Bridge of Spies Kann Steven Spielberg Agentenfilme?

"Bridge of Spies" war bereits die vierte Zusammenarbeit für Hanks und Spielberg.

"Bridge of Spies" war bereits die vierte Zusammenarbeit für Hanks und Spielberg.© 2015 Twentieth Century Fox

KGB, Kalter Krieg und ein Agentenaustausch - Steven Spielberg traut sich an das Spionage-Genre. Mit Tom Hanks setzt er in "Bridge of Spies" auf einen bewährten Star.

„Bridge of Spies – Der Unterhändler“ ist Hollywood à la Steven Spielberg. Und das macht der Großmeister der Spannung perfekt. Der dreifache Oscar-Preisträger, der den Kalten Krieg als Kind und Teenager erlebt hat, führt die Zuschauer mitten in die explosive Blockkonfrontation zwischen Ost und West, über die gerade gebaute Berliner Mauer, in streng geheime Agentenaustausch-Aktionen und packende Spionagedramen.

Wenn es um historische Stoffe geht, ist Spielberg (68) in seinem Metier. Das bewies er schon mit „Schindlers Liste“, mit „München“ über den Terroranschlag bei den Olympischen Spielen von 1972 und zuletzt mit „Lincoln“ über die letzten Monate im Leben des US-Präsidenten Abraham Lincoln.

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„Jeder Mensch verdient eine Verteidigung“

Doch „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ dreht sich um eine eher unbekannte historische Figur. Es ist ein Spionagethriller, aber mehr noch eine Charakterstudie des US-Anwalts James Donovan, der gegen seinen Willen in die politische Konfrontation verwickelt wurde.

Der Experte für Versicherungsfälle erhält plötzlich den Auftrag, den in New York festgenommenen KGB-Agenten Rudolf Abel zu verteidigen. „Jeder wird mich hassen“, prophezeit der Anwalt. „Doch jeder Mensch verdient eine Verteidigung.“ Für Donovan ist es Bürgerpflicht, sich für die amerikanischen Grundwerte stark zu machen. Wer passt besser in diese Rolle als der 59-jährige Tom Hanks? Für den zweifachen Oscar-Preisträger und Spielberg war es die vierte Zusammenarbeit nach „Der Soldat James Ryan“, „Catch Me If You Can“ und „Terminal“.

Abel ist kein Spion à la James Bond. Aber als der stoische, stille Held der gegnerischen Seite zieht der britische Theater-Schauspieler Mark Rylance (55) nicht nur die Zuschauer in seinen Bann. Auch Donovan entwickelt Sympathien für den Spion. Spielberg sieht wohlweislich von einem Gut-gegen-Böse-Drama ab.

Donovan verliert den Prozess, Abel wird schuldig gesprochen, doch der Anwalt kann das Gericht davon überzeugen, den entlarvten Top-Atomspion als mögliches Tauschobjekt nicht zum Tode zu verurteilen.

Tempelhof, Babelsberg und Polen

Schauplatzwechsel nach Europa. Dort wird 1960 der US-Pilot Francis Gary Powers mit seinem Spionageflugzeug über der Sowjetunion abgeschossen. Donovan muss auf Befehl des CIA noch einmal ran. Die USA machen den Anwalt in geheimer Mission zum Verhandlungsführer, er soll in Berlin den Austausch der Agenten einfädeln. Der findet 1962 auf der Glienicker Brücke statt, die Potsdam und Berlin verbindet. Zu Fuß überqueren sie nacheinander die verschneite Brücke, der eine gen Osten, der andere gen Westen.

Für die Dreharbeiten nahmen Spielberg und sein Team im vorigen November den Originalschauplatz in Beschlag. Sie drehten auch am ehemaligen Flughafen Tempelhof, im Filmstudio Babelsberg und in Polen. Die Potsdamer Filmfabrik ist Koproduzent des Streifens. Auch die deutschen Schauspieler Sebastian Koch (53, „Das Leben der Anderen“) als DDR-Anwalt Wolfgang Vogel und Burghart Klaußner (66, „Das weiße Band“) spielen mit.

„Ich bin ein großer Fan des Spionage-Genres“, erzählte Spielberg vor dem US-Start der „New York Times“. Doch „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ sehe er mehr als ein intellektuelles Agentendrama, das von der Kunst des Verhandelns und von Gesprächen lebe. Für das Drehbuch holte der Regisseur hochkarätige Schreiber zur Hilfe. Der britische Dramatiker Matt Charman und die oscarprämierten amerikanischen Brüder Joel und Ethan Coen („Fargo“, „No Country for Old Men“) setzten die wahren Begebenheiten in großes Hollywood-Kino um.

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