Leben Die Reise der Daten: Wie gläsern darf ein Urlauber sein?

Sonnenuntergang am Strand in Dubai.

Sonnenuntergang am Strand in Dubai.© picjumbo

Wir buchen online, nutzen Apps als Reiseführer und posten unsere Urlaubsfotos im Netz: Urlauber hinterlassen eine breite Datenspur. Die soll nun zu Geld gemacht werden - doch das gefällt nicht jedem.

Sie nennen es Checkpoint of the Future: Wer als Reisender viel über sich preisgibt und wessen Daten unverdächtig erscheinen, kommt am Flughafen schneller durch den Sicherheits-Check. Die Gedankenspiele des internationalen Airline-Verbands IATA sind nur ein Beispiel dafür, was im Tourismus künftig möglich werden könnte. Ein anderes: Wer heute im Netz „USA-Urlaub“ sucht und morgen „Wohnmobil“, erhält gleich ein Mietangebot für einen Caravan in Kalifornien.

Wer reist, hinterlässt immer mehr Daten – schnell entsteht mit Computerhilfe ein Profil des einzelnen Reisenden. In der Reisebranche lässt das viele Augen leuchten. Doch Datenschützern treibt es Sorgenfalten auf die Stirn.

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Ob beim Buchen, beim Bezahlen, am Flughafen, im Online-Reiseführer – die Datenspur endet erst, wenn der Urlauber nach der Heimkehr die schönsten Wochen des Jahres im Netz bewertet und seine Fotos einstellt.

Der Datenschatz auf der Reise wächst nach und nach: Es beginnt mit Namen und Geburtsdatum und führt je nach Unternehmungen und Reiseziel bis zu politischen Interessen und Informationen über Krankheiten.

Ein Drittel der Reisen werden online gebucht

Schon knapp ein Drittel der Reisen buchen die Bundesbürger online, ergab die jüngste Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen. Immer mehr Informationen werden elektronisch erfasst – und lassen sich damit leicht auswerten. Noch sind die Potenziale kaum ausgeschöpft, der Informationstechnik-Branchenverband Bitkom sieht in so genannten „Big Data“ aber einen Milliardenmarkt. Daten sind Geld.

Das Ziel: Vorhandene Daten mit neuen Datensätzen verbinden und so Verhaltensmuster erkennen. Eine Ahnung davon, worum es geht, gibt beim Online-Einkauf der Werbe-Hinweis: „Kunden, die dieses Produkt gekauft haben, interessierten sich auch für…“ Wie in einem Mosaik führen viele kleine Daten-Bausteine zunehmend zu einem genauen Bild des Kunden.

Touristiker hatten immer schon Zugriff auf viele Daten, erklärt Harald Eisenächer, Vizechef des Reservierungssystem-Anbieters Sabre. Aber erst heute sei es möglich und bezahlbar, sie gezielt auszuwerten. „Reisende sind Datenmagneten“, meint Eisenächer. Beide – Unternehmen und Kunden – profitierten von der Auswertung, meint Eisenächer. So könnten Apps Passagiere warnen, dass sie ihr Gate im falschen Terminal suchen, oder sie bieten ihm Bücher seines Geschmacks an, wenn er den Buchladen passiert.

„Big Data“ ist nicht aufzuhalten

Dem Datenschützer Peter Schaar ist dabei nicht wohl. „Es kann nicht sein, dass ich nur noch reisen kann, wenn ich einwillige, dass alle meine Daten ausgewertet werden“, kritisiert Schaar.
Er warnt auch die Unternehmen: Schnell seien Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse bedroht, wenn die Kundeninformationen in falsche Hände geraten. Viele teilen Schaars Unbehagen. Nach einer repräsentativen Umfrage für die Telekom will etwa nur jeder zehnte seine Daten für personalisierte Werbung preisgeben.

Doch die Maschinerie läuft auf vollen Touren: „Die Big-Data-Bewegung ist nicht aufzuhalten“, heißt es etwa in einem aktuellen Papier der Deutschen Bank. Kosten ließen sich senken und Kunden gezielter ansprechen. Die Forschungsabteilung der Bank hält aber auch eine Warnung vor der „ungezähmten Macht“ für angebracht. „Durch unverhältnismäßiges Datensammeln einiger Akteure könnte das Vertrauen in digitale Kanäle verlorengehen, zumindest spürbar sinken.“ Mit fatalen Folgen für das Wachstumsfeld.

Schaar appelliert ebenfalls an die Kunden: „Gehen sie mit offenen Augen durchs Leben. Geben sie nicht unnötig alles preis, was der andere wissen will.“

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