen auf Halde legen zu können“, erklärt Thomas Pätzold, Vorstand des regionalen Energieversorgers und künftigen Batteriepark-Betreibers Wemag. Dazu würden bislang vor allem Pumpspeicherwerke genutzt, aber auch neue Technologien wie die Wasserstoffgewinnung und -nutzung erprobt.

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