Industrie 4.0 6 Tipps für Erfolg in einer vernetzten Welt

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Schnell eine Schale mit dem 3D-Drucker ausdrucken: In der Maker Economy produzieren die Kunden ihre Produkte selbst.

Schnell eine Schale mit dem 3D-Drucker ausdrucken: In der Maker Economy produzieren die Kunden ihre Produkte selbst.© nikkytok / Fotolia.com

Unsere Welt wird vernetzt - das stellt die Industrie vor Herausforderungen. Die Kreativwirtschaft hat diesen Wandel schon hinter sich. Wie man von ihren Erfahrungen profitieren kann, schreibt impulse-Bloggerin Antje Hinz.

Diese vierte industrielle Revolution, die auf Mechanisierung, Massenproduktion und Automatisierung folgt, verändert die Rolle des Menschen in der Arbeitswelt radikal. Maschinen übernehmen monotone Prozesse, sind miteinander vernetzt und steuern sich selbst. Längst rollen Saug-, Wisch- und Mähroboter durch unsere Wohnungen und Gärten, wenn auch noch eher nach dem Zufallsprinzip.

Eine ähnliche Umwälzung hat die Kultur- und Kreativwirtschaft bereits hinter sich: Literatur, Musik und Filme sind nicht nur als Bücher, CDs und DVDs verfügbar, sondern auch im Internet. Dadurch haben sich neue Erlösmodelle entwickelt und neue Märkte erschlossen. Über Online-Portale können Kunden grenzüberschreitend erreicht werden, Algorithmen helfen, die Werbung noch gezielter zu platzieren. Doch die Nutzungslizenzen der Online-Portale bieten für die meisten kreativen Urheber noch keine Lebensgrundlage. Bestehende Verfahren müssen stetig optimiert und hinterfragt werden: Welchen Wert haben kreative Inhalte und geistige schöpferische Leistungen?

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Von den Erfahrungen der Kultur- und Kreativwirtschaft können andere Branchen profitieren – beispielsweise die Industrie bei der Anpassung an die Industrie 4.0.

 Nutzen Sie offene Content-Portale

Wie die Kultur- und Kreativwirtschaft nutzt auch die Industrie offene Online-Plattformen mit Konstruktionsplänen, virtuellen 3D-Modellen und Patenten. Darauf bauen wiederum neue Wertschöpfungsketten auf, die auf Erfindergeist und Individualität basieren. Die Games-Industrie zum Beispiel wäre heute undenkbar ohne 3D-Modelle.

So wie das Onlinelexikon Wikipedia stetig von der Wissensgemeinschaft erweitert wird und gemeinsam ein regional adaptierbares „WikiHouse“ entwickelt hat, arbeiten auch auf der Plattform „OpenStructures“ Designer, Konstrukteure und Architekten kollaborativ an neuen Entwürfen.

Die Organisation „Open Source Ecology“ bietet auf ihrer modularen Plattform Baupläne von 50 verschiedenen industriellen Maschinen, die sich im Eigenbau zu einem Bruchteil der üblichen Kosten herstellen lassen sollen.

Experimentieren Sie mit der Maker Economy

Die Produktion der Zukunft wird sich immer stärker am Kundenbedarf ausrichten. Neben Big-Data-Erkenntnissen werden kommunikative und kreative Kompetenzen weiterhin gebraucht, um die Wünsche der Nutzer zu erfüllen. Gefragt sind Produkte in Einzel- und Kleinserien mit hoher Typen- und Variantenvielfalt.

In Zukunft kann wahrscheinlich jeder zum Produzenten werden und Dinge für den täglichen Gebrauch selbst herstellen – mit Datenbanken im Internet, 3D-Drucker und Laser-Cutter. Diese neue „Maker Economy“ verbindet Do-It-Yourself-Ideen mit digitaler Technik. Unternehmen können dadurch aber auch Prototypen und Kleinserien bei kreativen Einzelunternehmern um die Ecke produzieren lassen und gefragte Produkte schneller am Markt anbieten.

Es ist nicht abwegig, dass ein 3D-Drucker erst im Transportlaster auf der Fahrt zum Kunden das gewünschte Teil in Form bringt. Zahnärzte nutzen die Technik für maßgeschneiderte Implantate schon länger. Die Autoindustrie zieht nach: Die Hamburger Firma Meyle fertigt zum Beispiel seltene Ersatzteile für Oldtimer im 3D-Druck.

Teilen Sie Ihre Ideen in Techshops, Fablabs und Makerspaces

Das Fablab aus der Lerchenstrasse 16A in Hamburg. © Antje Hinz

Der 3D-Drucker im Hamburger Fablab in der Lerchenstrasse 16A. Das bunte Druckmaterial, das sogenannte Filament, ist auf großen Spulen aufgewickelt worden. © Antje Hinz© Antje Hinz

Die Idee des Fabrication Laboratory (Fablabs) stammt aus den USA vom Massachusetts Institute of Technology, dem Center for Bits and Atoms. FabLabs sollten ursprünglich Menschen aus sozial schwachen Regionen eine kostenlose technische Weiterbildung bieten sowie die Möglichkeit zum Realisieren eigener Ideen. Dazu stehen ihnen nicht-kommerzielle Werkstätten mit computergesteuerten Maschinen zur Verfügung. Fablabs und Techshops, Werkstätten zur Produktherstellung, sind günstig und dadurch auch für Start-ups und Kleinunternehmer attraktiv.

In Deutschlands neuen Hightech-Werkstätten treffen Einzelunternehmer, Erfinder, Handwerker und Internet-Spezialisten aufeinander, feilen an Prototypen und am Produktdesign. Sie entrichten einen Monatsbeitrag wie in einem Verein und können dafür die vorhandenen Geräte nutzen – so oft und so lange sie wollen: 3D-Drucker, Laser, Vinyl-Cutter, Metallfräsen, Stahlpressen, Bügelpressen, Nähmaschinen, Lötkolben und Computer. Neben den Geräten werden auch Wissen und Erfahrungen geteilt.

Spüren Sie Kreativität auf

Wenn Sie auf der Suche nach talentiertem Nachwuchs und frischen Ideen sind, erweitern Sie in den Fablab und Techshops Ihren Blickwinkel. Neue Impulse erhalten Sie in diesen Werkstätten auf jeden Fall.

Je kürzer die Lebenszeiten von Produkten sind, umso kontinuierlicher müssen Produktionsprozesse verbessert und Fehler reflektiert werden. Dafür ist das Engagement der Mitarbeiter gefragt, ebenso Eigenverantwortung und Kreativität. Diese Kompetenzen lassen sich im Rahmen von Workshops und künstlerisch-kreativen Aktionen trainieren.

Arbeiten Sie mit Robotern

Experten schätzen, dass in den nächsten vier Jahren weltweit etwa 30 Millionen Hilfsroboter verkauft werden. Zum Beispiel hat die Münchner Firma Magazino, ein Start-up der TU München, Greifarme entwickelt, die auf Knopfdruck Medikamentenpackungen ein- und aussortieren können. Die Logistikbranche verwendet inzwischen eine Vielzahl an „Pick-and-Place Systemen“.

Andere Unternehmen setzen Roboter als verkaufsfördernde Attraktion ein: In den Berliner und Münchner Konzeptstores von „Solebox“ rangiert ein weiß glänzender Maschinenmensch vor den Augen der Kunden und reicht den gewünschten Schuh aus dem Hochlager direkt zum Anprobieren in den Verkaufsraum.

Bilden Sie sich weiter

Dennoch wird der Mensch nicht in allen Bereichen zu ersetzen sein. In der digitalisierten Filmbranche setzen Sounddesigner nach wie vor auf das Handwerk von Geräuschemachern: zum Beispiel bei der Aufnahme von Schritten auf einer Holztreppe.

Der Mensch wird auch in Zukunft seine Nischen finden – vorausgesetzt, er bildet sich ständig weiter. Lebenslanges Lernen wird Herausforderung und Pflicht. In unserer Wissensgesellschaft wird jeder ständig dazulernen müssen – bis ins hohe Alter. Hier sind Motivation und Anreizsysteme gefragt.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft, vor allem die Gamesbranche, vernetzt sich schon heute mit Bildungsinstitutionen, um Lernende mit kreativen und spielerischen Elementen zu unterstützen.

Inspirationstipps

Film-Interview und Präsentation mit dem Geräuschemacher Carsten Richter

Community-Plattform für den Bau eines Hauses, das sich an regionale Gegebenheiten anpassen lässt

FabLabs in Deutschland: innovative, nachhaltige Lösungsansätze für Wirtschaft und Gesellschaft

Online-Plattform für kollaborative Konstruktionsmodelle

Selbermachen statt Einkaufen: Miniwerkzeuge aus dem 3D-Drucker

Modulare, kostengünstige, leistungsstarke Plattform der Organisation Open Source Ecology mit Bauplänen für den Eigenbau von 50 verschiedenen industriellen Maschinen

Studie des Fraunhofer-Instituts IAO zur Produktionsarbeit der Zukunft – Industrie 4.0

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