IT+Technik Telekom garantiert Verbleib von E-Mails in Deutschland

Wer liest mit, wenn eine E-Mail verschickt wird? Die Telekom garantiert nun den Verbleib der Daten in Deutschland.

Wer liest mit, wenn eine E-Mail verschickt wird? Die Telekom garantiert nun den Verbleib der Daten in Deutschland.© Julien Eichinger - Fotolia.com

Eine E-Mail von Bremen nach München schicken, möglicherweise über den Umweg USA und die NSA liest problemlos mit? Die Telekom versichert für den Austausch unter ihren Kunden: Die Daten bleiben im Land.

Telekom-Chef Tim Höttges garantiert Kunden des Konzerns den Verbleib ihrer E-Mails in Deutschland. „Für unsere Privatnutzer in Deutschland haben wir das nationale Routing bereits umgesetzt“, sagte Höttges der „Welt am Sonntag“. Sie könnten sicher sein, dass ihre E-Mails auf dem Weg etwa von Bremen nach München nicht das Land verließen, wenn beide Nutzer bei der Telekom seien.

Höttges zeigte sich enttäuscht von der Reaktion auf seinen Vorschlag, Datenverkehr möglichst in Deutschland oder im Schengen-Raum zu routen. Die Telekom hatte dies nach den Enthüllungen des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden vorgeschlagen. Der Vorstoß habe bisher aber weder in der Politik noch bei den Unternehmen den Zuspruch gefunden, den er hätte haben können. „Das hängt in vielen Fällen auch mit den Kosten zusammen, die geringer sein können, wenn man Daten über das Ausland leitet, wo Leitungsüberkapazitäten bereitstehen“, sagte der Telekom-Chef.

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Trotzdem wolle er den Vorschlag nicht fallen lassen. „Aber wir zwingen niemanden in eine solche Lösung.“ Wenn Unternehmenskunden es wünschten, biete die Telekom ihnen an, dass ihre Daten nicht die Europäische Union verlassen.

Hackerangriffe: 92 Prozent der Firmen in Deutschland sind bereits attackiert worden

Die Gefahr, zum Ziel eines Hackerangriffes zu werden, nimmt nach Ansicht des Telekom-Chefs zu. „Allein weil die Digitalisierung und Vernetzung auch innerhalb der Industrie zugenommen hat, wird natürlich die Angriffsfläche größer“, sagte Höttges zum Auftakt des „Cyber Security Summit“ am Montag. Die Konferenz wird von der Telekom und der Münchener Sicherheitskonferenz  2014 zum dritten Mal veranstaltet. Nach einer aktuellen Studie der Telekom sind 92 Prozent der Firmen in Deutschland bereits attackiert worden.

Höttges mahnte eine einheitliche europäische Datenschutzverordnung an. Es könne nicht sein, dass es einen Export von persönlichen Daten über Rechtslücken in einen anderen Rechtsraum gebe. „Wir müssen ein gemeinsames Verständnis schaffen, wie Datenschutz und Datensicherheit in einer globalen digitalen Welt stattfinden soll.“

Verschlüsselungscodes mit Hintertüren

Auch Staaten werden vermehrt mit digitalen Bedrohungen konfrontiert. „Es ist eine ganz neue Form der Kriegsführung“, sagte Sorin Ducaru, der das Verteidigungsbündnis Nato zu neuen Sicherheitsgefahren berät. Er berichtete von immer geschickterer Manipulation von Informationen, die auch über soziale Netzwerke verbreitet werde. Die Nato sei auch für Verteidigung im Cyberspace verantwortlich, betonte Ducaru.

Der Vorsitzende der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, mahnte den Schutz von wichtiger Infrastruktur gegen digitale Attacken an. Cyberangriffe „rücken auf der sicherheitspolitischen Prioritätenlisten ganz nach oben“, sagte Ischinger.

Beim Schutz von Computersystemen und Software warnte der Sicherheitsexperte Andy Müller-Maguhn vor Schwachstellen auch in vermeintlich sicheren Programmen. Der NSA-Skandal habe gezeigt, dass Firmen unter Umständen gesetzlich verpflichtet werden können, Daten weiterzugeben oder Geheimdiensten den Zugriff zu ermöglichen. „Es ist also ganz wichtig, dass die Verlässlichkeit von Verschlüsselung überprüft werden kann“, sagte Müller-Maguhn. Unabhängige Fachleute sollten Verschlüsselungscodes auf Hintertüren abklopfen können.

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