Leben Auf Rügen ist der Wurm drin

Kleine Würmer, großer Ärger: Auf Rügen hat sich eine Provinzposse rund um Regenwürmer im Sportplatzrasen entwickelt.

Kleine Würmer, großer Ärger: Auf Rügen hat sich eine Provinzposse rund um Regenwürmer im Sportplatzrasen entwickelt.© Bernd Lang / Fotolia.com

Das wurmt die Stadtväter in Bergen auf Rügen: Vor Jahren kauften sie 200.000 Regenwürmer, um einen Fußballplatz zu entwässern. Doch sie kamen vom Regen in die Traufe.

Der Rasen ist frisch geschnitten, der Platzwart zieht Linien für das Fußballjugendturnier am Wochenende: Optisch macht der Rasen im Ernst-Moritz-Arndt-Stadion in Bergen auf Rügen einen guten Eindruck. Doch der Teufel steckt im Detail – genauer: im Erdreich. Unzählige Regenwürmer häufen Nacht für Nacht kleine frische Erdhügelchen auf, bringen weitere Unebenheiten in den bereits welligen Boden und machen diesen bei Feuchtigkeit äußerst glitschig.

Ein Fall für den Steuerzahlerbund

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Die Stadtpolitiker hatten 2009 aus Holland 200.000 fleißige Erdarbeiter der Marke „Dutch Nightcrawler“ kommen lassen, weil Pfützen den Rasen des gerade sanierten Stadions unbespielbar machten. Doch der gewünschte Erfolg blieb aus, und nun will die Stadt die Würmer laut einem Beschluss ihres Hauptausschusses wieder loswerden. Wie der Stadtvertreter-Präsident Eike Bunge (CDU) sagte, sind dafür 19.500 Euro eingeplant. Das schafft politischen Zündstoff – zumal die Würmer schon 2010 ein Fall für den Steuerzahlerbund waren.

„Das ist völlig unverhältnismäßig“, wettert die designierte Bürgermeisterin Anja Ratzke über die geplante Aktion. „Wir haben viel größeren Handlungsbedarf an anderen Stellen beispielsweise in Schulen.“ Die Unternehmerin, die im Oktober das Bürgermeisteramt übernimmt, sitzt zwar selbst in der Stadtvertretung, aber nicht im Hauptausschuss und erfuhr erst im Nachgang von dem Beschluss.

Schon vor sechs Jahren hatte die Stadt für den Kauf der Würmer rund 8000 Euro gezahlt, nachdem das Regenwasser auf dem Spielrasen nicht abfloss, weil der Unteraufbau Mängel aufwies. Die Stadt klagte gegen die Baufirma – verlor aber den Rechtsstreit. Zudem ließ die Stadt wegen der Unbespielbarkeit des Feldes einen Hartplatz für rund eine Million Euro mit Kunstrasen aufbessern – gefördert aus dem Konjunkturpaket des Bundes, wie die Steuerwächter damals rügten.

Der Plan: Die Würmer austreiben, einsammeln und anderswo aussetzen

Bei der nun geplanten Regenwurm-Vertreibung handelt es sich nach Angaben der noch amtierenden Bürgermeisterin Andrea Köster (CDU) um „eine Regulierungsmaßnahme, um den Platz auf Dauer wieder bespielbar zu machen“. Mehr wolle sie dazu in der Öffentlichkeit nicht sagen.

Wie Stadtpräsident Bunge erläuterte, wird für die Umsiedlung der Regenwürmer Biodyozon eingesetzt. Dabei handle es sich um ein umweltfreundliches Mittel, das die Tiere an die Oberfläche treibt. Helfer – so der Plan – sollen die Tiere dann einsammeln und an anderer Stelle wieder aussetzen.

„Das ist eine kleine Provinzposse“, gesteht Bunge ein. „Aber wir müssen da jetzt durch.“ Der Platz solle zur Fußballsaison 2015/2016 wieder voll nutzbar sein. „Es ist eine Menge Geld, aber der Platz muss wieder bespielbar werden“, bekräftigt der Linkenpolitiker Peter Wendekamm, der im Ausschuss den Beschluss mittrug. Inzwischen liege ein Drainagesystem im Untergrund. Nun müssen nur noch die Würmer raus. „Wir hoffen, dass wir das Problem dann endgültig los sind.“

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