Leben DDR-Staatsjacht: Honeckers Amtszimmer auf dem Wasser wird verkauft

Steht zum Verkauf: die ehemalige Staatsjacht der DDR.

Steht zum Verkauf: die ehemalige Staatsjacht der DDR.© picture alliance / dpa

Erich Honecker empfing hier Nicaraguas Staatspräsidenten, DDR-Funktionäre bahnten Westgeschäfte an. Nun ist die DDR-Staatsjacht für Binnengewässer zu verkaufen - als Teil der Insolvenzmasse der Stralsunder P+S-Werften.

Wenn die „A. Köbis“ zu einer Rundtour über die Berliner Flüsse und Seen aufbrach, war die Staatssicherheit immer mit an Bord. Schließlich schipperte das knapp 36 Meter lange Schiff die politische Prominenz der DDR über Spree und Müggelsee. Unter dem Namen „Vineta“ liegt die einstige Staatsjacht der obersten SED-Kader heute auf dem Gelände der ehemaligen P+S-Werft in Stralsund. Dort steht sie als Teil der Insolvenzmasse zum Verkauf.

Hochrangige DDR-Regierungsmitglieder bahnten ab 1974 im Salon und auf dem Sonnendeck Wirtschaftsgeschäfte mit dem Westen an. Staatschef Erich Honecker lud 1985 Nicaraguas Staatspräsidenten Daniel Ortega zu einer Spritztour ein, wie Klaus Bossig für sein Buch „DDR-Führung auf Reisen“ recherchierte. P+S-Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann möchte mindestens 200.000 Euro erlösen – und preist das Gefährt an: „Das ist ein feines Schiff mit langer Tradition und mit prominenten Vorbesitzern.“

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Aber halt ein später DDR-Bau. Im Vergleich zu dem aus Edelhölzern gebauten und noch von Walter Ulbricht genutzten Vorgängerschiff sei der Nachfolgebau von 1974 ein „potthässlicher, stählerner Viereckkasten“, findet Uwe Giesler, Fachmann für DDR-Binnenschiffe. Das „Amtszimmer auf See“ erfüllte aber seinen Zweck: in allgemein ernster weltpolitischer Lage für heitere Stimmung zu sorgen. Für das leibliche Wohl der Gäste war ein siebenköpfiges Bedienpersonal zuständig – abgestellt aus der Regierungssiedlung Wandlitz. Für die technische Funktionsfähigkeit sorgten MAN-Hauptmotoren und eine Decca-Radaranlage – aus dem Westen.

Wechselvolle Geschichte begann mit dem Ende der DDR

Mit dem Ende der DDR begann eine wechselvolle Geschichte für die Staatsjacht. Zunächst kaufte die Berliner Weiße Flotte die nach dem Heizer der kaiserlichen Marine und Helden der kommunistischen Linken, Albin Köbis, benannte Barkasse – und taufte sie auf den unverfänglichen Namen „Bellevue“. Zwei Jahre später ging sie an die Berliner Stern- und Kreisschifffahrt. „Das Konzept, mit repräsentativen Charterfahrten auf den Berliner Seen Geld zu verdienen, ging aber nicht auf“, berichtet Giesler. 1994 ging das Schiff in Privatbesitz, zunächst an die Hegemann AG, seit 1997 dann an die Wolgaster Peene-Werft, deren Eigner Detlef Hegemann war.

Hegemann ließ das Schiff umbauen und umtaufen. Aus der „A. Köbis“, später „Bellevue“, später „Preussen“ wurde schließlich die „Vineta“. Der klotzige Ost-Charme wich einer zeitgemäßen Ausstattung. An die Schiffsübergabe im 25. Jahr der DDR erinnert noch ein Holzschild mit einem darauf drapierten Flaschenhals rumänischen Tauf-Sekts.

Das Handicap des Insolvenzverwalters: Die Jacht ist nur für Binnengewässer zugelassen und hat keine Schlafräume. Der Verwendungszweck hat sich seit 1974 auch nicht wesentlich geändert. „Aufgrund seiner repräsentativen Gestaltung und Ausstattung ist es besonders für Rundfahrten von Delegationen und zur Abhaltung von Konferenzen geeignet“, heißt es schon in der Baubeschreibung von 1974. Immerhin: Der große Salon fasst 50 Leute und hat einen wuchtigen Konferenztisch.

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