Filmstarts der Woche Die Coen-Brüder schlagen wieder zu

Lena (Emma Watson) und Daniel (Daniel Brühl) geraten in "Colonia Dignidad" in die Straßenunruhen während des Militärputschs in Chile.

Lena (Emma Watson) und Daniel (Daniel Brühl) geraten in "Colonia Dignidad" in die Straßenunruhen während des Militärputschs in Chile.© Majestic / Ricardo Vaz Palma

Stepptanz und Wasserballett: In ihrem neuen Film lassen die Coen-Brüder das Hollywood der 50er-Jahre auferstehen. Außerdem neu im Kino: Daniel Brühl wird verschleppt und Will Smith kämpft gegen übermächtige Gegner.

„Colonia Dignidad“: Politthriller mit Starbesetzung

Chile, 1973: Beim Militärputsch von Pinochet werden der deutsche Fotograf Daniel (Daniel Brühl) und seine Freundin, die Stewardess Lena (Emma Watson), von der Geheimpolizei verhaftet. Während Lena nach wenigen Tagen wieder freigelassen wird, verschwindet der Allende-Sympathisant Daniel, nachdem er gefoltert wurde, in der obskuren „Colonia Dignidad“. Um Daniel wiederzusehen, lässt sich Lena freiwillig in die Kolonie einweisen, in der Sektenführer Paul Schäfer (Michael Nyqvist) eine Schreckensherrschaft errichtet hat.

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Oscarpreisträger Florian Gallenberger („John Rabe“) beleuchtet in seinem Politthriller ein ganz dunkles Kapitel chilenisch-deutscher Geschichte. Aber auch wenn Watson und Brühl noch so engagiert agieren – beide wirken fast wie Fremdkörper in dieser düsteren Tragödie, die mittlerweile historisch schon sehr entrückt wirkt. Politthriller, auch wenn sie nicht in der unmittelbaren Gegenwart spielen, sollten immer auch aktuelle Bezüge haben. Die vermisst man in „Colonia Dignidad“ leider schmerzhaft.

  • Colonia Dignidad, Deutschland 2015, 110 Min.
  • FSK o.A.
  • Regie: Florian Gallenberger
  • Darsteller: Emma Watson, Daniel Brühl, Michael Nyqvist

 

„Hail, Caesar!“: Eine Ode an das frühere Hollywood

Die Coen-Brüder schlagen wieder zu – und liefern dieses Mal einen filmischen Liebesbrief an die goldenen Zeiten Hollywoods in den 1950er-Jahren. Im Zentrum von „Hail, Caesar!“ steht Eddie Mannix (Josh Brolin). Er hält im Filmstudio Capital Pictures als einer der Bosse die Fäden zusammen und muss sich eines Tages darum kümmern, dass sein Superstar Baird Whitlock (George Clooney) vom Set eines epischen Sandalenfilms entführt wird.

Die Coens lassen ihr großartiges Ensemble mit viel Charme agieren, ein Stepptanzauftritt von Channing Tatum bringt genau so viel Spaß wie eine Schwimm-Revue-Nummer mit Scarlett Johansson.

  • Hail, Caesar!, USA 2016, 106 Min.
  • FSK o.A.
  • Regie: Joel und Ethan Coen
  • Darsteller: Josh Brolin, George Clooney, Alden Ehrenreich, Channing Tatum, Scarlett Johansson, Tilda Swinton, Ralph Fiennes

 

Einer gegen alle: „Erschütternde Wahrheit“ mit Will Smith

Er entlockt den Toten ihre letzten Geheimnisse: Dr. Bennet Omalu (überzeugend: Will Smith), ein aus Kenia stammender brillanter Pathologe, liebt seine Arbeit. Eines Tages liegt dann das Football-Idol Mike Webster auf seinem Seziertisch. Am Ende seines Lebens war „Iron Mike“, wie er von seinen Fans genannt wird, ein von Drogen zugrunde gerichtetes Wrack. Was aber hat den Mann wirklich umgebracht? In Peter Landesman Drama „Erschütternde Wahrheit“ macht Omalu eine erschreckende Entdeckung, die die Welt des American Football in ihren Grundfesten erschüttern könnte. Nicht jeder aber will diese Wahrheit hören. Übermächtig sind die Gegner, mit denen sich Omalu angelegt hat. Es beginnt ein Kampf David gegen Goliath.

Das Drama von Regisseur von Peter Landesman spielt sich als Kammerspiel in Nahaufnahmen ab. Die Kamera kriecht an die Protagonisten heran, fängt die kleinsten Regungen ein und übersetzt sie in intensive Bilder von großer Eindringlichkeit. Eher trostlose Stadtansichten von Pittsburgh unterstreichen die Bedeutung des Footballs als Heilsbringer. Wer daran rüttelt, hat schnell viele Feinde.

„Erschütternde Wahrheit“ ist eine One-Man-Show für Will Smith: Als Blockbuster-Star hat er seine Box-Office-Qualitäten vielfach unter Beweis gestellt, seine stärksten Leistungen zeigte er aber in biografischen Dramen. Er war Muhammad Ali („Ali“) und Chris Gardner, der als Obdachloser in „Das Streben nach Glück“ seinen Weg zurück ins Leben findet – für beide Filme erhielt er eine Oscar-Nominierung. Das hätte er auch für „Erschütternde Wahrheit“ verdient gehabt. Stattdessen wird er nicht zur Verleihung Ende Februar kommen, weil keine Schwarzen in den Schauspielkategorien nominiert wurden.

  • Erschütternde Wahrheit, USA 2015, 122 Min.
  • FSK ab 12
  • Regie: Peter Landesman
  • Darsteller: Will Smith, Alec Baldwin, Gugu Mbatha-Raw

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