Die Generation "Y" Machen sie keine Überstunden mehr?

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Freizeit statt Arbeit: Zählt für die junge Generation nur das Leben abseits des Jobs?

Freizeit statt Arbeit: Zählt für die junge Generation nur das Leben abseits des Jobs?© maxoidos - Fotolia.com

Legen die Jahrgänge 1985 bis 1990, die jetzt auf den Arbeitsmarkt drängen, extrem viel Wert auf Freizeit? Wer genau hinsieht, erkennt: Die Generation "Y" lässt sich auch in puncto Work-Life-Balance nicht über einen Kamm scheren.

„Der Generation ‚Y‘ sind Selbstbestimmung und Familie wichtiger als Karriere und Geld“ lautet der Untertitel von „Student Survey 2013“, einer aktuellen Studie der „Agentur ohne Namen“. Kein Wunder, hatten doch 78 Prozent der befragten Studenten angegeben, dass ihnen Familie und Freunde sehr wichtig seien. 60 Prozent bezeichneten außerdem Selbstverwirklichung, persönliche Freiheit und Work-Life-Balance als sehr wichtig. Erfolg im Beruf, Aufstieg und Leistung wiederum interessierten gerade mal 33 Prozent.

Das Ergebnis bestätigt die Vorurteile, die ohnehin über die Generation „Y“ in Umlauf sind: Leute mit Hang zur Selbstverwirklichung, viel Zeitaufwand für die Familie, wenig Interesse an der Karriere. Ziel: Eine Work-Life-Balance mit mehr Life als Work. Ihr Lebensmotto: „Ich lebe nicht, um zu arbeiten. Ich arbeite, um zu leben.“ Doch es ist höchste Zeit, die Schublade wieder zu öffnen. Denn so einfach lassen sich die Jahrgänge 1985 bis 1990 nicht abstempeln.

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Zwischen Wohlstand und Finanzkrise

„Das ist eine Generation, die sehr widersprüchlich ist“, korrigiert Per Breuer, Personalchef der Strategieberatung „Roland Berger“, den vorherrschenden Eindruck. Und das aus gutem Grund: Auf der einen Seite seien die meisten Angehörigen dieser Generation in Wohlstand aufgewachsen, hätten besorgte Eltern, die sehr viel Wert auf die hohe Bildung und Qualifizierung ihrer Kinder gelegt haben. Auf der anderen Seite seien sie beruflich mit der seit Jahrzehnten schwersten Finanzkrise konfrontiert. „Das sind Widersprüche“, so Breuer, „die sich auch in der Werteorientierung wiederfinden.“ Und so begegnet er beiden Gruppen der Generation „Y“: Jungen Menschen mit klarer Karriereorientierung und solchen, die sich selbst verwirklichen wollen.

Irgendwo dazwischen befindet sich Simon Weber*. Der 26-Jährige aus Trier hat vor Kurzem seinen Bachelor in Automatisierungstechnik absolviert, und das quasi nebenbei: Abends drückte er die Schulbank, tagsüber arbeitete er Vollzeit bei einem Maschinenbauunternehmen. Schon länger spielt er mit dem Gedanken, seine Arbeitszeit von 40 auf 30 Stunden zu reduzieren. „Ich überlege, den Master dranzuhängen“, sagt Simon. „So hätte ich mehr Zeit, mich auf mein Studium zu konzentrieren.“ Auch nach dem Master will er beruflich kürzer treten – dann allerdings wegen der Familie. „Der Job ist eine Geldeinnahmequelle, die stimmen muss“, so Weber, „aber Familie ist das, worauf es ankommt.“

Downshifter: Einen Gang runter schalten

Andere haben diese Richtung längst eingeschlagen. Solche sogenannten Downshifter berät Wiebke Sponagel, die als Berufscoach arbeitet. „Zeit ist das eigentliche Luxusgut, das keine Währung der Welt kaufen kann“ heißt es auf ihrer Internetseite. Downshifter nehmen in Kauf, weniger Geld zu verdienen, wenn sie dafür weniger arbeiten müssen. Diese Einstellung gönnten sich vor allem Angehörige von Berufen, in denen ohnehin viel Geld verdient wird – Manager oder Investmentbanker zum Beispiel.

Ursache für das Bedürfnis, einen Gang runter zu schalten, sei meistens die Tatsache, dass viele Unternehmen von ihren Mitarbeitern ständig Höchstleistungen verlangten. „Dass man mit dem Personal nachhaltig umgeht, dass Erholungsphasen sein müssen, ist in der Wirtschaft noch nicht so bekannt“, sagt Sponagel. Hinsichtlich der Altersgruppe habe sich etwas verschoben: „Vor zehn Jahren waren das noch Leute, die über 40 Jahre alt waren. Heute kommen schon 30-Jährige zu mir.“ Dass aber ganz junge Arbeitnehmer, die gerade erst im Arbeitsleben angekommen sind, kürzer treten wollen, beobachtet sie kaum. Das Downshiften also kein typisches Generations-Y-Phänomen? Nein, sagt auch Per Breuer von der Unternehmensberatung „Roland Berger“. „Das ist kein spezifisches Thema der Generation „Y“, sondern ein allgemeiner Trend.“ Es scheint einfach so zu sein wie in allen Lebensbereichen: Es gibt solche und solche – und es gibt sie überall.

*Name von der Redaktion geändert

 

Die Geburtsjahrgänge 1985-1990 kommen auf den Arbeitsmarkt – und über die „Millennials“, auch „Generation Y“ genannt, geistern verschiedene Vorurteile durch die Medien und Personalabteilungen. Doch sind die Y-Jahrgänge wirklich nicht mehr belastbar, besonders empfindlich, wenn es um Stress im Job geht – und lassen sie sich ständig von Facebook und ihrem Smartphone ablenken? In einer neuen Serie klären die auf, die es am besten wissen müssen: Nachwuchstalente der Kölner Journalistenschule, die selbst zur Generation „Y“ zählen. Zur Serienübersicht

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