IT+Technik Vernetzte Geräte: Wenn die Bohrmaschine ins Chefbüro funkt

Schraubenzieher war gestern: Bald könnten vernetzte Werkzeuge zum Einsatz kommen und die Effizienz steigern.

Schraubenzieher war gestern: Bald könnten vernetzte Werkzeuge zum Einsatz kommen und die Effizienz steigern. © Maik Meid / Flickr.com / CC BY-SA 2.0

Bohrmaschinen, die ihren Standort übermitteln, Scheuermaschinen, die protokollieren, wo sie geputzt haben - vernetzte Maschinen sollen die Effizienz steigern. Doch die Gewerkschaften wittern Gefahren.

„Sie können nicht überall sein. Aber alles wissen!“ Mit diesem Spruch wirbt Kärcher auf seiner Webseite für sein Flottenmanagement. Was in manchen Ohren bedrohlich klingen mag, soll die Arbeit für Kärcher-Kunden vereinfachen. Wird eine Kehrmaschine der Firma beispielsweise nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt eingeschaltet, meldet sich das Gerät beim Schichtleiter. Via GPS oder Mobilfunk kann der dann orten, wo die Maschinen gerade eingesetzt werden, wann welche Leistung erbracht wird und in welchem Zustand sie sich befinden. Haben die Reinigungsmaschinen ein Problem, funken sie selbstständig einen Service-Techniker an, der sie warten soll.

Alles noch Zukunftsmusik? Von wegen! „In Deutschland ist das längst kein Nischenmarkt mehr“, sagt Erik Brenneis von Vodafone. Eine Umfrage des Mobilfunkanbieters unter weltweit 650 Unternehmen ergab, dass gut 27 Prozent der Befragten solche Möglichkeiten nutzen. „Wir erkennen Merkmale eines neuen Markts, der in die Reifephase übergeht“, so Brenneis. Die Anwendungen nähmen stark zu.

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Im Einzelhandel habe es den größten Sprung gegeben. Ebenfalls großen Zuwachs sehe man bei vernetzten Fahrzeugen. Im Rahmen des Flottenmanagements für Spediteure oder Mietwagenfirmen könne beispielsweise das Fahrerverhalten kontrolliert werden. Versicherer haben Interesse an Anwendungsbeispielen, damit sie Policen je nach Nutzerverhalten anbieten können.

Falsches Ersatzteil? Dann leuchtet ein rotes Licht auf

Boschs Werkzeugsparte Power Tools stattet ihre Geräte künftig mit einem entsprechenden Sender aus, der hilft, die Schrauber und Bohrmaschinen zu orten. Mit Hilfe einer App soll dann genau nachverfolgt werden, welcher Apparat bei welchem Kollegen gerade in Gebrauch ist. Auf diese Weise würden Arbeitsabläufe vereinfacht und die vorhandenen Werkzeuge besser ausgelastet.

Im industriellen Bereich – etwa bei der Flugzeugmontage – testet Bosch im Rahmen eines Projekts vernetzte Werkzeuge, die helfen sollen, Fehlern auf die Spur zu kommen. Das Eindrehen von Schrauben kann inzwischen zentral erfasst werden: eine Hilfestellung bei der Qualitätskontrolle. „Sollte ein Mitarbeiter ein Werkzeug irrtümlich für den falschen Zweck oder am falschen Ort nutzen wollen, schaltet sich das Werkzeug ab“, heißt es bei Bosch.

In einem Werk von Bosch Rexroth werden Mitarbeiter noch unmittelbarer vor Fehlern bewahrt. Dort werden auf einer Produktionslinie aus mehr als 2000 verschiedenen Komponenten rund 200 Varianten hydraulischer Steuerblöcke für Traktoren oder Lkw gefertigt. An den Arbeitsstationen werden die Werkstücke per RFID-Funktechnik automatisch erkannt und der zugehörige Arbeitsplan abgerufen. Greift der zuständige Mitarbeiter versehentlich in eine Kiste mit falschen Teilen, wird dies mit Hilfe einer Lichtschranke erkannt. Ein rotes Licht leuchtet auf. So werden die Fehler in der Produktion vermieden, gleichzeitig aber Fehlgriffe der Mitarbeiter dokumentiert.

Gewerkschaft hat Angst vor Kontrolle der Mitarbeiter

Arbeitnehmervertreter sind alarmiert. Grundsätzlich sei gegen solche technischen Neuerungen zur Fehleranalyse zwar nichts einzuwenden, sagt Constanze Kurz, Leiterin des Ressorts „Zukunft der Arbeit“ bei der IG Metall. Ein Problem sieht die Gewerkschafterin allerdings, wenn technologische Daten mit Personaldaten abgeglichen oder nach Leistungsverhalten ausgewertet werden. „Wir brauchen dafür Vereinbarungen.“

Das Mitspracherecht von Betriebsräten dürfe nicht verletzt werden. Sonst könne es passieren, dass die technischen Neuerungen auf Skepsis in der Belegschaft stoßen und nicht produktiv eingesetzt werden können. „Die digitalen Möglichkeiten funktionieren nur, wenn die Belegschaft sie akzeptiert“, warnt IG-Metallerin Kurz. Dafür dürften nicht nur Führungskräfte einbezogen werden. „Sonst schüren Sie Ängste.“

Bei Kärcher wehrt man ab: Eine Kontrolle der Mitarbeiter sei nicht die Absicht dahinter, sagt ein Sprecher. Kärcher wolle seinen Kunden vielmehr die Möglichkeit geben, die Erfüllung ihrer Verträge nachzuweisen. Eine Reinigungsfirma könne mit Hilfe der vernetzten Scheuermaschinen beispielsweise belegen, dass die Maschinen auch wirklich in jede Ecke bewegt wurden.

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