Leben Achtung, Spucke! Wie Wandern mit Lamas zum Freizeit-Event wird

Spucken lieber auf Artgenossen als auf Menschen: Lamas.

Spucken lieber auf Artgenossen als auf Menschen: Lamas.© Alois Staudacher/Flickr/Lizenz: CC BY 2.0

Die einen verschenken Fallschirmsprünge, die anderen Wanderungen mit Lamas: Das sogenannte Animal Trekking - also Wandern mit Tieren - wird mittlerweile in ganz Deutschland als Freizeitspaß angeboten. Für Teilnehmer hat das aber auch so manche Tücken.

Ines Ladig wandert gewissermaßen mit der Angst im Nacken. „Ich verlasse mich jetzt mal darauf, dass sie nicht spucken“, sagt die 33-Jährige. Auf ihrer Tour durch das baden-württembergische Leintal hat sie nämlich ungewöhnliche Wegbegleiter: Lamas. Die Wanderung mit den zotteligen Tieren ist ein Geburtstagsgeschenk für eine Freundin, die auch mit von der Partie ist. Das sogenannte Animal Trekking – also Wandern mit Tieren – wird inzwischen in ganz Deutschland als Freizeitspaß angeboten.

„Es ist schon fast, als würde man eine Ballonfahrt verschenken“, sagt Ladigs Freund Joe Brettle. Allein wäre er aber wohl nicht auf die Idee gekommen, mit spuckenden Tieren durch Wald und Wiesen zu ziehen, sagt er. Tatsächlich trottet die Gruppe letztlich völlig unbenässt durch die Wiesen und Felder des Leintals.

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„Jeder, der kommt, fragt natürlich nach dem Spucken“, sagt Susanne Ott, die die Lama-Wanderungen anbietet. Dabei zielten die Tiere vor allem auf Artgenossen und weniger auf Menschen – nur in die Schusslinie dürfe man nicht geraten. „Lamas sind Wiederkäuer“, erklärt Ott. „Wenn die Gras gefressen haben, dann kann das richtig grün aussehen.“

Wie Hunde an der Leine

Warum man sich freiwillig diesem Risiko aussetzt? „Ich bin Steuerberaterin“, sagt Ines Ladig. „Das mit den Tieren ist mein Ausgleich.“ Da sie selbst Pferde habe, sei die Wanderung mit Lama-Dame „Bisquit“ für sie eher wie ein Spaziergang. Für die etwa sechs Kilometer braucht die Truppe insgesamt zwei Stunden. Die Lamas halten sie währenddessen wie einen Hund an der Leine.

Eines unterscheidet Lamas aber von Haustieren: „Es sind keine Kuscheltiere – auch wenn sie so kuschelig aussehen“, sagt Veranstalterin Ott. Freundliches Tätscheln am Hals, Anschmusen von Kinderhand? Lassen Lamas mehr so über sich ergehen. Auch sonst sind die Fellbündel eher unentspannt unterwegs – und inspizieren mit aufgestellten Ohren und wackelndem Kopf ständig ihre Umgebung. Je unruhiger die Menschen sind, desto nervöser werden auch die Lamas.

Genau das macht sie Ott zufolge allerdings zur idealen Wanderbegleitung. „Gerade zappelige Kinder merken dann: Ich muss ruhiger werden“, erklärt sie. Die Heilpädagogin setzt das Lama Trekking daher auch zu therapeutischen Zwecken ein. Für manche sei die Wanderung auch eine Bestätigung: „Ich schaffe das mit dem Tier.“ Die Lamas sollen so auch beruhigend auf die Teilnehmer wirken.

Spuckattacke auf die Neuankömmlinge

Bei anderen Anbietern steht eher der Event-Charakter im Vordergrund: Steffen Schindel bietet im brandenburgischen Lindow Animal Trekking gleich mit einem ganzen Stall verschiedener Tiere an. Teilnehmer können zwischen Ziegen, Mulis, Eseln, Hunden, Ponys und Lamas wählen. „Einfach das Naturerlebnis mit einem zusätzlichen Erlebnis verbinden“ mache den Reiz des Ganzen aus, glaubt Schindel. „Ich bin mittlerweile jedes Wochenende unterwegs – unter der Woche auch mit Schulklassen.“

Auch in der Lüneburger Heide oder im Rheingau gibt es bereits Lama Trekking. Im Teutoburger Wald wird Wandern mit Alpakas angeboten. „Lamas eigenen sich gut, da sie ein ausgeglichenes Wesen haben, auf Distanz gehen und damit auch ein gefahrloser Umgang zum Beispiel mit behinderten Menschen möglich ist“, sagt Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund. Grundsätzlich sei es aber wichtig, dass die Tiere nicht vermenschlicht und auf den Touren nicht überfordert würden.

Und, wie war’s? „Total witzig“, sagt Ines Ladig hinterher. Da treffen die Lamas auf der Koppel gerade auf ihre daheimgebliebenen Artgenossen. Dann plötzlich: Gerangel, Tritte – und eine Spuckattacke auf die Neuankömmlinge. Die Wandertruppe bleibt davon allerdings verschont. Zumindest dieses Mal.

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