Buchtipps für Weihnachten Bücher verschenken? Ja, und zwar diese!

Mehr als eine Verlegenheitslösung: impulse-Büchermann Claus G. Schmalholz empfiehlt drei seiner Buchfavoriten als Last-Minute-Geschenkideen für Weihnachten.

Na, mal wieder kurz vor Weihnachten und noch immer kein vernünftiges Überraschungsgeschenk gefunden für die Menschen, die Ihnen doch so am Herzen liegen? Gemach, hier kommen ein paar Tipps von impulse-Büchermann Claus G. Schmalholz, auf die Sie ziemlich sicher nicht von allein gekommen wären und die das Zeug zu einem echten Überraschungscoup unterm Tannenbaum haben. Ein paar schöne Last-Minute-Geschenkideen mit garantiertem Wow-Effekt beim Beschenkten – abseits der üblichen Wirtschaftsliteratur.


„Old School“: Schnoddrig, schräg, lesenswert

old-school Mann, Mann, Mann, was für ’ne krude Story. Drei britische Mittelschicht-Damen um die 60 und ihre knapp 90-jährige Freundin im Rollstuhl rauben eine Bank aus, weil der brave Ehemann der einen beim heimlichen Sexspiel mit seiner Domina den Herztod stirbt.

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Fatale Folge: Der vermeintlich brave Gatte hatte erhebliche Steuerschulden, die nun seine Ehefrau zahlen muss. Damit sie von der Bank nicht aus dem schmucken Haus geschmissen werden kann, überfällt sie mit ihren Freundinnen kurzerhand eine andere Bank, um so den Fiskus bedienen zu können.

Das geht prompt mächtig schief. Weil sich aber auch die Polizei ziemlich dusselig anstellt, wird daraus eine wilde Verfolgungsjagd, mit einem irren Showdown im mondänen Cannes.

Die Geschichte selbst entwickelt sich mit mäßigem Tempo und ist ziemlich vorhersehbar. Doch darum geht es hier auch gar nicht so sehr. Was dieses Buch so lesenswert macht, sind das präzise Gespür für schräge Typen und der schnoddrige Schreibstil von Autor John Niven.

Der 1968 geborene Schotte hat vor sieben Jahren mit dem Roman „Kill your Friends“ seinen ersten internationalen Bestseller geliefert, eine pralle Satire über das versoffene, verkokste, versaute Musikbusiness. Nach einem Literaturstudium arbeitete er zuvor ein paar Jahre als Manager einer Plattenfirma, Niven weiß also, worüber er schreibt. „Ich war so faul wie habgierig, also genau der Richtige fürs Musikgeschäft“, sagt er.

Während dieser Zeit hätte er auch mal eine Band namens Coldplay unter Vertrag nehmen können, ließ sie aber abblitzen, weil er ihre Musik als „Radiohead für Trottel“ titulierte. Ein Fehler, der seine Karriere wohl zwangläufig in die Schriftstellerei abbiegen ließ. Im Literaturbetrieb ist Niven jedenfalls eine echte Bereicherung, weil er es immer wieder schafft, eine Reihe von Typen zu erschaffen, denen man mit großer Freude beim Schauspielern und Scheitern zuzuschauen. Das ist wörtlich zu verstehen, denn Niven schreibt auch Drehbücher und so nimmt er sich stets viel Raum, um dem Leser die Schauplätze seiner Romane zu beschreiben, mit viel Liebe zum Detail.

Ein herrliches Vergnügen, das man bald auch hierzulande im Kino erleben kann. In England kam „Kill your Friends“ vor kurzem als Spielfilm ins Kino.

John Niven, Old School, Heyne Hardcore, 400 Seiten, 19,99 Euro


The Making of Stanley Kubrick’s ‚2001: A Space Odyssey‘: Massig, faszinierend, wunderbar

2001Liebe Smombies da draußen, es gibt Bücher, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Die sind groß und schwer, zweieinhalb Kilo, um genau zu sein, mit viel, viel Text und einer Menge toller Bildern. Man kann stundenlang darin schmökern, ohne dass es langweilig wird. Mal kucken, mal lesen, mal ein riesiges Foto ausklappen, mal eine technische Zeichnung im Detail studieren.

Smombie, für alle, die es nicht mitgekriegt haben, das ist das Jugendwort des Jahres. Die Wortkomposition aus Smartphone und Zombie beschreibt jene Menschen, die von ihrer Umwelt nichts mehr mitbekommen, weil sie ständig auf ihr Smartphone starren. Die Verschmelzung von Mensch und Maschine, eine Entwicklung, die Regisseur Stanley Kubrick zumindest nicht direkt vorhergesehen hat in seinem epochalen Meisterwerk „2001: Odyssee im Weltraum“.

Über diesen Film und seine Entstehungsgeschichte hat Autor Piers Bizony ein wunderbares Buch zusammengestellt, das schon mit seiner Form die einzigartige Klasse dieses Films aufgreift. Es hat die massige Gestalt und die stumme Wucht des rätselhaften, schwarzen Monolithen, der in der Anfangssequenz des Science-Fiction-Films aus dem Jahr 1968 auftaucht. Auf über 500 Seiten breitet Bizony alles aus, was es über diesen stilprägenden Film überhaupt zu erzählen gibt. Angefangen von den ersten Drehbuchideen bis hin zu den teils unglaublich aufwendigen Studiobauten, welche die besondere Atmosphäre dieses Films prägten. Ein Raumschiff und ein paar Astronauten auf einer Reise ins Nirgendwo, geführt und letztlich getötet von Supercomputer HAL 9000.

Der Kampf Mensch gegen Maschine, von Regisseur Kubrick kongenial inszeniert und in diesem Buch auf der ganz praktischen Ebene ebenso faszinierend erklärt und erläutert: Wie um Himmels Willen drehte man 1968, vor fast fünfzig Jahren, einen solchen Film? „Wenn jemand unseren Film beim ersten Ansehen versteht, haben wir etwas falsch gemacht“, sagte Arthur C. Clarke, auf dessen Kurzgeschichte „The Sentinel“ der Film basiert. Jetzt gibt es schönes Buch, mit dem man sich genau diesem Problem auf höchst unterhaltsame Weise widmen kann.

The Making of Stanley Kubrick’s ‚2001: A Space Odyssey‘, Piers Bizony, Taschen, 562 Seiten, Sprache: Englisch, 59,90 Euro


Vermeer: Großformatig, hochwertig, verführerisch

vermeer

© National Gallery of Ireland, Dublin

Das Problem: Man liebt Kunstgemälde, hat aber nicht das Geld, um sich die Originale zu kaufen. Lösung 1: Man geht ins Museum, um sich die Ausstellung anzusehen. Dann stehen aber noch Dutzende andere Kunstbeflissene um einen herum, und stören einen beim andächtigen Blick auf das Meisterwerk. Lösung 2: Man kauft ein Buch, in dem die Meisterwerke abgebildet sind. Das ist aber buchstäblich nur das halbe Vergnügen, weil die Originale ja meist viel größer sind, als es die Abbildungen im herkömmlichen Buchformat erlauben.

Dieses Problem hat der Taschen-Verlag nun für Liebhaber des niederländischen Malers Jan Vermeer gelöst. In einem großformatigen Bild- und Leseband sind alle 37 bekannten Bilder des Künstlers zusammengestellt. Die Buchseiten sind 29 mal 39,5 Zentimeter groß. Das Mädchen mit dem Perlenohrring, eines von Vermeers bekanntesten Werken aus dem Jahr 1667, auch die „niederländische Mona Lisa“ genannt, ist darin fast in Originalgröße zu bewundern (45 mal 40 Zentimeter).

Der hochwertige Druck erlaubt einen sehr genauen Blick auf die große Kunst des Niederländers, seinen besonders virtuosen Umgang mit Licht und Schatten und seine Fähigkeit, in beinahe jedes Bild eine Art von Rätsel hineinzumalen, einen bestimmten Blick, eine flüchtige Geste, die dazu einlädt, weiter über das Motiv zu sinnieren. Ein Vergnügen, zu dem dieser Bildband immer wieder aufs Neue verführt.

Ein stilles Vergnügen, das man zuhause, in Ruhe, ganz ohne jedes Museumsgedrängel erleben kann. Und das man bei Bedarf und in einer gewissen Banausenhaftigkeit sogar noch potenzieren kann. Wer die niederländische Madonna gern zuhause hätte, kann sie nun einfach sauber mit der Rasierklinge ausschneiden und direkt an die Wand hängen. Fast so schön wie das Original. Und fast so groß wie das Original.

Vermeer. Das vollständige Werk, Karl Schütz, Taschen, 258 Seiten, 99,99 Euro

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