Leben Betreiber in Aufruhr: Wanderhütten droht Schließung wegen des Mindestlohns

Wegen des Mindestlohns geschlossen: die Gräfensteinhütte im Pfälzer Wald bei Merzalben (Rheinland-Pfalz).

Wegen des Mindestlohns geschlossen: die Gräfensteinhütte im Pfälzer Wald bei Merzalben (Rheinland-Pfalz).© dpa

Bedroht der Mindestlohn nun auch Vereinsheime und deren Gaststätten? Betreiber von Wanderhütten in Deutschland fürchten, dass die beliebten Ausflugsziele reihenweise dichtmachen müssen, wenn sie den Wirten auch 8,50 Euro pro Stunde zahlen müssen.

Der Mindestlohn sorgt landauf, landab für Diskussionen – und manchmal auch für mehr als das. Im Pfälzerwald seien viele Betreiber von Wanderhütten über die Neuregelung entsetzt, sagt der Geschäftsführer des Pfälzerwald-Vereins (PWV), Bernd Wallner. Sie befürchten nach seinen Worten, dass sie die beliebten Ausflugsziele im größten zusammenhängenden Waldgebiet Deutschlands reihenweise dichtmachen müssen, wenn sie den Ehrenamtlichen, die die Hütten bewirtschaften, 8,50 Euro die Stunde zahlen müssen. Die Stimmung sei „stark aufgeheizt“, sagt Wallner. „Es kann nicht sein, dass diese ganze Hüttenkultur mit einem Federstrich kaputtgemacht wird.“

Woher rührt die Angst? Erst kürzlich hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) betont, dass ehrenamtliche Arbeit nicht an den Mindestlohn gebunden sei. Aber im Pfälzerwald ist die Situation kompliziert. Von den etwa 100 PWV-Hütten bieten 85 Speisen und Getränke an, etwa die Hälfte davon wird von Ehrenamtlichen bewirtschaftet. Viele von ihnen erhalten zum Dank ein paar Euro die Stunde und sind ordnungshalber als Minijobber gemeldet. Und für die gilt seit dem 1. Januar der Mindestlohn. Den aber können sich die Vereinsgliederungen nicht leisten. Dafür seien die Einnahmen zu gering, sagt Ottmar Klein von der PWV-Ortsgruppe Merzalben. Seine Hütte hat deshalb seit Jahresbeginn nicht mehr aufgemacht.

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In der bei Wanderern und Mountainbikern beliebten Schenke sorgen sonst immer sonntags zwei Männer und zwei Frauen für Speis und Trank. Sie sind am Umsatz beteiligt und kommen bei guten Einnahmen auf drei bis vier Euro die Stunde. Immerhin, so Klein, fahren sie mit dem eigenen Wagen zur Hütte. Fielen nun 8,50 Euro an, inklusive Sozialabgaben sogar 12 Euro, dann koste eine Zehn-Stunden-Schicht 480 Euro. Zuzüglich der Ausgaben für Wasser und Strom sei das nicht mehr zu schaffen. „Wie es weitergeht, weiß ich schlicht nicht, wir hängen in der Luft“, sagt Klein.

Wo die Grenze zum Ehrenamt liegt

Das Bundesarbeitsministerium, das den Mindestlohn als gerecht verteidigt, hat klargestellt, dass es von den Verhältnissen der Helfer abhängt, ob sie Ehrenamtliche oder Arbeitnehmer sind. Ehrenamtlich ist die Arbeit demnach, wenn sie nicht dazu dient, die eigene Existenz zu sichern oder zu verbessern, sondern Ausdruck einer inneren Haltung gegenüber dem Gemeinwohl ist. Arbeite jemand dagegen des Geldes wegen als geringfügig Beschäftigter, so sei er Arbeitnehmer, für den der Mindestlohn gelte. „Damit kommt es auf die Betrachtung jeder einzelnen Hütte und der dort Beschäftigten an“, teilte Ministeriumssprecher Christian Westhoff mit.

Der Verein will jedoch ganz genau wissen, was er tun muss. Es gebe viele Ideen, zum Beispiel, dass Helfer zum Teil ehrenamtlich arbeiteten und zu einem anderen Teil, vertraglich festgelegt als Minijobber mit Mindestlohn. Aber man brauche die Sicherheit, dass ein Modell rechtens sei, sagt Wallner. Denn man wolle ausschließen, dass die Behörden bei einer späteren Prüfung sagten: So nicht – und dies dann Konsequenzen habe. Aufschlüsse erhofft sich Wallner von einem Gespräch mit Vertretern von Bundesarbeits- und Finanzministerium in Berlin am Freitag.

Auch Gaststätten von Sportvereinen droht das Aus

Auch die Naturfreunde hätten diese Probleme, sagt Stephan Schenk, Fachgebietsleiter für Naturfreundehäuser bei der Organisation, die bundesweit an die 400 Gebäude unterhält. Allein im Pfälzerwald gelte das für etwa zwölf Hütten und insgesamt für eine nennenswerte Zahl. Auch hier könnte am Ende die Schließung stehen. Es gehe aber auch um Gaststätten von Sportvereinen, wenn die von Mitgliedern für ein kleines Dankeschön betrieben würden. Letztlich gehe es aber um mehr, nämlich um die Frage, wie man ehrenamtliche Arbeit bewerte, die nicht mit der Ehrenamtspauschale von 720 Euro im Jahr abzudecken sei.

Ob das Thema noch andere Vereine in Deutschland umtreibt, habe man noch nicht flächendeckend erhoben, sagt Erik Neumeyer vom Deutschen Wanderverband. Bundesweit unterhalten Gebirgs- und Wandervereine – ohne die Naturfreunde – 504 Wanderhütten oder -heime. Die Betriebsstruktur reicht von der Verpachtung bis zum reinen Ehrenamt.

Der Pfälzerwald-Verein ist nach einem Gespräch mit Mitarbeitern von Bundesarbeits- und Finanzministerium am Freitag immerhin etwas optimistischer. Der Lösungsansatz: Ehrenamtliche Arbeit soll künftig auch so genannt werden, wenn die Kriterien dafür erfüllt sind – und nicht geringfügige Beschäftigung. Dann ist auch kein Mindestlohn fällig.

1 Kommentar
  • Dr. Böhm 4. Februar 2015 08:05

    Ist doch kein Problem,
    wenn Geld für 1600 Zöllner da ist, die den Mindestlohn kontrollieren, dann findet unsere sozialistische Regierung sicher auch eine Lösung für die Wanderhütten. Die werden einfach verstaatlicht und von Bundesbeamten betrieben. Dann kostet das alles gar nichts mehr und wird endlich ordentlich gemacht. Für die Mountainbiker und Wanderer ist das auch viel besser, keine Überraschungen mehr auf der Speisekarte; kann man alles im Fünfjahresplan vorab lesen.

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